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22.05.2013

00:17 Uhr

China

Vogelgrippe richtet Milliardenschaden an

Die Geflügelbranche hat laut der WHO durch den Ausbruch des Vogelgrippeerregers H7N9 einen Schaden von 6,5 Milliarden Dollar erlitten. Zumindest scheint der Virus eingedämmt zu sein.

Noch lebende Enten werden zum Töten weggefahren. dpa

Noch lebende Enten werden zum Töten weggefahren.

GenfDie Vogelgrippe in China hat einen immensen wirtschaftlichen Schaden angerichtet. Die Einbußen in der Geflügelbranche beliefen sich auf rund 6,5 Milliarden Dollar, teilte ein hochrangiger Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation am Dienstag mit. Der Vogelgrippe-Erreger H7N9 hat in China 130 Menschen infiziert, davon starben 36. Tausende Vögel, vor allem Hühner und Enten, wurden bereits getötet, um eine Ausweitung der Seuche einzudämmen.

Seit Anfang Mai habe es keine neuen Ansteckungen gegeben, teilte die WHO weiter mit. Der Virus scheine unter Kontrolle gebracht zu sein. Es sei aber unwahrscheinlich, dass der Erreger verschwunden sei. Eine weitere Saison bis Frühjahr sei nötig, um die Tendenz zu bestätigen.

Infos zur Vogelgrippe H7N9

Was ist H7N9?

Das Virus H7N9 ist nach der Kombination zweier Eiweiße - Hämagglutinin und Neuraminidase - auf seiner Oberfläche benannt. Es geht in Geflügelfarmen um, gilt aber als „gering pathogenes“ Virus, das Vögel in der Regel nicht krank macht. Dies kann dazu führen, dass es sich unbemerkt verbreitet, was es deutlich erschwert, seinen Ursprung zu finden.

Wie gefährlich ist das Virus für den Menschen?

Seit Februar haben sich in China mehrere Dutzend Menschen infiziert. Zu den Symptomen gehören Fieber und Atemprobleme bis hin zu schweren Atemwegserkrankungen. Wie die Ansteckung genau verläuft, ist noch unklar. Viele Betroffene dürften sich bei infiziertem Geflügel angesteckt haben. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch galt lange als unwahrscheinlich, wird jetzt aber nicht mehr ausgeschlossen.

Welche Veränderungen des Virus beobachten Wissenschaftler?

Auch wenn es noch nicht sicher ist, scheint das Virus auf eine Weise mutiert zu sein, die es ihm einfacher macht, sich an Säugetiere anzupassen. Wissenschaftler versuchen derzeit, den aktuellen Wirt des Virus zu ermitteln. Eine Möglichkeit sind Schweine, weil sie einige grundlegende biologische Ähnlichkeiten mit Menschen aufweisen und als eine Art „Mischgefäß“ fungieren könnten, wenn sie mit verschiedenen Grippeviren-Typen gleichzeitig infiziert sind.

Gibt es eine Impfung?

Eine Impfung gegen H7N9 existiert nicht, allerdings arbeiten die Weltgesundheitsorganisation WHO und ihre Partner bereits daran, mögliche Viren zu isolieren und zu identifizieren, die künftig falls nötig für Impfungen genutzt werden könnten. Die Herstellung eines Impfstoffs würde allerdings Monate dauern.

Wie unterscheidet sich diese Vogelgrippe vom gefürchteten H5N1-Virus?

Anders als das H7N9-Virus war H5N1 meist tödlich bei Vögeln, was es leichter machte, Ausbrüche der Vogelgrippe zu identifizieren und ihnen entgegenzuwirken. H5N1 bleibt eine Vogelgrippe und hat nicht die Abzweigung zu weiteren Spezies wie Schweinen genommen. Die meisten Ansteckungen bei Menschen gingen entsprechend auf den Kontakt mit infizierten Vögeln zurück.

Der Erreger H5N1 infizierte seit 2003 weltweit mehr als 600 Menschen. 371 Patienten von ihnen starben. Experten fürchten allerdings, dass das H5N1-Virus in eine Form mutieren könnte, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird und damit möglicherweise eine Pandemie auslöst.

Sollte man Geflügelfleisch derzeit meiden?

Solange Geflügelprodukte vernünftig gekocht werden, gilt ihr Verzehr als ungefährlich.

H7N9 ist nicht der einzige Vogelgrippe-Erreger: So gab es wegen des aggressiven H5N1-Virus vor einigen Jahren die Sorge vor einer weltweiten Epidemie. Die neuen Infektionen weckten zuerst Erinnerungen an den Ausbruch der Lungenkrankheit Sars 2003, bei der weltweit etwa 8000 Menschen infiziert wurden, von denen etwa ein Zehntel starb. Offenbar wurde H7N9 jedoch deutlich schneller eingedämmt.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Prophet

22.05.2013, 08:47 Uhr

Alles rächt sich. Ich habe kein Mitleid mit der Branche. Gut, dass die am Ende draufzahlen, was sie vorher an artgerechter und hygienischer Haltung einsparen.

DieLiebeInAllem

22.05.2013, 13:09 Uhr

So eine Projektion! Der Virus richtet keine Milliardenschäden an!

Die Art und Weise der Haltung ist dagegen so schlecht und tierverachtend, dass ein einfacher Virus diese Monokultur für den menschlichen Verzehr komplett ungenießbar machen kann. Den "Verlust" erhält man erst, wenn man dann "keult", also zahlt für die Entsorgung. Alles aus Angst vor einer Epidemie bei den Menschen in den Käfighaltungen, äh ich meine Millionenmetropolen...

Account gelöscht!

28.05.2013, 15:55 Uhr

Ich schließe mich meinen Vorrednern an - widerlich und pervers diese Hühner-KZs!

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