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28.12.2015

15:49 Uhr

Dieselgate bei Volkswagen

Hacker kommt VW und Bosch auf die Schliche

VonFriedhelm Greis
Quelle:Golem.de

Die Abgase von Dieselautos sauber zu bekommen, ist ein komplexer Prozess. In Hamburg zeigt nun ein Hacker, wie Bosch und Volkswagen gemeinsam die Abgastests austricksten. Und entdeckt eine ominöse „Akustikfunktion“.

Dieselfahrzeuge stoßen im Straßenverkehr ein Mehrfaches an Schadstoffen aus als auf Prüfständen. Software-Ingenieure programmierten dafür einen speziellen Code für Motorsteuergeräte. dpa

Entscheidend ist nicht nur, was hinten rauskommt

Dieselfahrzeuge stoßen im Straßenverkehr ein Mehrfaches an Schadstoffen aus als auf Prüfständen. Software-Ingenieure programmierten dafür einen speziellen Code für Motorsteuergeräte.

HamburgWie genau haben die Software-Ingenieure von Bosch und VW die Abgastests für elf Millionen Dieselfahrzeuge ausgetrickst? Der Hacker und VW-Fahrer Felix Domke zeigt auf dem diesjährigen Hackerkongress 32C3 in Hamburg, auf welche Weise die Software der Dieselfahrzeuge programmiert ist, um die Reduzierung von Stickstoff mit Hilfe von AdBlue zu kontrollieren. Per Reverse Engineering nahm Domke dazu ein Motorsteuergerät (ECU) auseinander und analysierte dessen Code.

Sein Fazit: Der Autozulieferer Bosch sah darin verschiedene Modi für die Reduzierung von Stickoxiden vor. VW bestimmte demnach die Parameter, um diese zu aktivieren.

Um die Software zu untersuchen, kaufte sich Domke über Ebay eine Bosch-ECU vom Typ EDC17C46, die bei VW-Dieselautos eingesetzt wird. Mit Hilfe eines Hardware-Bugs gelang es ihm, den Flashspeicher für den Infineon TriCore-Chip auszulesen. Dieser enthält 2 MByte Binärcode, den Domke anschließend mit einem Disassembler lesbar machte.

Entscheidend in dem Code ist dabei die Steuerung für den sogenannten SCR-Katalysator. Dieser Katalysator wandelt mit Hilfe von einer Harnstofflösung (Adblue) Stickoxide in Wasser und Stickstoff um.

Ein sehr komplexer Vorgang. „Ein Sechstel der ganzen Firmware ist nur für dieses SCR“, sagt Domke. „Es ist verdammt krass, was da berechnet wird.“ Wobei es einen gewissen Aufwand bedeutet habe, diese Stelle in der Firmware zu finden. Domke nahm dazu sogenannte A2L-Dateien zu Hilfe, die die Beschreibungen von steuergeräteinternen Größen enthalten. Solche Dateien finden sich auch im Netz und werden von Chiptunern genutzt. Zudem konnte Domke einzelne Sensordaten über das Fahrzeugdiagnosesystem On-Board-Diagnose (OBD 2) analysieren.

Wie bereits bekannt, entwickelten die Programmierer von Bosch für die Steuerung verschiedene Nutzungsszenarien. Im normalen Modus misst das System mehrere Temperaturen und Abgaskonzentrationen, um die jeweils erforderliche Menge an Harnstoff genau dosieren zu können.

Auch wird erkannt, ob sich überhaupt Harnstoff im Behälter befindet oder einfach nur Wasser eingefüllt wurde. Nun sieht die Software aber auch einen Alternativmodus vor. Dieser wird nach Angaben Domkes bei einer Motortemperatur aktiviert, die größer als minus 3.276,8 Kelvin liegt. Also standardmäßig immer.

Kommentare (10)

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Herr Thorsten Drescher

28.12.2015, 16:36 Uhr

Die Aussagen können sich aber nicht auf alle EB189 Motoren beziehen, da z.b. unser Polo gar keine AdBlue Einspritzung hat. Es hört sich eher nach den späten Euro 5 bzw. Euro 6 Modellen an. Also ist die Aussage nur für einen Teil der Betroffenen Fahrzeuge zutreffend.

Herr x y

28.12.2015, 17:03 Uhr

Dass das so oder ähnlich gelaufen ist, war schon längst klar. Fakt ist das die Fahrzeuge den Abgastest bestanden haben. Insoweit liegt wohl kein Betrug vor. Fakt ist aber auch, dass VW dem Fahrer diesen Modus im Fahrbetrieb auf der Straße vorenthalten hat, soll heißen, ihn abgeschaltet hat. Vermutlich wären in diesem Modus die Leistung und das Fahrverhalten (Elastizität) so grottenschlecht, dass das Fzg zum rollenden Verkehrshindernis wird, und niemand eine solche Gurke kaufen würde. Da geht es aber anderen Herstellern genauso.

Das Übel liegt darin, dass die Vorgaben des Abgastests unrealistisch niedrig sind und nicht mit der Kundenforderung nach Fahrleistung (z.B. 200 km/h) in Einklang zu bringen sind, da der Spagat zwischen Test und Wirklichkeit ganz einfach zu groß wird. Um einen Mittelklassewagen innerhalb der Geschwindigkeitsbegrenzungen flott vorwärts zu bewegen, sind rd. 60 kW (80 PS) völlig ausreichend. Wenn der Staat wirklich etwas bewirken will, muß er eine drakonische Kfz-Steuer für alles, was darüber liegt, einführen.

Eigentlich genügt ein Softwareeingriff, um den Testmodus als Dauermodus festzunageln. Sofern der Kunde umweltbewußt ist und so fährt wie im Testprogramm, wird er den Unterschied nicht merken. Wer mehr will, muss dann aber auch tiefer in die Tasche greifen.

Merke: Stelle dem Ingenieur eine Aufgabe, und er löst sie.

Dem Inschenör
ist nichts zu schwör

Account gelöscht!

28.12.2015, 18:12 Uhr

<< Wenn der Staat wirklich etwas bewirken will, muß er eine drakonische Kfz-Steuer für alles, was darüber liegt, einführen. >>

Eine drakonische Steuer für sämtliche Diesel-Fahrzeuge würde schon reichen!

Aber das ist natürlich typisch: Weil Sie sich einen Diesel gekauft haben, wollen Sie mir das Posche-Fahren vermiesen. Billig!
Benziner mit geregeltem Kat sind nach wie vor die beste Wahl. Tut mir leid, wennn Sie daneben gelegen haben bei Ihrer Anschaffung.

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