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27.03.2012

17:43 Uhr

Brustkrebs

Gentest soll Zahl der Chemotherapien senken

ine Chemotherapie belastet Körper und Seele. Viele Brustkrebs-Patientinnen brauchen aber eigentlich keine solche Behandlung. Ein Gentest am Tumorgewebe berechnet, wie hoch das Rückfallrisiko ist.

Mammographie einer weiblichen Brust. Der Gentest Oncotype DX soll Klarheit bringen, ob eine Chemotherapie bei Brustkrebspatientinnen notwendig ist. dpa

Mammographie einer weiblichen Brust. Der Gentest Oncotype DX soll Klarheit bringen, ob eine Chemotherapie bei Brustkrebspatientinnen notwendig ist.

MönchengladbachEin neuer umfassender Gentest soll mehr Brustkrebspatientinnen eine belastende Chemotherapie ersparen. Zwölf Brustzentren im Rheinland und in Hamburg bieten erkrankten Frauen in einem Pilotprojekt den US-Test Oncotype DX zur Bestimmung des Rückfallrisikos an. Damit kann bestimmt werden, ob nach der Tumorentfernung eine Chemotherapie notwendig ist.

Der Test sei „Neuland“ in Deutschland, sagte die Leiterin des Brustzentrums Niederrhein, Professorin Ulrike Nitz, am Dienstag in Mönchengladbach. In den medizinischen Leitlinien werde bisher nur empfohlen, ihn innerhalb von Studien anzuwenden. Eine Analyse der Westdeutschen Studiengruppe (WSG) soll in etwa drei bis vier Jahren belastbare Erkenntnisse zur Effektivität des Verfahrens bringen. Die Kosten für den Test in Höhe von 3000 Euro übernimmt bislang die AOK Rheinland/Hamburg für ihre Versicherten.

Im Gegensatz zu dem seit Jahren in Deutschland geläufigen uPA/PAI-1-Eiweiß-Test könne Oncotype DX Informationen zu mehreren Genen liefern, die für Brustkrebs verantwortlich seien, sagte der wissenschaftliche Koordinator der WSG, Oleg Gluz. Außerdem könne er auch eingesetzt werden, wenn Lymphknoten befallen seien. Ziel sei, den Anteil der Patientinnen, die auf eine Chemotherapie verzichten könnten, von 20 Prozent auf 50 Prozent zu steigern.

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Jedes Jahr sterben nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Deutschland etwa 18.000 Frauen an dieser Krebsart, 57.000 Frauen erkranken neu daran. Die Angst vor der Chemotherapie „sitzt in jedem Kopf“, sagte Nitz. Zwei Drittel der mit einer Chemotherapie behandelten Frauen brauchten diese aufgrund eines geringen oder mittleren Rückfallrisikos aber gar nicht.

Kommentare (2)

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Pachmann

12.04.2012, 12:16 Uhr

Teil 2: Da es sich in diesen Fällen vielfach um Patientinnen handelt, deren Krebserkrankung erst in 10 oder mehr Jahren ein Rezidiv erwarten lässt, können die tatsächlichen Vorteile bisher allerdings nur auf Grundlage statistischer Abschätzungen beziffert werden.


Dagegen wird bei der Überwachung der zirkulierenden Tumorzellen mit Hilfe der maintrac-Methode das Verhalten der Zellen, die tatsächlich noch im Körper vorhanden sind, untersucht. Diese Zellen stellen einen Teil, wenn nicht gar die gesamte Resttumorlast dar. Mit maintrac kann, sofern keine Chemotherapie geplant ist, überwacht werden, ob die Zellen durch die meist notwendige Hormontherapie im Zaum gehalten werden. Dies ermöglicht nicht nur eine im Sinne der Psychoonkologie positive Rückmeldung für die Patientin: Denn in diesem Fall steht fest, dass die Therapie wirksam ist und die Nebenwirkungen nicht umsonst in Kauf genommen werden. Auch nach Ende der Therapie kann schnell und unkompliziert überwacht werden, ob die Zahl der Tumorzellen im Körper der Patientin wieder zunehmen.


Bereits während einer Chemotherapie lässt sich zudem das Verhalten der Resttumorzellen im Körper beobachten und damit überprüfen, ob die Chemotherapie die Zellen zu reduzieren vermag. Wenn dies nämlich nicht definitiv möglich ist und die Zellzahl während der Therapie sogar wieder ansteigt, besteht erhöhte Rezidivgefahr. Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt sollte dann das weitere Vorgehen geprüft werden.


Die maintrac-Untersuchungen können zwar nicht - wie die oben genannten Gentests - aus dem Primärtumor bereits vor Beginn einer Therapie vorhersagen, ob diese notwendig ist oder nicht. Vielmehr liegt ihre Stärke darin, während einer Therapie zu überprüfen, ob diese wirksam ist oder nicht. Dadurch kann maintrac die Voraussagen für jede einzelne Patientin bestätigen oder relativieren und dazu beitragen, den Therapieerfolg zu optimieren.
Weitere Informationen: www.maintrac.de



Pachmann

12.04.2012, 12:21 Uhr

Teil 1:
Insbesondere bei Brustkrebs können, selbst wenn der komplette Tumor entfernt wurde, sogar noch längere Zeit nach der Operation wieder Metastasen auftreten. Aus diesem Grund wurden systemische Therapien entwickelt, die nach einer Operation eingesetzt werden. Bei Brustkrebs sind adjuvante Chemotherapien fest etabliert, die die Rezidivrate signifikant herabsetzen konnten. Eine adjuvante Chemotherapie wird heute bei nahezu 90 Prozent der Patientinnen eingesetzt. Jedoch ist bekannt, dass nur ein Bruchteil dieser Patientinnen davon profitiert. Zum einen, weil ein Teil von ihnen eine so geringe Rezidiv-Wahrscheinlichkeit hat, dass die Prognose durch eine Chemotherapie nicht verbessert wird. Zum anderen leider auch, weil manche Patientinnen trotz der Chemotherapie ein Rezidiv erleiden.


Inzwischen sind einige Gentests verfügbar, die (vor allem bei Brustkrebs) aus den Eigenschaften eines Primärtumors ableiten, ob und in welchem Umfang weitere Therapien notwendig und sinnvoll sind. Sie kommen vornehmlich bei Patientinnen zum Einsatz, die prinzipiell eine gute Prognose haben. Hierzu zählen beispielsweise ältere Patientinnen mit nur wenigen befallenen Lymphknoten und einer niedrigen Wachstumstendenz, die in zunehmendem Maße durch das Mammographie-Screening identifiziert werden.


Das screening hilft somit immer häufiger, wenig aggressive Tumore zu entdecken, bei denen eine chemotherapeutische Behandlung möglicherweise verzichtbar ist und somit das Gesundheitssystem weiter belasten. Mit Hilfe der vorgeschlagenen Gentests könnte die Zahl der unnötig durchgeführten Chemotherapien wahrscheinlich reduziert werden. Damit bliebe den betroffenen Patienten eine erhebliche Belastung und dem Gesundheitssystem beträchtliche Kosten erspart. Bei all diesen Ergebnissen handelt es sich um statistische Wahrscheinlichkeiten, die aus den Eigenschaften des Primärtumors abgeleitet werden.

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