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26.02.2015

11:41 Uhr

Ebola-Überlebende

Die schlimmen Spätfolgen des Todesvirus

Nur etwa 30 Prozent der Ebola-Patienten überleben die Krankheit. Sie gelten als immun gegen das Virus, doch viele klagen über Schmerzen und andere Spätfolgen der Krankheit. Folgen, die bislang noch kaum erforscht wurden.

Die Krankheit zu überleben, bedeutet nicht unbedingt das Ende der Leiden. ap

Ebola in Westafrika

Die Krankheit zu überleben, bedeutet nicht unbedingt das Ende der Leiden.

Monrovia/FreetownVictoria Gildor hat Ebola überlebt. Vom 6. Dezember bis zum 6. Januar wurde sie in Monrovia im westafrikanischen Liberia behandelt und dann als geheilt entlassen. Aber gesund fühlt sie sich nicht.

„Nach einer Woche begannen meine Füße anzuschwellen, und mir fielen die Haare aus“, sagt die 37-Jährige. „Auch habe ich starke Schmerzen in den Gelenken und in den Augen, so als hätte ich Sand darin.“ Gut habe sie sich eigentlich seit ihrer Ebola-Erkrankung nie gefühlt, auch Schmerzmittel brächten kaum Linderung.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Jetzt hofft sie, in einer neuen Klinik für Ebola-Überlebende Hilfe zu finden. Das Zentrum wurde im vergangenen Monat von der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) eröffnet. „Wir wollen versuchen, den Überlebenden hier physische und psychologische Hilfe zu bieten“, erklärt Leen Verhenne, die MSF-Nothilfekoordinatorin in Liberia.

Tatsächlich sind die Langzeitfolgen der Seuche bislang noch kaum erforscht. Ärzte und Forscher rätseln noch, was die schmerzhaften Symptome auslöst. „Etwa bei den Problemen mit den Augen könnte es sich um eine Uveitis handeln, also eine Entzündung, die zu Blindheit führen kann, wenn sie nicht sofort behandelt wird“, so Verhenne. „Aber wir wissen nicht, ob das von einer Immunreaktion des Körpers ausgelöst wird oder von einem Entzündungsprozess, der mit dem Ebola-Virus selbst in Zusammenhang steht.“

Seit Wochen ist ein Spezialteam der Organisation im Einsatz, das rund 250 Ebola-Überlebende beobachtet. Die Experten fanden heraus, dass sich viele weiterhin krank fühlen: Etwa 60 Prozent klagen über heftige Gelenkschmerzen, 50 Prozent berichten von andauernder Müdigkeit und Erschöpfung. Über 20 Prozent der Befragten haben Augenprobleme, 10 Prozent leiden sogar unter Hörverlust.

Hinzu kommen psychologische Spätfolgen: Ein Fünftel der Patienten zeigt Anzeichen eines Posttraumatischen Stress-Syndroms (PTSD), etwa die gleiche Zahl gilt als depressiv. Andere erzählen von Alpträumen und Gedächtnisverlust.

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