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07.01.2016

13:15 Uhr

Ebola

Neue Hoffnung im Kampf gegen das Todesvirus

Zwei mögliche Ansätze für eine wirksame Ebola-Therapie, zwei grundverschiedene Ergebnisse: Während ein Malaria-Medikament sich vielleicht als wirksame Waffe erweisen könnte, blieb ein anderer Behandlungsansatz erfolglos.

Noch immer suchen Forscher nach einer wirksamen Waffe gegen den gefährlichen Krankheitserreger. ap

Ebola-Virus

Noch immer suchen Forscher nach einer wirksamen Waffe gegen den gefährlichen Krankheitserreger.

BerlinEin Malaria-Medikament hat vielleicht das Potenzial, die Sterblichkeit bei Ebola-Infektionen deutlich zu reduzieren. Über eine entsprechende Studie berichtet die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenze“ auf ihrer Website. Demnach hatten Patienten, denen das Malaria-Präparat Asaq (Artesunat-Amodiaquin) verabreicht wurde, eine um 31 Prozent geringere Sterbewahrscheinlichkeit als Patienten, die ein anderes Malaria-Medikament erhielten.

Die Ergebnisse der Untersuchung werden in der aktuellen Ausgabe des „New England Journal of Medicine“ vorgestellt. Sie fußt auf Daten von 381 Patienten aus dem Behandlungszentrum in Foya im Norden Liberias aus dem Jahr 2014 – zu einer Zeit, als sich die Ebola-Epidemie in dem westafrikanischen Land auf dem Höhepunkt befand.

Wie sich Ebola verbreitet

Wann ist Ebola ansteckend?

Nur dann, wenn jemand bereits Symptome zeigt. Diese können allerdings unspezifisch sein. Die Krankheit kann mit Fieber, grippeähnlichen Schmerzen und Unterleibsschmerzen beginnen, später können Erbrechen und Durchfall folgen.

Wie breitet sich Ebola aus?

Durch Körperflüssigkeiten einer infizierten Person. Dazu zählen Blut, Schweiß, Erbrochenes, Urin, Kot, Speichel und Sperma. Diese Flüssigkeiten müssen bei einem anderen Menschen einen Eingangspunkt finden, sie können durch einen Schnitt oder Kratzer eindringen. Das Virus kann zudem weitergereicht werden, wenn jemand mit kontaminierten Händen die Nase, den Mund oder die Augen eines anderen berührt. Oder jemand wird mit den kontaminierten Flüssigkeiten angespritzt. Darum tragen Gesundheitsmitarbeiter Schutzhandschuhe und andere Schutzausrüstung.

Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, Blut, Stuhl und Erbrochenes seien die am stärksten ansteckenden Flüssigkeiten. In Speichel sei der Virus nur bei schwer erkrankten Menschen entdeckt worden, aus Schweiß sei er noch nicht entnommen worden.

Was passiert bei zufälligem Kontakt mit einem Infizierten?

Ebola wird nicht durch die Luft übertragen. Der Direktor der US-Seuchenbehörde (CDC), Tom Frieden, sagte, Menschen steckten sich nicht an, wenn sie beispielsweise nur in einem Bus neben einem Ebola-Patienten sitzen. „Es ist nicht wie bei der Grippe. Es ist nicht wie bei Masern, nicht wie bei der gewöhnlichen Erkältung. Es breitet sich nicht so aus“, sagte er.

Können Hunde das Virus übertragen?

Das weiß man noch nicht genau. Die Behörden schläferten den Hund der spanischen Krankenschwester ein, bei der Ebola diagnostiziert worden war. Es ist aber kein Fall dokumentiert, in dem jemals Ebola von einem Hund auf einen Menschen übertragen wurde. Aber es gibt eine Studie, nach der es möglich sein soll, dass Hunde Ebola bekommen können - ohne Symptome zu zeigen.

Wie wird vorgegangen, wenn ein Ebola-Verdacht besteht?

Die Krankenhäuser, die einen Verdachtsfall haben, informieren ihr Gesundheitsministerium oder die Seuchenbehörde. Dann wird eine Checkliste durchgegangen, um festzustellen, wie hoch das Risiko ist. So wird unter anderem gefragt, ob die Person von einem riskanten Kontakt mit einem bekannten Ebola-Patienten berichtet hat, wie krank sie ist und ob eine andere Diagnose wahrscheinlicher ist.

Auf die positive Wirkung von Asaq stießen die Mediziner durch Zufall. Die systematische Verabreichung von Malaria-Medikamenten ist Teil des Behandlungsprotokolls von „Ärzte ohne Grenzen“ für Ebola-Patienten. Da in dem Behandlungszentrum das übliche Medikament ausgegangen war, erhielten die Patienten zwei Wochen lang Asaq. Ansonsten wurde bei der klinischen Behandlung nichts geändert.

Asaq enthält den Bestandteil Amodiaquin, dessen Aktivität gegen das Ebola-Virus laut „Ärzte ohne Grenzen“ kürzlich bei In-vitro-Tests festgestellt wurde. Im Rahmen dieser Tests wurden verschiedene Medikamente, die bei anderen Krankheiten zum Einsatz kommen, auf ihre potentielle Wirkung auf das Ebola-Virus untersucht.

„Angesichts der besonderen Umstände dieser Studie müssen wir vorsichtig bleiben und können keine weitgehenden Schlüsse ziehen“, so Iza Ciglenecki, Koautorin der Studie. „Doch Asaq ist durchaus ein vielversprechender Ansatz auf dem Weg zu einer wirksamen Behandlung, der nun unbedingt näher erforscht werden muss.“

Ein anderer Ansatz gegen die gefährliche Infektionskrankheit hat sich dagegen als weitgehend unwirksam erwiesen: Die Behandlung von Ebola-Patienten mit dem Blut von Überlebenden verbessert die Heilungschancen offenbar kaum, wie Ärzte in einer großangelegten Studie in Guinea ermittelten.

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