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23.08.2014

16:12 Uhr

Ebola-Virus

Zwei alarmierende Ebola-Fälle in Nigeria

Bislang waren die Behörden des Landes zuversichtlich, alle Kontaktpersonen des aus Liberia eingereisten ersten Ebola-Opfers isoliert zu haben. Der Tod der Lebensgefährten von zwei Pflegekräften stellt das in Frage.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

AbujaNigeria befürchtet eine Ausbreitung des Ebola-Virus über eine bislang kontrolliert geglaubte Gruppe von Patienten und Pflegekräften hinaus: Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Abuja starben die Lebensgefährten von einem Pfleger und einer Krankenschwester an der Krankheit. Diese hatten einen amerikanisch-libanesischen Patienten gepflegt, der vor seinem Tod im Juli elf Menschen angesteckt hatte. Auch die beiden Pflegekräfte erlagen dem Virus, sagte Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu am Freitag.

Die beiden Lebensgefährten waren vor zwei Tagen in eine Isolierstation gebracht worden, sagte Chukwu. Davor waren sie unter Beobachtung, das heißt es wurde täglich kontrolliert, ob sie Krankheitssymptome zeigen. Sie konnten sich in dieser Zeit frei bewegen. Die Behörden versuchten nun, alle Personen ausfindig zu machen, mit denen sie Kontakt hatten. Die Behörden waren zuvor zuversichtlich gewesen, das Ebola-Virus durch Isolierung aller Kontaktpersonen des aus Liberia und Togo eingereisten ersten Ebola-Opfers in Nigeria unter Kontrolle zu haben. Der Direktor der Gesundheitsbehörde in Lagos, Jide Idris, räumte allerdings später ein, dass der erste Patient nicht sofort in Quarantäne genommen worden sei.

Fiebermessung bei einem Mann am nigerianischen Flughafen in Abuja Reuters

Fiebermessung bei einem Mann am nigerianischen Flughafen in Abuja

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind dem Virus seit vergangenen Dezember 1427 Menschen erlegen. Mehr als 2615 hätten sich infiziert. Betroffen sind bisher vier westafrikanische Länder: Liberia, Sierra Leone, Guinea und Nigeria.

Die meisten Infektionen hat es laut WHO bisher in Sierra Leone mit 910 Infektionen gegeben. 329 Menschen dort seien an dem Virus gestorben. Das Parlament in Freetown verabschiedete am Freitag ein Gesetz, mit dem es zum Straftatbestand wird, wenn man einen Ebola-Patienten versteckt. Der Abgeordnete Ansumana Jaiah Kaikai sagte, dies sein nötig geworden, weil einige Familien es ablehnten, medizinische Behandlung für kranke Angehörige in Anspruch zu nehmen. Wer Ebola-Kranke versteckt, müsse künftig mit einer Gefängnisstrafe von bis zu zwei Jahren rechnen.

Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika will der Leiter der US-Behörde für Seuchenkontrolle CDC in die Region reisen. Er wolle sich aus erster Hand über den Verbreitungsweg der Viruserkrankung informieren, sagte ein Sprecher von Tom Frieden am Freitag. Demnach ist dessen Besuch in Liberia, Sierra Leone und Guinea für die kommende Woche geplant.

Die in der US-Metropole Atlanta ansässige CDC hat bereits fast 70 Forscher und medizinisches Personal in die drei besonders betroffenen Länder sowie Nigeria entsandt.

Die philippinische Regierung teilte am Samstag mit, sie ziehe aus Liberia seine 115 UB-Blauhelmsoldaten wegen der Ebola-Gefahr zurück.

Von

ap

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