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25.05.2011

14:02 Uhr

Darmkeim

Erste EHEC-Spur in Frankfurter Kantinen

Der EHEC-Keim weitet sich aus, doch es gibt eine erste Spur zu dem Erreger: Die Kantine einer Unternehmensberatung in Frankfurt wurde aus Norddeutschland beliefert. In Hamburg stieg die Zahl der Fälle erneut.

EHEC-Bakterienkultur im  mikrobiologischen Labor des Universitaetsklinikums Eppendorf (UKE) in Hamburg. Das sich aus Norddeutschland verbreitete EHEC-Bkaterium tritt immer häufiger auch in Süddeutschland auf. Quelle: dapd

EHEC-Bakterienkultur im mikrobiologischen Labor des Universitaetsklinikums Eppendorf (UKE) in Hamburg. Das sich aus Norddeutschland verbreitete EHEC-Bkaterium tritt immer häufiger auch in Süddeutschland auf.

Berlin/Hamburg

Der lebensgefährliche EHEC-Erreger hat in Deutschland wahrscheinlich bereits drei Frauen getötet. Eine 83-jährige Frau starb nachweislich durch die Infektion. Zwei weitere litten ebenfalls vor ihrem Tod an Durchfall. Ob sie den gefährlichen Erreger in sich trugen, ist noch unbestätigt. Alle drei Frauen erkrankten in Norddeutschland.

Licht ins Dunkel könnte jedoch eine ungewöhnliche Häufung von Fällen in Frankfurt bringen. 19 EHEC-Betroffene hatten dort in den Kantinen einer Unternehmensberatung gegessen. Schuld sei wahrscheinlich eine belastete Lebensmittellieferung. Am Montag hatte das Frankfurter Gesundheitsamt zwei Kantinen vonPricewaterhouse-Coopers geschlossen, weil 60 Mitarbeiter an Durchfall litten.

Salatbars möglicherweise Quelle

Als Quelle für den aggressiven Darmkeim gehen einige Experten derzeit von vorportionierten Salaten aus. "Im Moment sieht es so aus, als wenn Salatbars, also vorbereitete Salatteile eine Rolle spielen", sagte die ärztliche Leiterin des Großlabors Medilys der Asklepios-Kliniken in Hamburg, Susanne Huggett, am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin. Die Untersuchungen seien aber noch nicht abgeschlossen. "Es wird aber mit Hochdruck daran gearbeitet."

Über 200 EHEC-Erkrankte in Hamburg

Die Zahl der EHEC-Erkrankungen in Hamburg ist bis Mittwochvormittag auf mehr als 200 angewachsen. 59 Menschen liegen in Hamburger Kliniken wegen des Hämolytisch-Urämisches-Syndroms (HUS) oder des Verdachts darauf, teilte die Gesundheitsbehörde weiter mit. Das sind 17 Patienten mehr als am Dienstag. HUS ist eine schwere Komplikation der Durchfall-Erkrankung und kann zu schweren Nierenschäden führen. Die betroffenen Patienten sind zwischen neun und 77 Jahre alt, 43 HUS-Patienten sind Frauen.

Mittlerweile gibt es auch in immer mehr südlich gelegenen Bundesländern bestätigte Erkrankungen und Verdachtsfälle. Nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" sind auch in Leipzig EHEC-Verdachtsfälle registriert worden. Diese sollen aber nicht unbedingt in Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch stehen.

Das zuständige Robert Koch-Institut (RKI) geht von weiteren Erkrankungen in Deutschland aus. "Wir müssen auch klar sagen, dass wir mit Todesfällen rechnen müssen", sagte RKI-Präsident Reinhard Burger am Dienstag in Berlin. Die Infektionsquelle sei weiter unklar.

Die Zahlen sind seit Mitte Mai sprunghaft angestiegen. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, dass es bislang mehr als 460 bestätigte EHEC-Erkrankungen und Verdachtsfälle gibt.

Fragen und Antworten zu Ehec

Was ist Ehec eigentlich?

Ehec bezeichnet einen Darmkeim, der normalerweise bei Tieren vorkommt. Er ist eine Sonderform der wichtigen Kolibakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und für die Abwehr von Krankheitserregern
sorgen. Das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium (Ehec) setzt jedoch beim Menschen gefährliche Giftstoffe frei, die lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können.

Welche Symptome bringt eine Ehec-Erkrankung mit sich?

Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und
Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich.

Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle?

Seit dem 10. Juni geht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sprossen die Ursache für den aktuellen Ausbruch sind. Die Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten wurde aufgehoben. Sprossen gelten als generell anfällig für Keime.  Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, so das RKI.

Wie kann ich mich vor Ehec-Erkrankungen schützen?

Gegen den Ehec-Keim gibt es keine Impfung, der beste Schutz ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem Robert Koch Institut zufolge das Risiko einer Ehec-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem, Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch als sicher anzusehen. Die Behörde mahnt besondere Hygiene im Umgang mit Fleisch an: Die Hände sollen vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und abgetrocknet werden. Rohes Fleisch soll getrennt von anderen Lebensmitteln gelagert und zubereitet werden, beim Grillen etwa empfiehlt das BfR verschiedene Bretter, Teller und Zangen zu verwenden. Auch diese Gegenstände sollen sofort nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Zudem rät das Institut Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Wer sich entscheidet, rohes Gemüse oder Obst zu verzehren, soll es schälen oder zumindest gründlich waschen, so die Behörde.

In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das?

HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein.

Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin?

Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen Ehec-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. Der aktuell grassierende Erreger ist gegen Antibiotika allerdings ohnehin resistent.

Wie tauschen die Länder Informationen aus?

Wenn riskante Lebensmittel in Europa im Umlauf sind, tauschen die EU-Länder über ein Schnellwarnsystem wichtige Informationen aus. Das gilt auch jetzt - bei den gefährlichen Ehec-Keimen. Über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel RASFF hat Deutschland die übrigen 26 EU-Länder vor den möglichen Ursachen der Infektionen offiziell gewarnt.

Bestehen unmittelbare Risiken für die menschliche Gesundheit, können nationale Behörden RASFF-Warnungen europaweit zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit zu informieren, Rückrufaktionen zu starten oder Importe an den Grenzen abzufangen. Betroffene Produkte werden meist vom Markt genommen. In Deutschland laufen die Hinweise beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein. Darin steht, um welche Produkte es geht, woher sie kommen und welche Maßnahmen im betroffenen Land ergriffen worden sind.

RASFF gibt es seit 1979. Nicht nur die EU-Staaten tauschen darüber Informationen aus. Auch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz machen mit. Darüber hinaus können Drittstaaten über eine Online-Plattform die Meldungen abrufen. 2009 gab es rund 8000 RASFF Meldungen, so viele wie nie zuvor. Bei 557 davon handelte es sich um ernstzunehmende Warnungen über Gefahrenprodukte, die schon auf dem Markt waren.

Kommentare (2)

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BlankaUnsinn

25.05.2011, 09:51 Uhr

"Der aggressiver EHEC-Keim weitet sich aus" (...) "Zweite weitere litten ebenfalls" (...)

Bitte nächstes Mal vorher Korrektur lesen!

BlankaUnsinn

26.05.2011, 11:34 Uhr

Ein Keim BREITET sich aus! (nur ein Ansteckungsgebiet weitet sich aus.)

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