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14.01.2005

09:47 Uhr

Deutsche Forscher haben ein Alarm-System entwickelt, das in Teilen schon in diesem Jahr installiert werden könnte

Rechtzeitige Warnung vor Riesenwellen

Deutschland will den von der Flutkatastrophe in Südostasien betroffenen Ländern den Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems anbieten. Das von führenden deutschen Geowissenschaftlern entwickelte 45 Millionen Euro teure System könne Teil der von der Bundesregierung angebotenen Hilfe über 500 Millionen Euro sein, sagte gestern Forschungsministerin Edelgard Bulmahn.

HANDELSBLATT BERLIN. Zuvor hatten die Wissenschaftler ihr Konzept in Berlin Bundeskanzler Gerhard Schröder vorgestellt.

Laut Bulmahn soll bereits in der kommenden Woche auf der Internationalen Konferenz zur Minderung von Katastrophenfolgen im japanischen Kobe über das deutsche Konzept beraten werden. Der Plan für ein satellitengestütztes Warnsystem war von Wissenschaftlern des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ), der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover sowie dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM- Geomar) in Kiel erarbeitet worden.

Nach Bulmahns Worten ist das deutsche System offen für die Kombination mit entsprechenden Systemen der USA und Japans. "Es geht nicht um Konkurrenz, sondern wir wollen eine schnelle Hilfe für die Menschen." Die deutsche Geoforschung sei international führend und verfüge über modernste Technologie.

Noch in diesem Jahr soll entschieden werden, welches System im Indischen Ozean eingerichtet wird. "Wir wollen mit den betroffenen Ländern kooperieren", sagte Bulmahn. Außerdem wolle die Bundesregierung das System auch in Europa anbieten, um etwa im Mittelmeer drohende Tsunamis rechtzeitig erkennen zu können.

Das federführend vom Geoforschungszentrum Potsdam entwickelte System ist nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Rolf Emmermann moderner und zuverlässiger als die im Pazifik bestehende Einrichtung der US-Behörde für Ozean- und Wetterforschung (NOAA).

Die Grundidee ist gleich: Drucksensoren am Meeresboden melden jede Riesenwelle und jede Erschütterung eines Seebebens via Bojen und Satellit an Überwachungsstationen an der Küste. Dort werden die Daten ausgewertet, bei einer Gefährdung wird die Bevölkerung alarmiert.

Die deutschen Wissenschaftler sehen ihre Entwicklung gegenüber dem US-System im Vorteil. "Die Drucksensoren arbeiten zuverlässiger und können - anders als im Pazifik - Hintergrundgeräusche von Tsunami-Wellen unterscheiden", erläutert der Direktor des beteiligten Leibniz-Institutes für Meereswissenschaften in Kiel, Peter Herzig.

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