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27.01.2016

14:16 Uhr

Challenger-Unglück vor 30 Jahren

Die Ur-Katastrophe der US-Raumfahrt

Es sollte ein Festtag werden. Millionen Menschen auf der ganzen Welt verfolgten live den 25. Start eines Spaceshuttles – und wurden Zeugen einer Katastrophe: Vor 30 Jahren explodierte die US-Raumfähre Challenger.

Bei der Explosion des Spaceshuttles vor 30 Jahren starben alle sieben Astronauten an Bord. dpa

Explosion der Challenger

Bei der Explosion des Spaceshuttles vor 30 Jahren starben alle sieben Astronauten an Bord.

New YorkEs ist ein frostiger Dienstag mit strahlend blauem Himmel, an dem das Spaceshuttle Challenger zu seiner zehnten Weltraummission aufbrechen sollte. Millionen Menschen auf der ganzen Welt beobachten den Start an jenem 28. Januar 1986 live vor den Fernsehern. Zum 25. Mal soll eine US-Raumfähre Menschen ins All bringen, eine Routinemission.

Auf der Besuchertribüne des Weltraumbahnhofs Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida sitzen die Eltern der Grundschullehrerin Christa McAuliffe, die als erste Nicht-Astronautin mit in den Orbit fliegen darf, sie klatschen und jubeln. „Wir gehen auf volle Kraft“, meldet Kommandant Francis Scobee aus der Challenger an die Bodenkontrolle.

Raumfahrt-Katastrophen

22. März 1961

Kurz vor dem ersten russischen Raumflug kommt der Kosmonaut Walentin Bondarenko beim Training in einer Isolationskammer des Moskauer Instituts für Raumfahrtmedizin ums Leben. Ein mit Alkohol getränkter Wattebausch hatte sich entzündet und die mit reinem Sauerstoff gefüllte Kammer in Brand gesetzt.

27. Januar 1967

Bei einem Bodentest der US-Raumkapsel Apollo 1 am Raketenstartplatz Cape Canaveral (US-Bundesstaat Florida) verbrennen drei amerikanische Astronauten. Ein Funke hatte die Kapsel in Brand gesetzt.

24. April 1967

Der sowjetische Kosmonaut Wladimir Komarow zerschellt nach der Rückkehr aus dem Weltraum mit seinem Raumschiff Sojus 1 auf der Erde. Das Fallschirmsystem hatte versagt.

29. Juni 1971

Die dreiköpfige Besatzung des sowjetischen Raumschiffes Sojus 11 wird bei der Rückkehr von der Saljut-Raumstation tot in ihrer Kapsel aufgefunden. Bei der Landung hatte der Druckausgleich der Kapsel versagt.

18. März 1980

Eine Wostok-2M-Rakete explodiert beim Betanken direkt auf der Startrampe des russischen Weltraumbahnhofs Plessezk. 48 Menschen sterben.

28. Januar 1986

Nur 73 Sekunden nach dem Start explodiert die US-Raumfähre Challenger und stürzt in den Atlantik. Alle sieben Astronauten kommen ums Leben. Unglücksursache: eine fehlerhafte Dichtung zwischen Segmenten einer Antriebsrakete.

15. Februar 1996

Eine chinesische Rakete des Typs CZ-3 kommt kurz nach dem Start vom Kurs ab und stürzt in ein Dorf. Bei der Explosion sterben nach offiziellen Berichten sechs Menschen, inoffizielle Quellen sprechen von bis zu 500 Toten.

1. Februar 2003

Die Raumfähre Columbia bricht während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre auseinander. Alle sieben Astronauten an Bord sterben. Ursache der Katastrophe: Beim Start war ein Stück Schaumstoff vom Außentank abgerissen und hatte die Hitze-Isolierung des Spaceshuttles beschädigt.

22. August 2003

Eine brasilianische Trägerrakete des Typs VLS-1 explodiert auf der Startrampe des Weltraumbahnhofs Alcantara im Norden Brasiliens. 21 Menschen sterben.

Sekunden später ist alles anders. Wo gerade noch das Space Shuttle auf dem Weg in den Himmel zu sehen war, breiten sich große weiße Rauchwolken aus. „Es sieht so aus, als ob einige der Triebwerke bei einer Explosion abgesprengt worden sind“, sagt CNN-Kommentator Tom Mintier hörbar geschockt. „Offensichtlich gab es eine schwerwiegende Fehlfunktion“, sagt der Kommentator der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Allen Zuschauern ist sofort klar: Keiner der sieben Menschen an Bord kann diese Katastrophe überlebt haben. Es ist die bis dahin schlimmste Katastrophe in der US-Raumfahrtgeschichte, erstmals überhaupt sterben US-Astronauten im Einsatz. Beim Apollo-Unglück 1967, bei dem drei Astronauten starben, hatte es sich nur um einen Bodentest gehandelt. Der frostige Dienstag mit dem strahlend blauen Himmel wird zu einem der schwärzesten Tage in der Geschichte der Nasa.

Auf die Millisekunde genau hat sie die Ereignisse festgehalten: 58,788 Sekunden nach dem Start bildet sich demnach eine winzige Flamme an einer der Feststoffraketen. Rund fünf Sekunden später lodert bereits ein Feuer am Tankboden, dann umhüllt ein gelb-orangefarbenes Flammeninferno die Raumfähre. Nach 74,587 Sekunden zerbricht die Challenger in 16 Kilometern Höhe in tausende Teile. Die verkohlten Überreste der Astronauten im Atlantik zu finden dauert Monate.

Die Ursache des Unglücks ist schnell klar: Für Florida ungewöhnlich niedrige Temperaturen in der Nacht vor dem Start haben Dichtungsringe an einer der Antriebsraketen porös werden lassen. Während des Abhebens konnten heiße Gase entweichen, eine Kettenreaktion war unvermeidbar.

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