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06.08.2014

09:05 Uhr

Ebola-Forscher im Gespräch

„Wir brauchen menschliche Studien“

VonAnnie Sneed

Die Ebola-Katastrophe in Afrika macht deutlich, wie wichtig ein Impfstoff wäre. Thomas Geisbert arbeitet an einem solchen Stoff. Der Virologe beschreibt, warum das nicht so einfach ist und wie es trotzdem klappen könnte.

Ärzte suchen seit langem nach einem Schutz vor der tödlichen Ebola-Krankheit. Reuters

Ärzte suchen seit langem nach einem Schutz vor der tödlichen Ebola-Krankheit.

Dieses Interview erscheint mit freundlicher Genehmigung von Scientific American und Spektrum der Wissenschaft.

Professor Geisbert, welche vielversprechenden Impfstoffe gegen das Ebola-Virus befinden sich in der Entwicklung?

Es werden bereits ein paar vorbeugende Schutzstoffe entwickelt, von denen sich drei bis fünf als vollkommener Schutz gegen Ebola bei nichthumanen Primaten bewährt haben. Einige dieser Impfstoffe benötigen drei Injektionen, andere nur eine einzige. Die meisten werden von der amerikanischen Regierung finanziert. Somit befinden sie sich in verschiedenen Entwicklungsstadien, aber keine von ihnen ist schon lizenzreif.

Die Achillesferse dieser Vakzine sind klinische Studien der Phase I am Menschen. Hier werden wir Wissenschaftler leicht frustriert, da wir wissen, dass diese Impfstoffe Tiere schützen, und wir verstehen nicht, warum die Dinge nicht schneller vorangehen können und die Regulierung so streng ist. Die Frage, warum das so lange dauert, kann ich Ihnen also leider nicht beantworten.

Sie plädieren also für eine raschere Erprobung der Impfstoff-Kandidaten am Menschen?

Ich hätte gerne eine Situation, in der wir versuchen würden, den Hauptkandidaten unseres Impfstoffs so zu verbessern, dass wir die Studien der Phase I so schnell es geht hinter uns bringen können. Ich denke, wir sollten in Gebieten mit hohem Risiko bei den Helfern vor Ort damit anfangen.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Dieser Ausbruch ist so ungewöhnlich, weil er in einer Gegend auftritt, in der wir das Virus vorher nie gesehen haben, und auch weil hier scheinbar ein höherer Prozentsatz an medizinischem Personal infiziert ist als je zuvor. Ich habe gesehen, wie alle diese Impfstoffe bei zahlreichen Tieren gewirkt haben, und an keinem von ihnen je auch nur einen Behandlungsschaden beobachtet.

Ich verstehe die Sicherheitsbedenken, aber es wäre toll, wenn es einen Weg gäbe, das Ganze zu beschleunigen. Menschen sind Ebola ausgesetzt, und es besteht eine 60- bis 90-prozentige Chance, dass sie sterben werden. Ich denke, dass wir das in diesem Zusammenhang betrachten müssen.

Warum gelingt es dem menschlichen Immunsystem eigentlich nicht, gegen das Virus anzukämpfen?

Das Ebola-Virus wird gewöhnlich durch engen Kontakt übertragen, und die ersten Zellen, die es angreift, sind Zellen, die bedeutend für die erste Verteidigungslinie unserer Immunabwehr sind. Diese Zellen sind wichtig, weil sie die allerersten sind, die erkennen, dass etwas Fremdes in unseren Körper eingedrungen ist, und die ersten Zellen, die unsere angeborene Immunabwehr aktivieren, um die Infektion zu bekämpfen.

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Das erschwert die Aufstellung einer effektiven Immunabwehr gegen das Virus – unser Körper hat es schwer, das Virus abzuwehren. Und das Virus vermehrt sich bis zu einem Punkt, an dem es dann voll und ganz die Hauptorgane unseres Körpers erobert.

Kommentare (4)

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Herr peter Spirat

06.08.2014, 09:08 Uhr

So etrwas muss man nicht mehr kommentieren
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USA haben den Ebola-Virus 2009 patentiert
Sonntag, 3. August 2014 , von Freeman um 16:00

Warum haben die USA den Ebola-Virus am 26. Oktober 2009 patentieren lassen? Wie kann man überhaupt einen Virus für sich exklusiv in Anspruch nehmen? Der soll doch aus der Natur stammen. Haben sie den Virus erfunden?

Siehe Patentanmeldung Nr. US20120251502.

Herr peter Spirat

06.08.2014, 09:10 Uhr

http://www.google.com/patents/US20120251502

Herr Peter Meier

06.08.2014, 09:34 Uhr

Es gibt doch beispielsweise die Stiftung von Bill Gates und seiner Frau, die beispielsweise auch von Warren Buffet ziemlich prall gefüllt wird. Meines Wissens hat die sich doch gerade sowas (Krankheitsbekämpfung, Entwicklungsländer) auf die Fahnen geschrieben. Die wären doch prädestiniert dafür und dürften ohne Probleme über die notwendigen Mittel verfügen, die Firmen / Forscher zu unterstützen bzw. sich an den Firmen beteiligen.

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