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24.05.2011

09:22 Uhr

Darmkeim-Infektionen

"Einen so schweren EHEC-Ausbruch hat es noch nicht gegeben"

VonSven Stockrahm
Quelle:Zeit Online

Die lebensgefährliche Darmerkrankung hat die ersten Totesopfer in Deutschland gefordert. Der Hygieniker Helge Karch berichtet im Interview über das Ausmaß der Epidemie und gibt Tipps wie man sich schützen kann.

Eine Mitarbeiterin des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt verschließt Petrischalen mit einem speziellen Nährboden auf dem EHEC-Bakterienstämme zu sehen sind. Die in Deutschland grassierende Darmerkrankung ist mitunter lebensgefährlich. Quelle: dpa

Eine Mitarbeiterin des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt verschließt Petrischalen mit einem speziellen Nährboden auf dem EHEC-Bakterienstämme zu sehen sind. Die in Deutschland grassierende Darmerkrankung ist mitunter lebensgefährlich.

Herr Karch, seit vergangenem Freitag mehren sich rasant Meldungen über Menschen, die sich mit dem Darmbakterium Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) infiziert haben. Zudem nehmen die Erkrankungen einen besonders schweren Verlauf, derzeit leiden mehr als 40 Personen am hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), das zu Blutarmut und Nierenversagen führt und in Einzelfällen sogar tödlich enden kann. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Ich erforsche das Krankheitsbild seit fast 30 Jahren, aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Normalerweise sind solch schwere Verläufe extrem selten. Das Ausmaß hat mich schon erschüttert.

Was ist an diesem EHEC-Ausbruch so besonders? In den vergangen Jahren sind immer wieder Menschen nach einer Infektion an dem Erreger erkrankt, jährlich schwanken die gemeldeten Fälle zwischen 900 und 1200.

In Deutschland hatten wir bisher zahlreiche Ausbrüche vor allem bei Kindern mit einem Durchschnittsalter von etwa drei Jahren. Nun sind vor allem Erwachsene erkrankt, darunter überwiegend Frauen. Das allein ist schon sehr ungewöhnlich. Hinzu kommt der rasche Anstieg der Zahl der Erkrankten und die Schwere. Bereits bei mehreren Patienten kam es zu blutigen Entzündungen, und es mussten Teile des Dickdarms entfernt werden. Die Menschen, die derzeit akut erkrankt sind, werden mit Dialyse und Blutreinigung behandelt. Folgeschäden der Nieren und Bluthochdruck durch zum Teil zerstörte Gefäße sind wahrscheinlich.

Der Mikrobiologe und Hygieniker Helge Karch leitet das Institut für Hygiene am Universitätsklinikum in Münster. Das Institut ist zugleich Konsiliarlabor für das Hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Hier werden die Erreger des EHEC-Ausbruchs derzeit analysiert und identifiziert. Quelle: privat

Der Mikrobiologe und Hygieniker Helge Karch leitet das Institut für Hygiene am Universitätsklinikum in Münster. Das Institut ist zugleich Konsiliarlabor für das Hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Hier werden die Erreger des EHEC-Ausbruchs derzeit analysiert und identifiziert.

Wie löst der Keim derartige Erkrankungen aus?

Das Besondere an EHEC-Erregern ist, dass sie Giftstoffe produzieren, die die innere Wand von Gefäßzellen angreifen. Diese Shigatoxine allein können einen derart schweren Ausbruch jedoch nicht verursachen. Bislang kennen wir in Deutschland 42 Stämme. Ich vermute, dass wir es mit einem neuen Typ EHEC-Bakterien zu tun haben. Die aktuellen Krankheitsverläufe sind so aggressiv, mit zerstörten Darmschleimhäuten und Blutgerinnseln in Nieren- und Hirngefäßen, dass der Erreger wohl einen besonderen Giftcocktail mitbringt. Antibiotika helfen gegen EHEC-Bakterien wenig, wenn sich die Erreger in einer losen Schleimschicht im Darm eingenistet haben. Im Gegenteil kann die Gabe von Antibiotika mitunter die Toxinproduktion sogar erhöhen.

Woran merke ich, ob ich mich infiziert habe?

Sobald sich der Erreger im Körper befindet, kommt es nach etwa zwei bis drei Tagen zu wässrigen Durchfällen. Nach weiteren zwei bis drei Tagen scheiden etwa 60 Prozent der Erkrankten blutigen Stuhl aus. Zudem leiden sie an Unterleibsschmerzen. Erst eine Woche nach Beginn der Durchfälle beginnt das eigentliche hämolytisch-urämische Syndrom. Dann folgt Nierenversagen, wenn Patienten kein Wasser mehr lassen können.

