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27.10.2014

11:30 Uhr

Ebola

Indiens Furcht vor dem tödlichen Virus

In Indien geht die Angst vor Ebola um: Tausende Inder arbeiten in den von Ebola betroffenen Ländern Westafrikas. Schafft das tödliche Virus den Sprung auf den Subkontinent, könnten die Folgen katastrophal sein.

Intensivstation zur Behandlung von Ebola-Patienten in Neu-Delhi. Nach Meinung von Gesundheitsexperten wäre Indien nur schlecht für einen Ebola-Ausbruch gerüstet. AFP

Intensivstation zur Behandlung von Ebola-Patienten in Neu-Delhi. Nach Meinung von Gesundheitsexperten wäre Indien nur schlecht für einen Ebola-Ausbruch gerüstet.

Neu Delhi„Ebola-Überwachungszentrum“ steht auf einem Schildchen, die Buchstaben sind ungelenk von Hand geschrieben. Das Papier klebt auf einem Tischkalender, irgendwo in der Ankunftshalle des kleinen, aber internationalen Flughafens in Imphal in Indien.

Hinter dem Schild sitzt ein Mann mit einem Fragebogen. Sieht er einen Reisenden, der ein Ausländer sein könnte, winkt er ihn heran. Dann beginnen die Fragen: „Kommen Sie aus Westafrika? Haben Sie Fieber?“

Mit oft noch provisorischen Mitteln versucht Indien, ein Übergreifen des tödlichen Virus auf den Subkontinent zu verhindern. Im Land geht die Angst vor Ebola um.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Gesundheitsminister Harsh Vardhan rief gerade hochrangige Regierungsvertreter zusammen. „Wir haben Kriegsrat gehalten, um unsere Aktionen bei einem Ausbruch zu koordinieren“, erklärte Vardhan. Die erste Notfallübung am Flughafen in Neu Delhi gab es bereits, die anderen sollen nachziehen.

Schafft es das Virus nach Indien, könnten die Folgen katastrophal sein. Einige der am dichtesten besiedelten Städte der Welt befinden sich dort. Darunter etwa Mumbai mit seinen 18 Millionen Einwohnern; eine Million davon leben allein im Slum Dharavi, wo die Gassen oft nur schulterbreit sind. Jeder trifft hier jedem, oft schlafen ganze Großfamilien in einem Raum – Kontaktlisten, wie sie nach Ebola-Fällen in westlichen Ländern üblich sind, lassen sich da kaum erstellen.

Bislang gibt es weder eine wirksame Behandlung noch eine Impfung gegen den Erreger. Übertragen wird das Virus durch Körperflüssigkeiten wie Schweiß, Blut, Urin und Fäkalien. Laut Zensusdaten nutzen etwa die Hälfte der 1,25 Milliarden Inder keine Toilette, sondern gehen zum Geschäft aufs Feld oder hinter den nächsten Busch.

Das Risiko für Indien sei „sehr hoch“, sagt Ashish Jha, Professor für Gesundheitspolitik an der Harvard-Universität. Denn Tausende Inder arbeiten in den von Ebola betroffenen Ländern Westafrikas, etwa als Ärzte, Ingenieure, Lehrer und Bauarbeiter.

Kommentare (2)

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Herr Markus Jungfer

27.10.2014, 20:40 Uhr

Ein Land, dessen Gesundheitssystem es nicht schaft die Pest auszulöschen, wird wohl vor Ebola kapitulieren.

Einsen kleinen positiven Effekt würde eine Ebolapandemie ja haben: die Anzahl der Menschen auf diesem Planeten wird an die vorhandnen Ressourcen angepasst und der Klimawandel wird für einige Zeit ausgesetzt.

Herr Hermann Schmidt

27.10.2014, 23:26 Uhr

Interessant, dass gerade die USA, die offenkundig eine übersteigerte Angst vor illegaler Zuwanderung, hat mit entspr. Grenz- und Flughafenkontrollen, Menschen, die zuvor in Westafrika waren, quasi hereinwinkt.
Und Obama übt Kritik an Gouverneuren, die Schutzmaßnahmen ergriffen haben...
Was hat er vor?

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