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08.09.2014

10:01 Uhr

Ebola-Forschung im Sicherheitslabor

Arbeiten mit dem Todesvirus

Hunderte Menschen sind in Westafrika schon an Ebola gestorben – ein Ende der Epidemie ist nicht absehbar. Beim Kampf gegen das Virus zählt das Hochsicherheitslabor der Uni Marburg zu den weltweit führenden Adressen.

Eine Forscherin arbeitet im Labor des Instituts für Virologie der Universität Marburg. Das Marburger Labor ist eines von nur drei in Deutschland, das die Anforderungen der höchsten Biologischen Schutzstufe 4 (BSL4) erfüllt. dpa

Eine Forscherin arbeitet im Labor des Instituts für Virologie der Universität Marburg. Das Marburger Labor ist eines von nur drei in Deutschland, das die Anforderungen der höchsten Biologischen Schutzstufe 4 (BSL4) erfüllt.

MarburgEine Labormitarbeiterin in einem gelben, gummiartigen Vollschutzanzug arbeitet mit einer Pipette, sie ähnelt einer Astronautin. Ein schwarzer Schlauch verbindet sie mit einem Anschluss an der Wand, der sie mit Frischluft versorgt. Überdruck im Anzug verhindert, dass Partikel von außen eindringen. So sieht es aus, wenn Mitarbeiter des Hochsicherheitslabors an der Universität Marburg Virenerbgut aus der Blutprobe eines Ebola-Verdachtsfalls sichern.

Das Marburger Labor ist eines von nur drei in Deutschland, das die Anforderungen der höchsten Sicherheitsstufe BSL 4 erfüllt. Ein weiteres gibt es am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg, das andere betreibt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems. Ein viertes entsteht derzeit am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Nur hier darf mit hochansteckenden Viren gearbeitet werden, für die es noch keine wirksamen Medikamente oder Impfstoffe gibt. An deren Entwicklung sind die Forscher beteiligt. Stephan Becker, Leiter des Marburger Instituts für Virologie, könnte demnächst eine Studie zur Wirkung eines vielversprechenden Ebola-Impfstoffes durchführen. „Die Voraussetzungen dafür wären hier bei uns ideal“, sagt er.

Es geht um das in Kanada entwickelte Vakzin VSV-EBOV. Solche Impfstoffe könnten vorbeugend verhindern, dass sich Menschen mit Ebola infizieren – ähnlich wie zum Beispiel ein Grippeimpfstoff. Die US-Gesundheitsinstitute (NIH) kündigten Ende August gleich mehrere Studien zu verschiedenen Impfstoffen am Menschen an, die im Herbst anlaufen sollen. Zusammen mit einem Pharmakonzern starteten sie erste Tests an etwa 20 Teilnehmern.

Nicht nur für die Forschung, auch für Diagnosen ist das Marburger Labor wichtig. Sollte am internationalen Drehkreuz Frankfurt ein Reisender ankommen, der Ebola-Symptome wie Fieber, Durchfall und Erbrechen zeigt, würde er zunächst an der Uniklinik Frankfurt isoliert. Bestätigt sich ein Kontakt zu eventuell infizierten Menschen in einem Land wie Liberia oder Guinea, bringt die Frankfurter Feuerwehr sofort eine Blut- und Speichelprobe nach Marburg.

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