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08.10.2014

11:04 Uhr

Bundeswehr-Hilfsmission

Ebola-Helfer können nicht ausgeflogen werden

Die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen muss ihr „Rettungsversprechen“ zurücknehmen. Die Ebola-Helfer können im Notfall nicht ausgeflogen werden. Es kommen Zweifel an der Hilfsmission auf.

Soldaten des Sanitätsdienstes der Bundeswehr: Ausbildung für den Kampf gegen Ebola. dpa

Soldaten des Sanitätsdienstes der Bundeswehr: Ausbildung für den Kampf gegen Ebola.

HamburgVor Beginn der Bundeswehr-Hilfsmission für die Ebola-Region in Westafrika hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) einem Medienbericht zufolge das Versprechen an Soldaten und freiwillige Helfer zurücknehmen müssen, dass diese im Notfall ausgeflogen würden. Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel Online“ berichtete, gestand Verteidigungsstaatssekretär Markus Grübel ein, die Bundeswehr sei nicht in der Lage, bei dem Einsatz infizierte Soldaten oder freiwillige Helfer im Notfall auszufliegen.

In dem dreiseitigen Bericht für den Bundestag schreibt Grübel demnach, die Bundeswehr verfüge nicht „über eigene Lufttransportmittel, mit denen die Ebola-Patienten transportiert werden könnten“. Stattdessen würden Infektionsfälle zunächst am Einsatzort behandelt. So solle „im Falle einer Infektion die sanitätsdienstliche Behandlung im Schwerpunkt direkt vor Ort sichergestellt werden“, heißt es.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Von der Leyen hatte den für die Hilfstransporte eingesetzten Soldaten und Freiwilligen persönlich versprochen, sie im Fall einer Infektion sofort nach Deutschland zurück zu holen. „Im Notfall können Sie sich darauf verlassen, dass Sie nach Deutschland zurückgeholt und Sie in Deutschland medizinisch behandelt werden“, schrieb sie am 22. September in einem von ihr unterzeichneten Tagesbefehl an die Truppe.
Die Bundeswehr will laut dem Bericht von Grübel am Mittwoch mit dem Transport eines Feldlazaretts ins Ebola-Gebiet beginnen, wie „Spiegel Online“ meldet. Bisher ist nicht klar, wer die mobile Klinik in Liberia betreiben soll. Bundeswehr-Sanitäter reisen nicht mit nach Afrika. Grübel erklärte dem Bericht zufolge dazu, „die Frage nach dem Betreiber und dem Betrieb“ werde geprüft.
Die Opposition übte Kritik an von der Leyen. Wieder einmal zeige sich, „dass die Ministerin sich mit der Hilfsaktion in erster Linie medial profilieren wollte und ihre Versprechen dann nicht halten kann“, sagte die grüne Verteidigungsexpertin Agniezska Brugger „Spiegel Online“. Schon jetzt entstehe der Eindruck, dass sich „ihre Politik mehr um sie selbst dreht als um die Sicherheit der Freiwilligen“.

Von der Leyens Aufruf richtete sich vor allem an medizinisches Personal, aber auch an Techniker und Logistiker. Sie sagte den Freiwilligen auch eine Schulung im Umgang mit Ebola, eine Unterrichtung über die Lage vor Ort und einen finanziellen Ausgleich zu. In Westafrika wütet schon seit Monaten eine Ebola-Epidemie, der schon fast 3500 Menschen zum Opfer gefallen sind. Auf Liberia entfallen fast zwei Drittel der registrierten Ebola-Toten. Die anderen beiden Krisenzentren sind Guinea und Sierra Leone.

Von

afp

Kommentare (1)

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Frau Susanne Margit

08.10.2014, 11:33 Uhr

Oder das Ministerium hat die Ministerin auflaufen lassen. Ich war lange genug im BWB in Koblenz beschäftigt und damals hieß es schon, dass man einen Minister nicht bräuchte und das Verteidigungsministerium galt damals schon als unregierbar.

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