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09.05.2011

12:52 Uhr

Dachgärten

Die kühlen Grünen

VonSami Skalli
Quelle:Zeit Online

Dachgärten sind nicht nur dekorativ anzusehen. Sie kühlen an heißen Tagen und schonen die Kanalisation nach starken Regenfällen.

Begrünte Dächer auf Wohnhäusern in Greenwich Village, New York. Quelle: picture-alliance

Begrünte Dächer auf Wohnhäusern in Greenwich Village, New York.

HamburgNebukadnezar II. war wohl das, was man heute einen visionären Stadtplaner nennen würde. 600 vor Christus ließ er die Hängenden Gärten von Babylon bauen, eines der sieben Weltwunder in der antiken Welt. Sie bestanden aus Gewölben, die das gesamte Gewicht der bepflanzten Terrassen trugen.

Vermutlich waren die Hängenden Gärten die ersten Dachgärten der Menschheitsgeschichte. Ob sie nur der Ästhetik wegen angelegt wurden oder einen konkreten Nutzen erfüllten, darüber lässt sich nur spekulieren.

2600 Jahre später: Die Städte explodieren, immer mehr Flächen werden zersiedelt. Asphalt, Beton und Stein absorbieren die Sonnenenergie und heizen auf. Sie speichern die Wärme und geben diese an ihre Umwelt ab.

Den Metropolen des 21. Jahrhunderts mangelt es an Platz und frischer Luft. Städteplaner, Architekten und Forscher suchen nach Wegen, neue innerstädtische Grünflächen zu schaffen. Auf den Hausdächern sind sie fündig geworden.

„Die Pflanzen kühlen das Gebäude schon allein dadurch, dass sie sich wie ein Mantel um sie legen“, sagt Phil Jones von der britischen Universität Cardiff. „Dadurch lässt sich Energie einsparen, die in den Gebäuden für den Betrieb der Klimaanlagen draufgeht.“

Jones hat das 2007 zusammen mit seiner Kollegin Eleftheria Alexandri in einer Studie untersucht. Sie haben bepflanzte und freie Dächer miteinander verglichen und die Temperaturen außer- und innerhalb von Gebäuden gemessen. Ihr Ergebnis haben sie im Journal Building and Environment veröffentlicht: Dachgärten können die lokalen Temperaturen um 3,6 bis 11,3 Grad abkühlen – je nach Umgebungstemperatur.

Den Einfluss von Dachgärten auf das Mikroklima hat auch Karen Liu vom Bauforschungsinstitut des Nationalen Forschungsrats (NRC) in Ottawa erforscht. In einem Experiment hat sie auf der 70 Quadratmeter großen Fläche eines Campusgebäudes ein unbegrüntes Dach mit einem Dachgarten verglichen.

An einem heißen Sommertag betrug die Umgebungstemperatur 35 Grad Celsius. Das Referenzdach ohne Pflanzen heizte in der Sonne auf satte 70 Grad auf. Das Dach mit Pflanzen war hingegen zehn Grad kühler als die Umgebung.

Kommentare (1)

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Nachdenker

09.05.2011, 16:13 Uhr

Die Dachbegrünung ist nicht neu.
Und sie hängt in erster Linie von der Statik und den klimatischen Bedingungen ab.
Die Aussage "Schonung der Kanalisation nach starken Regenfällen" zeigt leider, daß der Autor davon keine Ahnung hat.
Schon jetzt droht infolge idiotischer Gesetzgebung in vielen Städten die Versandung der Kanalisation. Da viele die Regenwassergebühren(!) nicht bezahlen wollen, wird das Regenwasser sehr oft irgendwo aufs Grundstück geleitet, wo es versickert. Die Folge ist, daß der minimale Wasserdurchfluß unterschritten wird und die Stadtwerke die Kanalisation mit Trinkwasser(!) spülen muß.

Das Begrünen von Dächern war vor 20 Jahren mal ganz modern. Seitdem ist es recht still darum geworden. Traten mittlerweile Probleme bei der Dichtheit auf?

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