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07.08.2014

14:30 Uhr

Ebola-Medikament ZMapp

Strohhalm im Überlebenskampf

In Westafrika fragen sich viele Menschen frustriert, warum sie das Ebola-Medikament ZMapp nicht erhalten. Doch Experten warnen vor möglichen Folgen - medizinischen, aber vor allem auch ethischen.

Mit Hilfe solcher Tabakpflanzen werden die Antikörper für das Ebola-Medikament ZMapp hergestellt. dpa

Mit Hilfe solcher Tabakpflanzen werden die Antikörper für das Ebola-Medikament ZMapp hergestellt.

BerlinWie kann die dramatische Ebola-Epidemie mit mittlerweile fast 1000 Toten in Westafrika gestoppt werden? Im Kampf gegen das tödliche Virus machte zuletzt ein Medikament von sich reden, das den Betroffenen möglicherweise helfen könnte: ZMapp. Zwei infizierte Amerikaner bekamen es bereits. Das große Problem: Bislang wurde es nicht am Menschen getestet. Damit ist nicht klar, ob es möglicherweise gefährliche Nebenwirkungen hat.

Dass zunächst zwei in die USA ausgeflogene Ebola-Patienten mit dem experimentellen Mittel behandelt wurden, wirft ethische Fragen auf und weckt Frust in Westafrika. „Wenn die Amerikaner dieses Serum schon die ganze Zeit hatten, warum haben sie es dann nicht den Afrikanern zur Verfügung gestellt, um dabei zu helfen, Leben zu retten?“, sagt Winston Ojukutu Macauley, ein Berichterstatter in Sierra Leone. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berief für diese Woche ein Treffen medizinischer Ethiker ein, um zu prüfen, ob ZMapp ohne Test am Menschen ausgegeben werden könnte.

Einen so schlimmen Ebola-Ausbruch wie derzeit gab es noch nie, in Westafrika infizierten sich bislang mehr als 1700 Menschen mit dem Virus, mehr als 930 starben daran. Am stärksten betroffen sind die Länder Liberia, Sierra Leone, Guinea und Nigeria. Es gibt keine geprüfte Behandlung oder Impfung gegen die Krankheit.

Experten stehen ZMapp allerdings vorsichtig gegenüber. „Wie oft haben wir magische Therapien gefunden, die am Ende mehr Schaden als Gutes angerichtet haben?“, sagt etwa Michael Osterholm. Der Professor der Universität von Minnesota berät die US-Regierung beim Umgang mit Infektionskrankheiten.

Forscher heben hervor, dass niemand wissen könne, ob ZMapp den beiden US-Patienten wirklich helfen kann. „Wir wissen nicht mal, ob es wirklich funktioniert“, sagt Anthony Fauci vom Nationalen Gesundheitsinstitut der USA.

Roman Wölfel vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München schließt Nebenwirkungen nicht aus. „ZMapp ist bisher rein experimentell“, sagte er. Das Immunsystem könne stark auf die Antikörper reagieren. „Da es bislang noch keine Daten oder Tests an Menschen gibt, sind die Aussagen über Nebenwirkungen von ZMapp schwierig. Theoretisch reicht die Bandbreite von leichtem Fieber bis hin zu Schockzuständen.“

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Das Medikament ist ein Mix aus drei Antikörpern, die das Ebola-Virus im Körper aufspüren und infizierte Zellen binden sollen, damit sie vom Immunsystem getötet werden können. Diese Antikörper haben Forscher Labormäusen entnommen. Der Hersteller von ZMapp züchtet sie nun in Tabakpflanzen und bereite sie anschließend auf. Dieser Prozess sei „schmerzhaft langsam“, sagt Fauci. Nach Angaben des Herstellers kann es zwei bis drei Monate dauern, um überhaupt „eine geringe Menge zu produzieren“.

Kommentare (2)

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Herr Thomas V. Schuischel

07.08.2014, 15:24 Uhr

Dummfug!

Die Überlebenswahrscheinlichkeit geht bei Ebola gegen 0%. Bedeutet: Die Diagnose ist praktisch das Todesurteil. Daher ist es völlig egal, was für Nebenwirkungen das Medikament haben könnte. Es kann nichts mehr verschlimmern.

Um was geht es hier? Ganz einfach. Man versucht Patente zu schützen und Medikamente teuer zu halten. Es ist doch heute allgemein bekannt, dass die angeblich so teure Forschung der Pharmaunternehmen nur einen Bruchteil des Budgets für Werbung und Lobbyismus ist. Perverse Welt.
P.S.: Das Interview zwischen Martin Sonneborn und dem Pharmalobbyisten, welche eine Offenbarung für die niederen Beweggründe der Pharma ist, ist weithin bekannt und im Netz für jeden zu finden (Links hier nicht erlaubt).

Herr Thomas V. Schuischel

07.08.2014, 15:27 Uhr

Jaja... Wegen Nebenwirkungen. Nur blöd, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Ebola nahe 0% liegt. Bedeutet die Diagnose ist gleichzeitig das Todesurteil. Daher sind die Nebenwirkungen von dem Mittel egal.
Es geht hier um wirtschaftliche Interessen und Patente.

Und es geht auch nicht darum, um die Forschung für weitere Medikamente zu finanzieren. Schließlich sind die Forschungsausgaben nur ein Bruchteil des Budgets der Werbung und Lobbyausgaben.

Ich empfehle das Interview von Martin Sonneborn mit dem Pharmalobbyisten. Überall im Netz zu finden.

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