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20.08.2014

17:01 Uhr

Ebola-Ausbreitung in Afrika

„Wenn ich könnte, würde ich gehen“

VonWolfgang Drechsler

Nachlässige Machthaber und irrer Aberglaube der Bevölkerung verstärken die Wirkung des Ebola-Virus in Westafrika. Ein Land sticht besonders negativ heraus: Liberias traurige Entwicklung steht für den ganzen Kontinent.

Nächtliche Ausgangssperre in Liberia verhängt: Staatliche Einsatzkräfte riegeln den Slum West Point in der Hauptstadt Monrovia ab. Bislang starben in dem westafrikanischen Küstenstaat rund 450 Menschen am sich rasch ausbreitenden Ebola-Virus. ap

Nächtliche Ausgangssperre in Liberia verhängt: Staatliche Einsatzkräfte riegeln den Slum West Point in der Hauptstadt Monrovia ab. Bislang starben in dem westafrikanischen Küstenstaat rund 450 Menschen am sich rasch ausbreitenden Ebola-Virus.

PretoriaLiberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf hat heute für das ganze Land eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Endlich, muss man hinzufügen, denn das Land wird bereits seit rund sechs Monaten von der Ebola-Epidemie heimgesucht, die auch seine beiden Nachbarn Sierra Leone und Guinea befallen hat.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es allein in dem langjährigen Bürgerkriegsland bislang über 800 bestätigte oder vermeintliche Fälle, fast 450 Menschen sind hier an der Krankheit gestorben.

So lange hat es gedauert und so viele Opfer hat es gebraucht, bis die erste weibliche Machthaberin Afrikas in ihrer Ansprache letzte Nacht auch eingestand, dass man die Lage in Liberia noch nicht unter Kontrolle habe. Weil sich die Menschen nicht an die überall verbreiteten Warnungen hielten. Die eigenen Versäumnisse wurden verschwiegen

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Die Kampagne kommt viel zu spät, doch plötzlich liest und hört man ihre Botschaft fast überall: „Ebola is real“ dröhnt es nun unentwegt aus den Autoradios in Monrovia, der Hauptstadt des westafrikanischen Küstenstaates. Der Slogan steht auf den Billboards entlang des Tubman Boulevards, der durch die heruntergekommene City läuft, und auf den Etiketten, die auf den nun vor einigen Büros und Geschäftsgebäuden aufgestellten Eimern zum Händewaschen kleben.

Selbst die meisten  Menschen scheinen endlich zu begreifen, dass die Infektionskrankheit Ebola keine Erfindung ihrer Regierung oder gar westlicher Ärzte ist, auch wenn Skepsis und Argwohn tief sitzen.

Täglich sieht man nun auch Tote stundenlang auf den Straßen liegen, weil sie niemand mehr ins Leichenschauhaus bringen will und die Ebola-Einheiten der Regierung mit dem Abholen nicht nachkommen.

Die große Ebola-Frage: Woher kommt das Virus?

Die große Ebola-Frage

Woher kommt das Virus?

Den schweren Ebola-Ausbruch eindämmen - das hat im Augenblick die höchste Priorität. Aber dahinter lauert die Frage, woher denn das Virus genau kommt. Es gibt Vermutungen, aber bisher keine Sicherheit.

Wie groß das Misstrauen ist, zeigt nicht zuletzt die Flucht von 19 Ebola Patienten aus einer Isolierstation in Monrovia. Am Wochenende hatten Bewohner der Armensiedlung West Point die Station gestürmt, ihre Räume geplündert und die hier isolierten Patienten „befreit“ wie die Eindringlinge behaupten. Diese könnten nun leicht weitere Menschen in dem dicht besiedelten Slum mit dem Virus anstecken.

Informationsminister Lewis Brown musste zugeben, dass die Angreifer auch Matratzen, Decken  und Bettlaken mitgenommen hätten, auf denen Körperflüssigkeit der Kranken haftete.

Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass sich zumindest die Plünderer inzwischen fast alle angesteckt haben und nun ihrerseits wandelnde Infektionsherde sind. Mittlerweile hat die Regierung reagiert und die in Elendsquartieren lebenden 70.000 Menschen unter Quarantäne gestellt.

Vor zwei Wochen hatte Staatschefin Sirleaf - ebenfalls viel zu spät - einen dreimonatigen Ausnahmezustand über ihr Land verhängt. Zusätzlich werden nun auch abgelegene Dörfer im Innern unter Quarantäne gestellt, was viele an die Pestdörfer im Mittelalter in Europa erinnert die nach dem Ausbruch der Seuche ähnlich drastisch von der Außenwelt abgeschottet wurden. 

Insgesamt hat das oft tödliche Fieber in den drei besonders hart betroffenen Ländern inzwischen mehr als 1.220 Menschen getötet.

In Nigeria mit seinen 175 Millionen Eonwohnern sind bislang nur eine Handvoll Menschen gestorben, die alle mit einem per Flugzeug eingereisten Ebola-Infizierten in Kontakt kamen. Hier scheint die Epidemie noch unter Kontrolle zu sein.

Kommentare (3)

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Herr Tom Schmidt

20.08.2014, 17:29 Uhr

Naja, beim Thema irrer Aberglaube muss man vorsichtig sein!

Der Autor hat zwar Recht, es ist irrer Aberglaube, aber wenn das bei uns ausbrechen würde, dann hätten wir auch genug, die zum Heilpraktiker laufen würden um sich Globuli reinzuziehen. Und das ist von Hexerei nicht weit wirklich weit weg.

Herr Moritz J. Mueller

20.08.2014, 19:16 Uhr

Gott was für ein geschundenes Land! Nach dem Tode von William S. Tubman, Präsident von Liberia von 1944 bis 1971 (Jahr seines Todes) hat die Katastrophe von Liberia Besitz ergriffen. “Liberia gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt“. Richtig und sehr traurig bedenkt man dass unter Tubman Liberia das Land Afrikas war mit dem höchsten Wirtschaftsaufschwung von 8% Jährlich.
Als nach Tubmans Tod William R. Tolbert die Macht ergriff ging es mit Liberia bergab. Tolbert war kriminell, hochkorrupt und gierig und so hat er seinen eigenen Untergang geebnet der mit seiner Ermordung und der Hinrichtung am Strand des gesamten Parlaments (darunter auch sein Bruder) seine Abschluss fand. Dann zehn Jahre Schreckensherrschaft unter Samuel Doe und darauf folgend der Bürgerkrieg. Und jetzt Ebola. Wie lange kann solch eine destruktive Phase anhalten?

Frau Pia Paff

21.08.2014, 10:36 Uhr

Überall, wo die Weissen das Ruder an Nichtweisse übergeben haben ... herrscht Chaos. Bestes Beispiel RSA. Zumo wird das Land komplett in den Ruin treiben. Das ist nur ein Beispiel von 18 möglichen in Afrika.

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