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15.09.2013

10:20 Uhr

Die heimliche Weltraum-Macht

Japan schickt seine erste „Robokete“ ins All

VonMartin Kölling

Dank künstlicher Intelligenz kann die erste Roboterrakete per Laptop gelauncht werden und fliegt auf Sparkurs. Mit dem Start der „Epsilon“ unterstreicht Japan seine Ambitionen in der kommerziellen Raumfahrt.

Start geglückt: Vom Uchinura Raumfahrtzentrum aus schickt die Weltraumbehörde Jaxa (Japan Aerospace Exploration Agency) die Epsilon-1 ins Weltall. dpa

Start geglückt: Vom Uchinura Raumfahrtzentrum aus schickt die Weltraumbehörde Jaxa (Japan Aerospace Exploration Agency) die Epsilon-1 ins Weltall.

TokioJapans Weltraumbehörde Jaxa ist am Sonnabend ein technisches Husarenstück geglückt: Vom südjapanischen Raumfahrtzentrum Uchinoura hob die „Epsilon“ ab,  die erste Rakete, die sich dank eingebauter künstlicher Intelligenz vor dem Start selbst durchcheckt. „Ich nenne sie Robokete“, sagte Jaxas Projektleiter Yasuhiro Morita Handelsblatt Online vor dem Start. Nun transportierte sie erfolgreich einen kleinen Satelliten ins All.

Der Jaxa ist damit etwas geglückt, dass Morita unbescheiden als „Revolution der Starttechnik“ bezeichnet. Der Mensch am Boden wird wegrationalisiert. Statt wie seit Mondflugs Zeiten müssen nicht mehr Heerscharen wochenlang ihre anfälligen Flugkörper überprüfen. Algorithmen machen das allein.

Das Resultat: Statt in sechs Wochen kann nun eine handvoll Ingenieure die Rakete in sieben Tagen startklar machen. Und statt eines teuren Lagezentrums reichen zwei Notebooks für den Abschuss der Festbrennstoffrakete. „Einer würde im Prinzip reichen“, meint Morita, „aber sicherheitshalber haben wir zwei als Back-up dabei."

Mit dem gelungenen Start unterstreicht Japan seine Ambitionen in der kommerziellen Satellitenindustrie. Die Epsilon soll die Kosten für Raketenstarts soweit drücken, dass auch ärmere Kunden ihre eigenen Trabanten ins All schicken können.

Das Ziel ist ambitioniert. Falls Jaxas Entwicklungspartner, der Schiffs- und Anlagenbauer IHI, wie geplant 2017 mit der Serienfertigung beginnen kann, soll die Rakete kleine Satelliten mit bis zu 1,2 Tonnen Gewicht für unter drei Milliarden Yen (22 Millionen Euro) in eine niedrige Erdumlaufbahn befördern.

Zum Vergleich: Der Start ihrer Vorgängerin M-5 kostete fast das doppelte, der einer mit 53 Meter mehr als doppelt so langen Flüssigbrennstoffrakete H2A der Jaxa noch das 30-fache. Aber deren Nachfolger soll auch mit künstlicher Intelligenz auf Sparkurs gebracht werden, kündigt Morita an.

Kritiker warnen allerdings, dass der Wunsch Science-Fiction bleiben könnte. Nicht nur hat die Epsilon eine der niedrigsten Zuladungen auf dem Weltmarkt. Zudem gibt es die Nische, auf die sie zielt, bisher nicht. Kleine Satelliten reisen Huckepack mit großen mit. Und wenn die Epsilon einen Markt schaffen sollte, muss sie sich gegen starke Konkurrenz aus Russland, den USA, Europa und neuerdings auch Indien und China behaupten.

Eines ist allerdings klar: Die Jaxa beweist mal wieder, dass sie zu Unrecht im Schatten von Chinas Weltraumprojekten steht. „Das japanische Weltraumprogramm ist ein herausragender Erfolg, wenn man auf die Technologie und die Kosten schaut“, meint der Weltraumfachmann Paul Kallendar-Umezo in Tokio.

Die Japaner sind bei der internationalen Raumfahrtstation dabei. Aber sie haben darauf verzichtet, medienwirksam allein Menschen ins All zu schießen. Stattdessen hat die Jaxa mit ihrem kleinen Budget die großen technischen Durchbrüche der vergangenen Jahre finanziert. 

Schaulustige Japaner beim Start der neuen japanischen Trägerrakete: Ambitionierte Ziele für das Geschäft mit kommerziellen Satelliten. AFP

Schaulustige Japaner beim Start der neuen japanischen Trägerrakete: Ambitionierte Ziele für das Geschäft mit kommerziellen Satelliten.

Hayabusa, der längste Flug eines Raumschiffes mit Zwischenlandung auf einem Asteroiden und Wiederkehr, testete erfolgreich Ionen-Raketenantriebe. Im Jahr 2007 folgte Kaguya, die größte Mondmission seit den Apollo-Flügen der Nasa. Und die solare Segelyacht Ikaros kreuzte mit Sonnensegeln angetrieben vom Sonnenlicht zur Venus - und wurde für den ersten interplanetaren Segeltörn 2012 ins Guiness-Buch aufgenommen.

Kommentare (10)

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audi

15.09.2013, 10:57 Uhr

das mit dem größeren Gewicht dürfte auch bald klappen und dannn gibt es eine zusätzliche Komponente im Wettbewerb.

aber: "Herzlichen Glückwunsch, Japan"

Account gelöscht!

15.09.2013, 11:27 Uhr

Einen Herzlichen Glückwunsch nach Japan und weiterhin "Gutes Gelingen!"

Account gelöscht!

15.09.2013, 15:25 Uhr

Man kann sagen, was man will. Aber die Japaner sind einfach ziemlich innovativ. Und ihre zurückhaltende Art macht sie sympathisch.

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