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03.06.2011

20:09 Uhr

Durchfallerkrankung

Immer mehr Ehec-Kranke setzen Experten unter Druck

Der Darmkeim EHEC stellt Forscher weiter vor Rätsel: Wie lässt er sich am besten behandeln? Woher kommt er? Nach der Erbgutentzifferung erhoffen sich Experten neue Hinweise.

Elektronenmikroskopische Aufnahme von EHEC-Bakterien. Quelle: dpa

Elektronenmikroskopische Aufnahme von EHEC-Bakterien.

Berlin

Die Zahl der Ehec-Kranken nimmt immer weiter zu. Innerhalb von zwei Tagen sei die Zahl der an der Durchfallerkrankung leidenden Patienten um 199 auf über 1700 gestiegen, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitag mit. Bei 50 der Neufälle gab es demnach die lebensgefährliche Komplikation HUS. Insgesamt sind damit über 500 Fälle des hämolytisch-urämischen Syndroms bekannt. In Mecklenburg-Vorpommern wurde das 18. HUS-Todesopfer registriert. Außerhalb Deutschlands gab es bislang nur in Schweden einen Todesfall. Ehec-Erkrankungen wurden bislang aus Österreich, Tschechien, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen Spanien, Großbritannien und der Schweiz gemeldet. Fast alle Betroffenen waren zuvor in Deutschland. Erstmals gibt es auch einen Ehec-Verdacht in den USA. Russland behält unterdessen sein Einfuhrstopp für Gemüse aus der Europäischen Union bei. In Deutschland haben die Behörden auch vier Wochen nach Ausbruch der Krankheit noch keine Spur, die zum Infektionsherd führen könnte.

"Wir können in diesem Fall ganz sicher von einer Epidemie sprechen", sagte der RKI-Experte Klaus Stark im ZDF. "Es ist ein absolut unerwartetes Auftreten einer großen Zahl an Erkrankungen, die wir so in Deutschland bisher noch nie gesehen haben." Nach Einschätzung der Gesellschaft für Nephrologie gibt es aber einen Lichtblick. "Man hat ein bisschen das Gefühl, dass es etwas abflaut, aber die Zahlen geben das noch nicht eindeutig her", sagte der Präsident der Gesellschaft, der Nierenspezialist Reinhard Brunkhorst, Reuters TV.

Sicher sind sich die Experten, dass der Ehec-Erreger über Nahrungsmittel aufgenommen wird. Deswegen gilt nach wie vor die Empfehlung, auf den Konsum von rohen Salaten, Gurken oder Tomaten zu verzichten. Unklar ist immer noch, wieso sich die Fälle auf Norddeutschland konzentrieren und warum viel mehr Frauen als Männer betroffen sind. In Hamburg wurde auch die Polizei wegen Ehec tätig: Es werde in Zusammenhang mit kontaminierten Lebensmitteln ermittelt, sagte ein Sprecher.

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