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22.01.2008

12:15 Uhr

Chirurgie

Navigationssystem für den Körper

VonLars Reppesgaard

Bei der nächsten Arterie bitte links abbiegen – der Gedanke an durch Navigationssysteme gestützte Operationstechniken mag zunächst komisch erscheinen. Doch die Computerhilfe leitet den Chirurgen zielsicher durch sensible Zonen des menschlichen Körpers. Das minimiert nicht nur Fehler, sondern entlast auch die Patienten.

Auch Neurochirurgen werden sich in Zukunft auf Navigationssysteme verlassen können. Foto: dpa dpa

Auch Neurochirurgen werden sich in Zukunft auf Navigationssysteme verlassen können. Foto: dpa

HAMBURG. Navigationssysteme weisen nicht nur auf Straßen den Weg, sondern auch im menschlichen Körper. Mit Hilfe der Computersteuerung findet sich der Chirurg nicht nur schneller zu recht, er kann den Patienten zudem exakter behandeln. Navigationssysteme für den Operationssaal werden vor allem bei Hirn- und Kieferoperationen genutzt. Aber auch in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Mund- und Gesichtschirurgie sowie in der Wirbelsäulen- und in Unfallchirurgie helfen software-gestützte Steuersysteme den Operierenden mit einer Art Fernsteuerung, die richtigen Schnitte zu setzen. Das verhindert chirurgische Fehler und ermöglicht es oft, durch vergleichsweise kleine Öffnungen Organe zu operieren.

Bei Leberoperationen waren solche minimal-invasive Operationen bislang noch nicht möglich. Das haben Mediziner in Celle nun geändert. Chirurgen an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Allgemeinen Krankenhauses ist vor kurzem in Zusammenarbeit mit Softwarespezialisten des Bremer Unternehmens Mevis und Medizintechnikern des Lehrstuhl Mikrotechnik und Medizingerätetechnik (MiMed) der TU München erstmals gelungen, Metastasen, die sich nach einer Darmoperation bei einem Patienten in der Leber gebildet hatten, aufzuspüren und zu entfernen.

Die Leber stellte Unternehmen, die wie Mevis Software zur Operationsvorbereitung entwickeln, bislang vor eine unlösbare Aufgabe, wenn es um die Operationssteuerung geht: Im Gegensatz zu anderen Organen ist die Leber nicht sonderlich fest, und sie wird auch nicht, wie etwa das Gehirn, durch umgebende Knochen bei einem Eingriff in ihrer Form gehalten. Das extrem fein verästelte Organ bewegt sich zudem bei Operationen stark. Die Position des Gewebes ließ sich deshalb noch nicht sicher genug in Echtzeit auf dem Bildschirm abbilden.

Die Entwickler arbeiteten in dem vom Bundesforschungsministerium unterstützten Projekt mit einem Trick. Sie legten ein Ultraschallbild von der Leber des Patienten mit Hilfe einer Software exakt über ein virtuelles Modell der Leber, das zuvor anhand medizinischer Bilddaten errechnet worden war. Dadurch konnten sich die Chirurgen erstmals viel besser in dem Organ orientieren und auch kleine Tumoren schonend entfernen. „Die Grundidee, die Bilder übereinander zu legen, war recht simpel“, räumt Markus Lang, Mitglied der MeVis-Research-Geschäftsführung in Bremen ein. Aber dies sei nur ein erster Schritt. Als nächste gelte es, ein Nachführungssystem zu entwickeln, mit die Verschiebungen der Leber kompensiert werden könnten.

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