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08.02.2018

14:53 Uhr

Citizen Science

Begehrtes Wissen der Hobby-Forscher

Sie messen Feinstaub in der Stadt oder suchen nach Sternen am Himmel: Bürgerwissenschaftler. Manche von ihnen sind gefragte Experten auf ihrem Gebiet.

Hobby-Astronom Rolf Apitzsch in seiner Sternenwarte. Für das Geld zweier Mittelklassewagen setzte Apitzsch sich vor zwanzig Jahren ein Observatorium in den Garten. dpa

Private Sternwarte

Hobby-Astronom Rolf Apitzsch in seiner Sternenwarte. Für das Geld zweier Mittelklassewagen setzte Apitzsch sich vor zwanzig Jahren ein Observatorium in den Garten.

WildbergSobald es Abend wird, ist Rolf Apitzsch auf himmlischer Jagd. Mit einem Teleskop geht er in seine selbstgebaute Sternwarte, zielt in den Nachthimmel. Hunderte Bilder schießt er dann, und wenn er Glück hat, sind Asteroiden drauf – kleine Gesteinsbrocken, Millionen von Kilometern entfernt.#

Rolf Apitzsch ist Hobby-Astronom, sein Geld hat der 74-Jährige als Computertechniker verdient. Seit er im Ruhestand ist, betreibt er jedoch Astronomie auf einem Niveau, das ihn für Außenstehende wie einen Profi wirken lässt. Er ist einer von zahlreichen Hobbyforschern in Deutschland – und manche sind auf ihrem Gebiet sehr erfolgreich.

Für das Geld zweier Mittelklassewagen setzte Apitzsch sich vor zwanzig Jahren ein Observatorium in den Garten. Seitdem hat er 505 Asteroiden entdeckt, 72 sind schon offiziell bei der Internationalen Astronomischen Union (IAU) registriert, 20 davon von ihm persönlich getauft. So kommt es, dass zwischen all den Sternen auch seine Frau und sein Zahnarzt verewigt sind.

Wie viele Hobby-Forscher es in Deutschland gibt, lässt sich kaum sagen. Mehrere Hunderttausend dürften es aber sein. Allein bei der Aktion „Stunde der Wintervögel“ des Naturschutzbundes (Nabu) machten Anfang Januar rund 125.000 Menschen mit und zählten mehr als drei Millionen Vögel in Gärten und Parks.

„Damit wir auf bundesweit valide Daten kommen können, brauchen wir die Hobby-Forscher. Ohne sie würde das nicht gehen“, sagt Nabu-Vogelschutzreferent Eric Neuling. Projekte wie diese werden oft unter der Bezeichnung „Citizen Science“ gefasst. Wissenschaft ist dabei kein Privileg der Profis mehr. Jeder kann mitmachen, egal ob beim Hasenzählen, Feinstaubmessen oder Transkribieren historischer Dokumente.

Besonders seit dem Smartphone-Zeitalter nehmen die Möglichkeiten für Hobby-Forscher ständig zu. Allein auf der Internet-Plattformen „Bürger schaffen Wissen“ werden derzeit etwa 70 Forschungsprojekte angeboten.

Erfolgreiche Hobby-Forscher wie Apitzsch zeichnen sich durch ihr explizites Fachwissen aus, das sie sich meist selbst und aus reiner Neugier angeeignet haben. Nach der Zahl der entdeckten Asteroiden belegt Sternengucker Apitzsch in Deutschland mittlerweile Platz acht in der Rangliste, bei den hobbybetriebenen Observatorien landet er sogar auf Platz zwei.

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