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10.06.2011

15:50 Uhr

Darmkeim

Ehec an Sprossen aus Niedersachsen gefunden

Zuletzt standen nur noch die Sprossen in Verdacht. Ein Verdacht, der sich nun bestätigt haben könnte. Gefährliche Ehec-Bakterien sind in einer Packung Bio-Sprossen aus Niedersachsen nachgewiesen worden.

Zwei Packungen mit Sprossen von Bockshornklee aus dem Betrieb der Gärtnerhof Bienenbuettel GmbH. Offenbar ist der Betrieb aus Niedersachsen die Quelle des jüngsten Ehec-Ausbruchs in Deutschland. Quelle: dapd

Zwei Packungen mit Sprossen von Bockshornklee aus dem Betrieb der Gärtnerhof Bienenbuettel GmbH. Offenbar ist der Betrieb aus Niedersachsen die Quelle des jüngsten Ehec-Ausbruchs in Deutschland.

Düsseldorf/BerlinGefährliche Ehec-Bakterien sind in einer Packung Sprossen in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen worden. Das teilte NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) am Freitag in Düsseldorf mit.

Es handelt sich um den aggressiven Serotyp O104. Allerdings war die Packung geöffnet und befand sich bereits in der Mülltonne eines Haushalts im Rhein-Sieg-Kreis. Zwei der drei in diesem Haushalt lebenden Familienmitglieder haben Sprossen verzehrt und sind Mitte Mai an den Ehec-Bakterien erkrankt.

Die Sprossen stammen laut Ministerium nach den bisherigen Erkenntnissen aus dem Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel. Damit ist erstmalig eine ununterbrochene Kette mit dem Erreger O104 infizierter Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel und erkrankten Personen hergestellt.

RKI: "Es sind die Sprossen"

Schon zuvor war sich das Robert Koch-Institut (RKI) sicher: „Es sind die Sprossen“, hatte Reinhard Burger, Präsident des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI), am Freitag gesagt. Indizien weisen auch auf den möglichen Tatort des Ehec-Krimis hin. Die heiße Spur führte zu einem Bauernhof in Niedersachsen. Inzwischen ist er gesperrt.

Von dort hat die Epidemie, die bei tausenden Menschen seit Anfang Mai blutigen Durchfall auslöste und hunderte lebensbedrohlich erkranken ließ, wahrscheinlich ihren Anfang genommen. Was genau wie geschah, bleibt noch rätselhaft. Doch Gurken, Tomaten und Salat sind seit Freitag rehabilitiert. Sie seien gesund und sollten wieder mit Genuss gegessen werden, raten Bundesbehörden. Rohe Sprossen aber bleiben auf dem Index und sollten zurzeit nicht auf den Tisch kommen.

Die Verzehr-Warnung für rohe Gurken, Tomaten und Salat insbesondere in Norddeutschland, die international wirtschaftlichen Schaden in mehrstelliger Millionenhöhe anrichtete, hält das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auch im Rückblick für richtig. „Wir sind dafür da, um zu warnen. Viele Verbraucher haben die Warnung befolgt. Das hat viele Menschen davor bewahrt, krank zu werden“, sagte BfR-Präsident Andreas Hensel.

Kommentare (2)

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Agronom

10.06.2011, 19:53 Uhr

Unfähigkeit des Bundesverbraucherministeriums, wieder mal ein Schnellschuss oder blinder Aktionismus?
Ob die Bildung einer Taskforce die richtige Schlussfolgerung aus den jüngsten Geschehnissen ist, darf bezweifelt werden. Wie heißt es so schön: "Wenn Du nicht mehr weiter weißt, dann bilde einen Arbeitskreis, äh "Taskforce"". Und Frau Aigner, CSU und Herr Bahr, FDP müssen etwas vorweisen, sonsten geraten sie weiter in die Mühlen des "Versagens". Da kommt eine Taskforce gerade recht.
Was jedoch tatsächlich benötigt wird, ist die Abschaffung der föderalistischen Länderstruktur. Dies führt nämlich dazu, dass einzelne Landesministerien nach gut Dünken handeln und entscheiden. Wenn dann noch führungsschwache Bundespolitiker vom Format Aigner/Bahr hinzukommen, ist das Desaster vorprogrammiert. Anders sähe es aus, wenn Bundespolitiker von vorn herein die volle Verantwortung tragen. Dann beginnt später nicht die Schuldzuweisung und die Bevölkerung wird effizienter geschützt. Aber diese Schlussfolgerung ist für Aigner/Bahr unlogisch - eben weil sie auch heute noch hilflos und überfordert sind. Da die Ursache nun gefunden scheint, kann man sich stattdessen öffentlichkeitswirksam gegenseitig auf die Schulter klopfen.

Account gelöscht!

11.06.2011, 16:22 Uhr

"Gesundheitlicher Verbraucherschutz habe Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen, betonte Hensel."
Was für ein wohlfeiles Statement! Der Mann scheint nicht zu begreifen, dass ein Fehlalarm, der zufällig einen überhaupt nicht einkalkulierten Kollateralnutzen gehabt haben mag, nun wirklich keinen Verbraucherschutz darstellt, der den Namen verdient. Hier geht es um Selbstschutz eines überforderten, in die Defensive geratenen Technokraten.
Verbraucherschutz hieße, eine Infrastruktur zu schaffen, die es im Fall einer Infektion erlaubt, schnell deren Herd einzugrenzen. Ein Bundesinstitut für Risikobewertung hat nicht die Aufgabe, einfach "zu warnen", sondern Risiken qualifiziert zu bewerten - und nach dieser Bewertung vor den wahren Gefahren zu warnen.
Die Art, wie ausgerechnet der Verantwortliche für einige der unqualifizierten Pauschalwarnungen hier das "wirtschaftliche Interesse" vieler unschuldiger, unbeteiligter, gewissenhaft arbeitender Landwirte am Schutz ihrer Existenz denunziert, ist demagogisch, zynisch, schlichtweg widerwärtig.

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