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09.01.2007

09:09 Uhr

Cyberknife-Technologie

Hoch dosierte Strahlung zerstört Tumore an der Wirbelsäule

Ein neues Berechnungsverfahren mit Computern erleichtert die Bekämpfung von Tumoren mit hoch dosierter Strahlung an der Wirbelsäule: Mit der so genannten Cyberknife Technologie, werden knöcherne Strukturen genutzt, um eine dynamische Positionsbestimmung für die Strahlenbehandlung vorzunehmen.

hsn DÜSSELDORF. Damit wird eine millimetergenaue Bestrahlung möglich und die gesunden Körperteile in der Tumorumgebung werden von den Strahlen nicht geschädigt. Der Vorteil im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren: Die Behandlung ist schonender, weil den Betroffenen ein chirurgischer Eingriff zur Implantation von Markern erspart bleibt und Schmerzen sowie eventuell dadurch auftretende Komplikationen vermieden werden können.

Eine strahlenchirurgische Behandlung von Tumoren an der Wirbelsäule, also eine biologisch sehr effektive, gezielte Einmalbestrahlung, stellte bislang eine besondere Herausforderung für Ärzte dar, weil sich der Patient und damit das Zielgebiet nicht völlig ruhig stellen lassen. Allein durch die Atembewegung verändert sich während einer Bestrahlung auch die Position der zu bestrahlenden Geschwulst. Um diese räumlichen Veränderungen auszugleichen, benötigten bislang selbst moderne Systeme Metallplättchen als Markierungen. Diese werden in die Wirbelsäule implantiert und dienen den Bildführungssystemen als Orientierungspunkte, um die Strahleneinheit während der Behandlung zu steuern. Mit der neuen Cyberknife Technologie entfällt die Notwendigkeit Metallmarker zu implantieren.

Bei der Cyberknife Technologie rotiert die Bestrahlungseinheit um den Patienten, dabei überschneiden sich schwache Strahlenbündel aus vielen verschiedenen Richtungen im Tumor, wo sie sich zur Gesamtdosis aufsummieren. Typisch sind bis zu 150 (aus 1 200 möglichen) Einstrahlrichtungen pro Behandlung. Meist reicht eine einzige ambulante Behandlung mit einer Dauer von 60 bis 90 Minuten aus. Die Bestrahlung ist schmerzfrei, eine Narkose nicht nötig. Durch die ionisierende, hochenergetische Photonen-Strahlung, die in einem Beschleuniger erzeugt werden, werden in den Tumorzellen Schäden am Erbgut (DNA) verursacht, die letztlich zum Zelltod führen.

Das neue markerlose System wurde im vergangenen Jahr weltweit erstmals im Europäischen Cyberknife Zentrum München-Großhadern eingesetzt. Insgesamt 50 Wirbelsäulentumore mit einem Volumen von 1,3 bis 153 Kubikzentimeter wurden damit bei 42 Patienten behandelt. Dabei traten nach Angaben der verantwortlichen Ärzte während der ein bis siebenmonatigen Nachbehandlung keine Nebenwirkungen auf. Und bei 14 von 15 wegen Schmerzen behandelter Patienten verringerte sich der Schmerz innerhalb weniger Tage deutlich.

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