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01.02.2013

09:21 Uhr

Columbia-Katastrophe

Feuerball über Texas

Vor zehn Jahren zerbrach die Raumfähre Columbia beim Landeanflug und riss sieben Astronauten in den Tod. Eines der größten Desaster der Raumfahrtgeschichte und ein Tag, der die US-Raumfahrt für immer veränderte.

10. Jahrestag des Columbia-Absturzes

Video: 10. Jahrestag des Columbia-Absturzes

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DüsseldorfDer Himmel über dem US-Bundesstaat Texas ist strahlend blau an jenem Morgen des 1. Februar 2003, als das Unvorstellbare geschieht: 16 Minuten vor der Landung zerbricht die Raumfähre „Columbia“ und verglüht in rund 60 Kilometer Höhe. Die sieben Astronauten an Bord sind sofort tot. Im Kontrollzentrum in Florida, wohin um 8:59 Uhr Ortszeit die letzten unverständlichen Worte aus der „Columbia“ übermittelt worden waren, herrscht blankes Entsetzen.

Die Familien der „Columbia“-Astronauten warteten an jenem Februarmorgen am Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida auf die Rückkehr ihrer Liebsten. Als gegen 9.00 Uhr eigentlich die Gongschläge erwartet wurden, die sonst die unmittelbar bevorstehende Landung eines Raumschiffes ankündigten, regnete es bereits weiß glühende Metallstücke auf Texas und Louisiana.

Raumfahrt-Katastrophen

22. März 1961

Kurz vor dem ersten russischen Raumflug kommt der Kosmonaut Walentin Bondarenko beim Training in einer Isolationskammer des Moskauer Instituts für Raumfahrtmedizin ums Leben. Ein mit Alkohol getränkter Wattebausch hatte sich entzündet und die mit reinem Sauerstoff gefüllte Kammer in Brand gesetzt.

27. Januar 1967

Bei einem Bodentest der US-Raumkapsel Apollo 1 am Raketenstartplatz Cape Canaveral (US-Bundesstaat Florida) verbrennen drei amerikanische Astronauten. Ein Funke hatte die Kapsel in Brand gesetzt.

24. April 1967

Der sowjetische Kosmonaut Wladimir Komarow zerschellt nach der Rückkehr aus dem Weltraum mit seinem Raumschiff Sojus 1 auf der Erde. Das Fallschirmsystem hatte versagt.

29. Juni 1971

Die dreiköpfige Besatzung des sowjetischen Raumschiffes Sojus 11 wird bei der Rückkehr von der Saljut-Raumstation tot in ihrer Kapsel aufgefunden. Bei der Landung hatte der Druckausgleich der Kapsel versagt.

18. März 1980

Eine Wostok-2M-Rakete explodiert beim Betanken direkt auf der Startrampe des russischen Weltraumbahnhofs Plessezk. 48 Menschen sterben.

28. Januar 1986

Nur 73 Sekunden nach dem Start explodiert die US-Raumfähre Challenger und stürzt in den Atlantik. Alle sieben Astronauten kommen ums Leben. Unglücksursache: eine fehlerhafte Dichtung zwischen Segmenten einer Antriebsrakete.

15. Februar 1996

Eine chinesische Rakete des Typs CZ-3 kommt kurz nach dem Start vom Kurs ab und stürzt in ein Dorf. Bei der Explosion sterben nach offiziellen Berichten sechs Menschen, inoffizielle Quellen sprechen von bis zu 500 Toten.

1. Februar 2003

Die Raumfähre Columbia bricht während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre auseinander. Alle sieben Astronauten an Bord sterben. Ursache der Katastrophe: Beim Start war ein Stück Schaumstoff vom Außentank abgerissen und hatte die Hitze-Isolierung des Spaceshuttles beschädigt.

22. August 2003

Eine brasilianische Trägerrakete des Typs VLS-1 explodiert auf der Startrampe des Weltraumbahnhofs Alcantara im Norden Brasiliens. 21 Menschen sterben.

Wie eine Untersuchungskommission später ermittelte, war es schon beim Start der Unglücksmission „STS-107“ zu einem Zwischenfall gekommen, der das Desaster beim Landeversuch unausweichlich machte. Ein Stück Schaumstoff-Isolierung vom Tank der Raumfähre brach ab und schlug ein Loch in die Vorderkante des linken Flügels.

Wissenschaftler der Nasa hatten das zwar bemerkt, aber das Ausmaß des Schadens wohl unterschätzt. Eine Notfall-Rettungsmission wäre wahrscheinlich möglich gewesen, ergaben spätere Untersuchungen. Doch die Nasa unternahm nichts.

Der Isolierschaum hatte den Hitzeschutz der Raumfähre beschädigt. Beim Eintritt in die Erdatmosphäre fielen deshalb zunächst die Instrumente im linken Flügel wegen Überhitzung aus. Die „Columbia“ geriet ins Taumeln, wurde unkontrollierbar und zerbrach schließlich. Die sieben Astronauten - fünf Amerikaner, eine Inderin und der erste Israeli im All - hatten keine Chance, sich zu schützen, und waren innerhalb von Sekunden tot.

Die „Columbia“ war nicht irgendeine Raumfähre - sie war die erste, der Grundstein einer Flotte nationaler Ikonen. Am 12. April 1981 hob sie erstmals vom Startplatz des Kennedy Space Centers im Bundesstaat Florida ab. Auf „STS-1“, so der Codename der ersten Mission, folgten in einer 30 Jahre dauernden Space Shuttle-Ära vier weitere Raumfähren. Sie brachten es zusammen auf mehr als 1300 Tage im All bei insgesamt 134 Flügen - den letzten absolvierte das Columbia-Schwesterschiff „Atlantis“ im Juli 2011.

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