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19.06.2012

11:29 Uhr

CCS-Technik

CO2-Speicher können die Erde beben lassen

Kohlendioxid aus der Industrie in unterirdische Lagerstätten zu pumpen, gilt als ein möglicher Ansatz im Kampf gegen den Klimawandel. Experten warnen: Gerade in größeren Anlagen könnten Erdbeben die Folge sein.

Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Spremberg. Die Speicherung von CO2-Emissionen aus der Industrie in unterirdischen Speichern birgt Risiken. ap

Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Spremberg. Die Speicherung von CO2-Emissionen aus der Industrie in unterirdischen Speichern birgt Risiken.

StanfordDie Speicherung von Kohlenstoffdioxid in unterirdischen Lagerstätten könnte US-Forschern zufolge mancherorts Erdbeben zur Folge haben. Mark Zoback und Steven Gorelick von der Universität Stanford warnen in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften („PNAS“) vor den möglichen Risiken der sogenannten CCS-Technik (Carbon Capture and Storage). Dabei wird Kohlenstoffdioxid, kurz CO2, zur Speicherung in die Erde gepresst - so soll verhindert werden, dass das Gas in die Atmosphäre gelangt.

Die Wissenschaftler argumentieren, dass die CCS-Technik aufgrund des enormen weltweiten CO2-Ausstoßes nur im großen Maßstab Sinn habe - also wenn riesige Mengen in die Tiefe gepumpt würden. Gerade dann aber gebe es Risiken. Kleine Beben hätten zwar meist keine großen direkten Schäden zur Folge - sie seien jedoch fatal für die Dichtheit der Lagerstätten und die Effektivität der CCS-Technik.

Kohlenstoffdioxid zählt zu den Treibhausgasen, die für die globale Erderwärmung mitverantwortlich sind. Es entsteht unter anderem bei der Verbrennung von Kohle in Kraftwerken. Beim CCS-Verfahren wird das CO2 zunächst von anderen Abgasen getrennt, gereinigt und dann unter hohem Druck verflüssigt. In dieser Form soll es unterirdisch gespeichert werden.

Wenn eine Flüssigkeit in tiefe Quellen gepresst werde, könne der sogenannte Porendruck ansteigen, schreiben die Forscher. Geschehe dies nahe bestimmter Verwerfungen, also von Bruchstellen im Gestein, könnten Erdbeben ausgelöst werden. So habe es im vergangenen Jahr mehrere kleine Beben in den USA gegeben, die bei der Injektion von Abwasser entstanden seien. Erdbeben, die von Untergrund-Techniken ausgelöst wurden, gab es auch in Deutschland schon. Ein Geothermie-Kraftwerk im pfälzischen Landau ließ zum Beispiel mehrmals die Erde leicht beben.

In den „Proceedings“ heißt es, dass große Verwerfungen bei der Erkundung potenzieller CO2-Lagerstätten durchaus erkannt und große Beben so vermieden werden könnten. Kleine Bruchstellen würden jedoch leicht übersehen. Eine mögliche Folge: kleine Beben bei der CO2-Einpressung - mit der Gefahr, dass danach Gas aus undicht gewordenen Stellen entweicht. „Um den gleichen Klimanutzen wie bei erneuerbaren Energien zu erreichen, darf nur weniger als ein Prozent des gespeicherten CO2 je tausend Jahre aus den Lagerstätten sickern“, schreiben die Forscher.

CCS-Pilotprojekte in Deutschland stießen bislang oft vor allem bei Anwohnern und Umweltverbänden auf Widerstand. Ein Gesetz, dass die Erprobung des Verfahrens regeln sollte, wurde im vergangenen Jahr vom Bundesrat gestoppt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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19.06.2012, 12:00 Uhr

"CCS-Technik"
Welch ein Blödsinn.In jeder Pflanze ist CO2 gespeichert, in Bäumen natürlich mehr, in Grasland weniger.
Auf der einen Seite riesige Urwaldflächen abbrennen, auf der anderen Seite der Vorschlag, CO2 in Kaverne zu speichern. Unglaublich wozu uns die allerorten anzutreffende naturwissenschaftliche Halb- oder Nichtbildung führt. wobei die Halbbildung der Grünen noch schlimmer ist, als die Nichtbildung bei den Regierungsparteien.

Milan

19.06.2012, 22:31 Uhr

Schön wärs...Richtigstellung: Der Bundesrat hat den Gesetzentwurf an den Vermittlungsausschuss weitergegeben und Altmeier macht jetzt Druck, das Ding noch vor der Sommerpause ins Rollen zu bringen. Es ging beim CCS-Gesetz von Anfang an nicht um Klimaschutz, sondern nur um eine nationale Anwendungserlaubnis, damit EU-Fördergelder für den Bau von CCS-Ready-Kohlekraftwerken für die Konzerne locker gemacht werden können.Übrigens haben die ihre Hauptaktivität auf die EU verlagert, dort möchte Marionette Oettinger am liebsten eine CCS-Verpflichtung an alle EU-Staaten aussprechen, ferner wittern Kapitalanleger auf großzügig durch die öffentliche Hand geförderte Pipeline-Geschäfte im Umfang von 22 000 km und über 55 Mia € Investitionsvolumen. Mögen also die Stanford Erkenntnisse, wie sie auch schon durch hiesige Experten herausgefunden wurden, aber leider kaum Beachtung fanden, endlich den Sieg über die leidbringende Plutokratie davontragen.

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