Fragen und Antworten zu Ehec

Was ist Ehec eigentlich?

Ehec bezeichnet einen Darmkeim, der normalerweise bei Tieren vorkommt. Er ist eine Sonderform der wichtigen Kolibakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und für die Abwehr von Krankheitserregern
sorgen. Das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium (Ehec) setzt jedoch beim Menschen gefährliche Giftstoffe frei, die lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können.

Welche Symptome bringt eine Ehec-Erkrankung mit sich?

Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und
Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich.

Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle?

Seit dem 10. Juni geht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sprossen die Ursache für den aktuellen Ausbruch sind. Die Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten wurde aufgehoben. Sprossen gelten als generell anfällig für Keime.  Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, so das RKI.

Wie kann ich mich vor Ehec-Erkrankungen schützen?

Gegen den Ehec-Keim gibt es keine Impfung, der beste Schutz ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem Robert Koch Institut zufolge das Risiko einer Ehec-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem, Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch als sicher anzusehen. Die Behörde mahnt besondere Hygiene im Umgang mit Fleisch an: Die Hände sollen vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und abgetrocknet werden. Rohes Fleisch soll getrennt von anderen Lebensmitteln gelagert und zubereitet werden, beim Grillen etwa empfiehlt das BfR verschiedene Bretter, Teller und Zangen zu verwenden. Auch diese Gegenstände sollen sofort nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Zudem rät das Institut Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Wer sich entscheidet, rohes Gemüse oder Obst zu verzehren, soll es schälen oder zumindest gründlich waschen, so die Behörde.

In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das?

HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein.

Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin?

Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen Ehec-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. Der aktuell grassierende Erreger ist gegen Antibiotika allerdings ohnehin resistent.

Wie tauschen die Länder Informationen aus?

Wenn riskante Lebensmittel in Europa im Umlauf sind, tauschen die EU-Länder über ein Schnellwarnsystem wichtige Informationen aus. Das gilt auch jetzt - bei den gefährlichen Ehec-Keimen. Über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel RASFF hat Deutschland die übrigen 26 EU-Länder vor den möglichen Ursachen der Infektionen offiziell gewarnt.

Bestehen unmittelbare Risiken für die menschliche Gesundheit, können nationale Behörden RASFF-Warnungen europaweit zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit zu informieren, Rückrufaktionen zu starten oder Importe an den Grenzen abzufangen. Betroffene Produkte werden meist vom Markt genommen. In Deutschland laufen die Hinweise beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein. Darin steht, um welche Produkte es geht, woher sie kommen und welche Maßnahmen im betroffenen Land ergriffen worden sind.

RASFF gibt es seit 1979. Nicht nur die EU-Staaten tauschen darüber Informationen aus. Auch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz machen mit. Darüber hinaus können Drittstaaten über eine Online-Plattform die Meldungen abrufen. 2009 gab es rund 8000 RASFF Meldungen, so viele wie nie zuvor. Bei 557 davon handelte es sich um ernstzunehmende Warnungen über Gefahrenprodukte, die schon auf dem Markt waren.

Kommentare (3)

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GGG

24.05.2011, 11:38 Uhr

Hat eigentlich schon mal darüber nachgedacht, dass Gülle aus Biogasanlagen Keime in sich hat, die mit normaler Gülle nicht zu vergleichen ist. Nach Auskunft eines befreundeten Bauern, ist Biogasanlagengülle (auf Neudeutsch: Substrat), ein echer Killer für Böden und Grundwasser.....
Die damit übertragenen Keime überstehen Temperaturen und und und...
Das sollte man mal bitte prüfen und Biogasanlagen richtiger Weise in Prozessgasanlagen mit Sondermüllproduktion umtaufen.

aykut

25.05.2011, 18:13 Uhr

Hmm ich habe angst .
was wen ich das bekomme wie kann ich mich schützen hilft defekzions mittel ? kann ich ein lappen nehmen und mit defektzions mittel nass machen und dann den boden die schränke die türen und alles sauber machen gehen die bakterien dann weg ?

tina61

26.05.2011, 21:47 Uhr

Guten ABEND
habe am montag gurken tomaten salat gegessen gestern hatte ich sake bauchschmerzen und übelkeit heut ist alles wieder weg hab jetzt aber schmerzen bei an der scheide kann das ehec sein ich hab efurchtbare angst

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