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02.07.2014

14:19 Uhr

Ebola-Virus

„Unwahrscheinlich, dass sich Touristen anstecken“

In Westafrika sind Hunderte Menschen dem Ebola-Fieber zum Opfer gefallen, die derzeitige Epidemie gilt als schwerste in der Geschichte. Doch wie groß ist die Gefahr, dass die Krankheit den Weg nach Europa findet?

Trotz des Einsatzes zahlreicher medizinischer Helfer ist die Lage in den von der Ebola-Epidemie betroffenen Gebieten sehr angespannt. Reuters

Trotz des Einsatzes zahlreicher medizinischer Helfer ist die Lage in den von der Ebola-Epidemie betroffenen Gebieten sehr angespannt.

BerlinEs ist der bislang schwerste Ebola-Ausbruch in der Geschichte: Etwa 400 Menschen in Westafrika sind dem tödlichen Virus in den letzten Monaten zum Opfer gefallen. Nach Einschätzung von Medizinern der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (Médecins sans frontières, MSF) ist die Lage in dem am schwersten betroffenen Land, Guinea, mittlerweile außer Kontrolle geraten.

Angesichts dessen fragen sich viele Menschen hierzulande, ob der tödliche Erreger nicht auch nach Deutschland eingeschleppt werden könnte. Doch Experten schätzen dieses Risiko gering ein.

„Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich Touristen anstecken“, sagt Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts. „Doch selbst für den Fall, dass jemand die Erkrankung einschleppt, ist Deutschland bestens ausgerüstet.“

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Eine Ansteckung sei nur möglich, wenn man mit Erkrankten, deren Körperflüssigkeiten oder Menschen, die an Ebola gestorben sind, in direkten Kontakt komme. „Solche Kontakte sind leicht zu vermeiden, denn während der Inkubationszeit, in der die Betroffenen noch keine Symptome zeigen, sind weder sie selbst noch ihre Ausscheidungen ansteckend“, so Schaade.

Darüber hinaus kann man sich durch den Verzehr erkrankter Wildtiere („Bushmeat“) anstecken. In den rund 40 Jahren, in denen der Ebola-Erreger in Afrika bekannt ist, wurde er jedoch kein einziges Mal nach Europa eingeschleppt. Nur ein Importfall des verwandten Marburg-Virus ist bekannt.

„Wir haben neun spezielle Behandlungszentren bundesweit verteilt, die sind jederzeit einsatzbereit“, ergänzt Schaade. Diese Sonderisolierstationen sind auf den Umgang mit gefährlichen Infektionskrankheiten spezialisiert. Dort geht es darum, die Weiterverbreitung zu stoppen und die Patienten zu stabilisieren.

„Es kommt immer wieder mal vor, dass dort bei Menschen ein Verdacht auf ein hämorrhagisches Fieber, wie Lassa- oder Ebolafieber, ausgeschlossen und stattdessen Malaria diagnostiziert wird“, sagt Schaade. Wichtig sei es jedoch, dass auch ein niedergelassener Arzt immer mitdenke, wenn ein Reisender aus den betroffenen Regionen mit Fieber oder unklaren Beschwerden zu ihm komme.

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