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17.10.2011

10:52 Uhr

Drahtlose Netze

Forscher entwickeln drahtlose Fahrradbremse

Einmal fest den Lenkergriff umfasst, schon greift die Scheibenbremse des Cruiser Bikes. Eine neuartige Fahrradbremse verzichtet auf herkömmliche Mechanik und setzt stattdessen auf Drucksensoren und Funksignale.

Holger Hermanns präsentiert die drahtlose Fahrradbremse der Saarbrücker Informatiker. Universität des Saarlandes

Holger Hermanns präsentiert die drahtlose Fahrradbremse der Saarbrücker Informatiker.

SaarbrückenInformatiker an der Universität des Saarlandes haben eine drahtlose Fahrradbremse entwickelt, die auf Händedruck am rechten Griff reagiert. Mit einer Zuverlässigkeit von zu 99,999999999997 Prozent (drei Fehler bei einer Billiarde Bremsversuchen) arbeite das System „nicht perfekt, aber dennoch akzeptabel“, so Holger Hermanns, der Leiter des Entwicklungsteams.

Die Informatiker arbeiten nicht für die Fahrrad-Branche, sondern erforschen am Modell der Radbremse die Zuverlässigkeit drahtloser Netze. „Solche Netze funktionieren nie hundertprozentig, das ist technologisch bedingt“, so Hermanns. Dennoch sollen sie künftig häufiger eingesetzt werden. „Konkrete Pläne existieren zum Beispiel für den künftigen Europäischen Zugverkehr.“

Experimente mit Zügen und Flugzeugen seien jedoch zu aufwendig und zu gefährlich. „Die drahtlose Fahrradbremse bietet uns die notwendige Spielwiese, um diese Methoden zu optimieren.“

Um zu bremsen, muss der Fahrradfahrer lediglich den rechten Gummigriff am Lenker fest umgreifen. Je stärker er greift, desto stärker bremst die Scheibenbremse im Vorderrad. Möglich macht dies ein Zusammenspiel von mehreren Komponenten. Im schwarzen Gummigriff ist ein Drucksensor integriert, der ab einem bestimmten Druck einen kleinen Sender aktiviert.

Ein Reaktionsweg von zwei Metern

Dieser sitzt in einem blauen Kunststoffkästchen von der Größe einer Zigarettenschachtel, das ebenfalls an der Lenkstange befestigt ist. Seine Funksignale gehen an einen Empfänger am Ende der Radgabel, wo sie über einen „Aktuator“ in mechanische Bewegung umgesetzt werden, die die Scheibenbremse greifen lässt. Den Strom dafür erhält er von einer Batterie, die an der Radgabel sitzt.  

Um die Ausfallssicherheit zu erhöhen, befinden sich in den Speichen des Hinterrades und an der Gabel des Vorderrades jeweils ein weiterer Sender. Beide wiederholen das Senden des Bremssignals. Auf diese Weise soll sichergestellt sein, dass die entscheidende Funknachricht auch dann noch rechtzeitig ankommt, wenn die anderen Funkverbindungen zu langsam sind oder gar ganz ausfallen.

Mit der aktuellen Ausstattung setzte bei einem Cruiser Bike im Test spätestens nach 250 Millisekunden die Bremswirkung ein, was bei einer Geschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde einem Reaktionsweg von zwei Metern entspricht. Dabei wollen es die Forscher jedoch nicht belassen. „Es ist jetzt nicht mehr schwer, ein Antiblockiersystem und Antischlupfregelung zu integrieren“, so der Entwickler. Nach ersten Gesprächen mit namhaften Herstellern sucht Hermanns bereits ein Ingenieursbüro, das die drahtlose Fahrradbremse umsetzt.

Von

tt

Kommentare (1)

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Buecherwurm

17.10.2011, 21:22 Uhr

Das erinnert mich ein wenig an die elektrische Schaltgruppe von Shimano, die Dura Ace Di2. Eine tolle Idee, aber für den normalen Radler unbezahlbar.

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