Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.07.2014

11:36 Uhr

Delegierte unter den Opfern

Absturz überschattet Welt-Aids-Konferenz

VonUrs Wälterlin

Am Sonntag beginnt in Melbourne die Welt-Aids-Konferenz, doch schon jetzt ist ein tiefdunkler Schatten über die Veranstaltung gefallen: Viele Opfer der Katastrophe in der Ukraine waren auf dem Weg zu der Konferenz.

Die Absturzstelle, an der die Boeing 777 der Malaysia Airlines aufschlug. dpa

Die Absturzstelle, an der die Boeing 777 der Malaysia Airlines aufschlug.

CanberraDie australische Außenministerin Julie Bishop hat bestätigt, dass sich unter den Opfern des in der Ukraine abgestürzten malaysischen Flugzeugs Teilnehmer der Welt-Aids-Konferenz in Melbourne befinden. Die Aids-Forscher und Gesundheitsexperten hätten in Kuala Lumpur den Flug HM129 nehmen wollen, der sie nach Melbourne bringen sollte.

Nach Medienberichten sollen sich über 100 Passagiere von MH17 auf dem Weg zur Konferenz in Australien befunden haben. Die Konferenzführung wollte diese Zahl zunächst nicht bestätigen. Sie meinte jedoch, unter den Opfern befänden sich wahrscheinlich mehrere prominente Wissenschaftler und Aids-Aktivisten, darunter auch der frühere Präsident der International Aids Society (IAS), Joep Lange.

Offene Fragen nach dem mutmaßlichen Boeing-Abschuss

Wer war es?

In dem seit Wochen andauernden Konflikt in der Ostukraine gibt es drei beteiligte Seiten: die prorussischen Rebellen, die prowestliche Führung in Kiew sowie Russland. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sprach von einem „terroristischen Akt“. Er warf den Separatisten vor, die Boeing abgeschossen zu haben – wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge. Moskau wiederum gibt Kiew die Schuld an der Eskalation der Lage in der Ostukraine.

Kann man die Täter überführen?

US-Experten gehen davon aus, dass es eine Boden-Luft-Rakete war, die das Flugzeug in der Reiseflughöhe von 9100 Meter traf. Anhand von Satelliten-Aufnahmen lasse sich bislang nicht feststellen, wo genau die Rakete abgefeuert wurde. Fachleute von Militär und Geheimdienst sind aber nach US-Medienberichten dabei, mit Hilfe von mathematischen Formeln und Computern, den genauen Ursprungsort der Rakete zu ermitteln.

Wer hat die Waffen für einen solchen Angriff?

Die Separatisten hatten zuletzt mehrfach zugegeben, ukrainische Kampfjets, Transportmaschinen und mehrere Hubschrauber abgeschossen zu haben. Allerdings dürften alle getroffenen Maschinen deutlich niedriger als die Boeing 777-200 geflogen sein. Nach unbestätigten Berichten haben die Aufständischen behauptet, ein Buk-Flugabwehrsystem im Verlauf der Kämpfe erbeutet zu haben. Das in den 80er-Jahren von der sowjetischen Militärindustrie entwickelte Lenkwaffen-System Buk (Buche) kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen.

Wieso flog MH 017 über das Konfliktgebiet?

Der Überflug von Konfliktgebieten wie etwa der Ostukraine durch Passagiermaschinen ist nach Angaben der Vereinigung Cockpit nicht unüblich. Das Vorstandsmitglied Markus Wahl sagte der Nachrichtenagentur dpa, so werde zum Beispiel im täglichen Betrieb der Irak und Afghanistan überflogen. Selbst im eskalierten Nahost-Konflikt fliegen internationale Fluggesellschaften weiterhin Tel Aviv an, obwohl die Stadt seit Tagen massiv mit Raketen aus dem Gazastreifen angegriffen wird. Manche sind da vorsichtiger: „Korean Airlines“ teilte laut Itar-Tass mit, seit Monaten nicht mehr über die Ostukraine zu fliegen.

Wer leitet die Untersuchung zur Aufklärung des Vorfalls?

Rein rechtlich ist es Aufgabe der ukrainischen Regierung, den Vorfall auf ihrem Staatsgebiet aufklären zu lassen. Allerdings ist die prowestliche Führung in Kiew selbst in den seit Monaten andauernden Konflikt im Osten des Landes involviert. Wohl auch deshalb haben US-Präsident Barack Obama, die Bundesregierung und auch die Nato eine internationale Untersuchung gefordert. Wer diese leiten könnte, ist noch unklar.

Wie Michael Kessler von der IAS in einer Mitteilung erklärte, seien „eine Reihe von Kollegen und Freunden an Bord von HM17 gewesen, die über Ukraine abgestützt ist“. Unter den Opfern ist auch der Medienberater der Weltgesundheitsorganisation WHO, Glenn Thomas.

Laut dem Gesundheitsforscher Clive Aspin hat die Nachricht die Teilnehmer der am Sonntag beginnenden Konferenz schwer getroffen. Im Presseclub in Canberra hielt die Aids-Forscherin Françoise Barré-Sinoussi unter Tränen eine im Vorfeld der Konferenz geplante Rede. Freunde und Kollegen des niederländischen HIV-Forschers Joep Lange reagierten  über Facebook und Twitter auf die tragische Nachricht.

„Er war ein gütiger Mann und eine echter Menschenfreund“, schrieb die amerikanische Medizinprofessorin Seema Yasmin. „Wie können wir messen, was so ein Mensch für die Menschheit getan hat?“ Der neue Präsident der IAS, Chris Beyrer, meinte, die Bewegung gegen Aids und HIV habe einen „echten Giganten“ verloren.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr peter Spirat

18.07.2014, 12:09 Uhr

Dass die Amis dahinter stecken, ist ja allgemein klar. Wie wir mit der NSA-Affäre gesehen haben oder bei 9/11 sind die Amis nie zimperlich, wenn sie ihre Interessen durchsetzen wollen.

Nor vor ein paar Tagen haben die BRIC-T Staaten beschlossen, dass sie in Zukunft auch ohne den Dollar auskommen wollen.

Ist der von den Amis intiiertte Abschuss die Antwort darauf, dass die BRIC-T nicxht mehr den Dollar wollen.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

[...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×