Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.05.2017

09:33 Uhr

Chlor im Schwimmbad

Wenn es riecht, ist was faul

Chlor dient im Schwimmbad zur Desinfektion. Eigentlich ist der Stoff geruchlos. Wenn es trotzdem riecht, ist etwas faul – denn der typische Geruch entsteht, wenn sich Chlor im Wasser mit einem anderen Stoff mischt.

Chlor dient im Schwimmbad zur Desinfektion dpa

Chlor im Becken

Chlor dient im Schwimmbad zur Desinfektion

Frankfurt/BerlinWenn es im Schwimmbad stark nach Chlor riecht, ist es dann dort besonders sauber? Klare Antwort: Nein – im Gegenteil. Die Chemikalie, die im Badewasser Keime abtötet, ist nämlich eigentlich geruchlos. Erst zusammen mit einer anderen Substanz entsteht das typische Odeur.

„Wenn es stark nach Chlor riecht, heißt das, dass viel Harnstoff ins Wasser eingetragen wurde“, sagt Alexander Kämpfe, Fachgebietsleiter für Schwimm- und Badebeckenwasser beim Umweltbundesamt (UBA). Aus dem geruchlosen „freien“ Chlor und dem ebenfalls geruchlosen Harnstoff wird „gebundenes“ Chlor: zum Beispiel Trichloramin, das sehr stark riecht. Je mehr Harnstoff, desto mehr Trichloramin, desto mehr Schwimmbadgeruch.

Chlor dient dazu, Krankheitserreger abzutöten. Standard sind zwischen 0,3 und 0,6 Milligramm pro Liter Wasser. Die richtige Dosis sei abhängig von einer ganzen Reihe von Faktoren, erklärt Jörg Rosbach von den Frankfurter Bäder-Betrieben. Wie ist die Wasserqualität? Wie viele Schwimmer sind im Wasser? Wie leistungsfähig ist die Aufbereitungsanlage? Scheint die Sonne? Denn Chlor baut sich unter UV-Strahlung leichter ab.

Ein großer Teil des Harnstoffs im Badewasser stammt vom Urin: von Pipi machenden Kleinkindern, inkontinenten Älteren oder Schwimmern, die zu faul sind, zur Toilette zu gehen. Ein paar Tropfen verliere auch jede gesunde Blase, erklärt Rosbach. Weiterer Harnstoff kommt von der Körperoberfläche: Er ist ein Hautbestandteil und wird beim Schwimmen ausgewaschen.

„Einmal ins Becken pinkeln trägt etwa sechs Gramm Harnstoff ins Becken ein“, erklärt Kämpfe. „Das entspricht der Menge von fast 40 Badenden, die den Harnstoff nur über die Haut eintragen.“ Das Umweltbundesamt hat es ausgerechnet: Pro Badegast gelangen durchschnittlich 0,16 Gramm Harnstoff ins Wasser.

Wie reduziert man die Belastung? Die wichtigste Regel – außer zur Toilette zu gehen – lautet: vor dem Schwimmen duschen. „Gründliches Duschen entfernt 75 bis 97 Prozent des Harnstoffs“, so das Umweltbundesamt in einem Infoblatt für Schwimmbäder. Auch bei den Frankfurter Bäder-Betrieben weiß man das natürlich, aber zwingen will man niemanden. „Das sind ja BadeGÄSTE“, betont Rosbach, bei 14 Frankfurter Bädern zuständig für Technik und Bau.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter-Paul Winkler

24.05.2017, 12:32 Uhr

Die Behauptung, Chlor sei geruchlos ist wohl eine abenteuerliche Feststellung. Wenn man so was liest, beschleichen einen beklemmende Zweifel ob des Wahrheitsgehaltes von Artikeln über Sachverhalte bei denen man selbst kein Experte ist.
So hat man sich daran gewöhnt, dass wenn es um Chemikalien jedweder Natur geht, automatisch das Attribut "hochgiftig" beigefügt wird, egal ob es korrekt ist oder nicht.
Mehr Sachverstand im Journalismus wäre dringend wünschenswert.
Kein Wunder, dass der Presse immer weniger vertraut wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×