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03.10.2014

21:35 Uhr

Ebola-Ausbruch in den USA

Amerika zwischen Gier und Panik

VonAxel Postinett

In den USA greifen Ebola-Schreckensszenarien um sich: Daraufhin fallen die Aktienkurse von Fluggesellschaften, die von Pharmakonzernen steigen. Das Virus ist auf dem Weg, ein Geschäft zu werden.

Das Rote Kreuz brachte Decken und andere Gegenstände aus dem Apartment, wo Ebola-Patient Thomas Eric Duncan unterkam. dpa

Das Rote Kreuz brachte Decken und andere Gegenstände aus dem Apartment, wo Ebola-Patient Thomas Eric Duncan unterkam.

DallasEine gespenstische Szene: Hermetisch schirmen Polizei und schwerbewaffnete Sicherheitskräfte das Apartment im Nordosten Dallas ab. Näher als 90 Meter darf sich niemand nähern. Vermummte Reinigungskräfte malträtieren den Parkplatz vor dem Gebäude mit Hochdruckreiniger und Spezialchemikalien, um zu eliminieren, was auch immer dort sein könnte.

Im Innern vier Bewohner und ein Kriminalbeamter. Der passt auf, dass niemand das Haus verlässt. Die Frau und die drei Jugendlichen stehen unter Quarantäne seit klar ist: Der Partner der Frau, Thomas Eric Duncan, ist der erste US-Amerikaner, der in den USA am Ebola-Virus erkrankt ist.

Ein Aufstand in Hongkong? Terror in Syrien und Irak? Das verblasst auf einmal alles zur Nebensache. Die USA haben einen neuen Aufreger, der das Land in Atem hält. Duncan war aus Liberia über Brüssel und Washington nach Dallas gereist, bevor am Dienstag klar wurde, dass er infiziert war. Seitdem sind die TV-Kabelsender voll mit Ebola-Specials. Was muss sich wissen, wie kann ich mich schützen? Soll ich überhaupt noch aus dem Haus gehen?

„Investigative“ Reporter veröffentlichen seitenlange Listen, welche Flughäfen die Flugzeuge in denen Duncan gesessen hat seither angesteuert haben. Im Falle von ABC News schreiben sie zwar ehrlicherweise direkt dazu, dass das völlig unerheblich sei, weil Experten von einem praktisch nicht messbaren Risiko ausgehen, sich in den Maschinen anzustecken.

Ebola: Wer stoppt das Virus?

Ebola

Wer stoppt das Virus?

In Westafrika hat Ebola schon Tausende Menschen getötet. Jetzt ist der Erreger erstmals bei einem Patienten außerhalb von Afrika diagnostiziert worden. Wie groß ist das Risiko, dass Ebola auch nach Deutschland kommt?

Die eigene Heimatstadt auf der Liste zu finden, macht trotzdem es vielen eine Gänsehaut. Hollywood ist da nicht ganz unschuldig. Seit Wolfgang Petersons Desaster-Disease-Streifen „Outbreak“ von 1995 geistern die wildesten Theorien durch die Welt. Um die Filmidee einer schnellen Massenausbreitung glaubhafter zu machen, mutiert da der „Motaba“-Virus und wird heimtückisch durch das Ventilationssystem eines Flugzeugs verbreitet. Das bleibt Filmfantasie. Ebola verbreitet sich nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten.

Trotzdem: Aktien von Luftfahrtgesellschaft gaben nach Bekanntwerden des Falls in den USA nach, und Aktien von Pharmafirmen klettern. Ein Journalist beim Wirtschaftssender Bloomberg brachte die Freude der Börsianer auf den Punkt: Ebola ist jetzt auf dem Weg ein Geschäft zu werden. Das war nicht immer so.

Obwohl es bereits mindestens 30 Ebola-Ausbrüche seit 1995 gegeben hat, blieben die großen Pharmafirmen untätig. Aus einfachem Grund, wie Sina Bavari, Ärztin im US Army Medical Research Institute for Infectious Diseases, dem Sender NBC News noch vor wenigen Wochen anvertraute: Geld. „Ich kann nicht erkennen, warum sich irgendjemand außer der US-Regierung mit Ebola befassen sollte“, sagte sie. „Es ist einfach kein Markt.“

Das kann sich ändern. Während Afrika bitterarm ist und sich keine Medikamente leisten kann, bezahlen amerikanische Krankenversicherungen riesige Summen, um ihre Patienten zu versorgen. Jeder Tag im Krankenhaus verschlingt tausende Dollar. Mit Hochdruck wird deshalb jetzt an Medikamenten geforscht.

Die Washington Post titelt bereits einen Tag nach Bestätigung der Infektion durch das Center for Desease Control and Prevention, CDC: „Ebola – wer wird profitieren“. Die USA Today schreibt „Pharmaaktien steigen“ und CNN Money meint: „Der erste Ebola-Fall ist Grund für Besorgnis im Land, aber weckt auch schon die Gier in einigen Ecken des Aktienmarktes“. Mapp Biopharmaceutical, Sarepta oder Tekmira sind auf einmal Geheimtipps für Zocker.

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