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01.06.2011

12:23 Uhr

EHEC-Darmkeim

Wie behandelt man HUS?

VonLars Fischer
Quelle:Spektrum.de

Etwa einer von zehn mit EHEC infizierten Patienten entwickelt das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS). Gegen die schwere Komplikation gibt es noch kein Mittel - aber man kann die Symptome erfolgreich behandeln

Diese Aufnahme zeigt, wie fest sich die EHEC-Bakterien (rot) an die Darmzellen binden und diese so verändern, dass die Keime unterhalb regelrechte "Säulenstrukturen" ausbilden, die so genannten Pedestals (grün). Auf diesen können sich die Bakterien dann auch auf der Oberfläche der Zelle bewegen. Das von den EHEC produzierte Gift gerät zudem sehr direkt und schnell mit den Darmzellen in Kontakt und schädigt diese, was zu den massiven Durchfällen bei Erkrankten führt. Quelle: Helmholtz-Gemeinschaft

Diese Aufnahme zeigt, wie fest sich die EHEC-Bakterien (rot) an die Darmzellen binden und diese so verändern, dass die Keime unterhalb regelrechte "Säulenstrukturen" ausbilden, die so genannten Pedestals (grün). Auf diesen können sich die Bakterien dann auch auf der Oberfläche der Zelle bewegen. Das von den EHEC produzierte Gift gerät zudem sehr direkt und schnell mit den Darmzellen in Kontakt und schädigt diese, was zu den massiven Durchfällen bei Erkrankten führt.

HeidelbergSeit den frühen 1980er Jahren ist die Verbindung zwischen Shiga-Toxin-produzierenden Escherichia coli und dem Hämolytisch-Urämischen Syndrom bekannt. In etwas über der Hälfte dieser Fälle ist der Serotyp O157:H7 (O bezeichnet die Klasse der Lipopolysaccharide in der äußeren Zellmembran, H den Typ der Flagellen) für HUS verantwortlich. Den Rest machen andere Serotypen aus, zu denen auch der jetzt grassierende EHEC O104:H4 zählt.

Wenn sich eine Person mit EHEC infiziert hat, ist es je nach Serotyp unterschiedlich wahrscheinlich, dass sich daraus eine HUS entwickelt, im Fall des klassischen O157:H7 geschieht das in etwa 15 Prozent der Fälle. Laut entsprechender Studien ist die Wahrscheinlichkeit bei anderen Serotypen geringer, im Fall des EHEC O104:H4 wohl unter zehn Prozent.

Ob es sinnvoll ist, den Erreger EHEC mit Antibiotika zu bekämpfen, diskutieren Mediziner seit Jahren kontrovers. Das Bakterium selbst ist gegen eine ganze Reihe gängiger Antibiotika resistent, und Studien zeigten vor Jahren, dass nicht-tödliche Antibiotikadosen den Erreger stimulieren, mehr Shiga-Toxine abzugeben. Daten eines Ausbruchs in Japan 1996 legen nahe, dass Antibiotika HUS unter bestimmten Umständen verhindern können, neuere Untersuchungen aus den USA ergaben jedoch das Gegenteil. Dagegen gilt als belegt, dass Pharmazeutika gegen Durchfall, die die Darmbewegung einschränken, das Risiko von HUS deutlich erhöhen. Deswegen rät auch die neu erschienene Behandlungsleitlinie der DEGAM (PDF) dringend davon ab, bei EHEC-bedingtem Durchfall diese Medikamente (z.B. Loperamid) einzunehmen.

Bakterium: Wie man sich vor EHEC schützen kann

Bakterium

Wie man sich vor EHEC schützen kann

Das EHEC-Bakterium kann lebensgefährlich sein. Aber es ist auch leicht in Schach zu halten - durch Hygiene und Abkochen. Wie man sich gegen den aggressiven Keim schützen kann.

Das HUS selbst ist durch eine Triade von Symptomen gekennzeichnet, die mit geeigneten Maßnahmen separat bekämpft werden können. Das gravierndste Symptom von HUS ist das akute Nierenversagen, ausgelöst von den Shiga-Toxinen, die die Endothelzellen der Nierengefäße absterben lassen: Die Ausscheidung von Stoffen wie Wasser und Kreatinin geht drastisch zurück, und in zwei Dritteln aller Fälle müssen die Patienten zeitweilig an die Dialyse. Dabei fließt das Blut über eine halbdurchlässige Membran und gibt Wasser und niedermolekulare Substanzen ab. Mit diesem Verfahren lässt sich die ausgefallene Nierenfunktion vorübergehend ersetzen. Zusätzlich zur Dialyse reguliert man den Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt sowie den Blutdruck, die ebenfalls von der Niere kontrolliert werden. Seit effektive Dialyseverfahren weithin verfügbar sind, hat sich die Langzeitprognose für HUS-Patienten deutlich verbessert.

Fragen und Antworten zu Ehec

Was ist Ehec eigentlich?

Ehec bezeichnet einen Darmkeim, der normalerweise bei Tieren vorkommt. Er ist eine Sonderform der wichtigen Kolibakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und für die Abwehr von Krankheitserregern
sorgen. Das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium (Ehec) setzt jedoch beim Menschen gefährliche Giftstoffe frei, die lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können.

Welche Symptome bringt eine Ehec-Erkrankung mit sich?

Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und
Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich.

Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle?

Seit dem 10. Juni geht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sprossen die Ursache für den aktuellen Ausbruch sind. Die Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten wurde aufgehoben. Sprossen gelten als generell anfällig für Keime.  Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, so das RKI.

Wie kann ich mich vor Ehec-Erkrankungen schützen?

Gegen den Ehec-Keim gibt es keine Impfung, der beste Schutz ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem Robert Koch Institut zufolge das Risiko einer Ehec-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem, Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch als sicher anzusehen. Die Behörde mahnt besondere Hygiene im Umgang mit Fleisch an: Die Hände sollen vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und abgetrocknet werden. Rohes Fleisch soll getrennt von anderen Lebensmitteln gelagert und zubereitet werden, beim Grillen etwa empfiehlt das BfR verschiedene Bretter, Teller und Zangen zu verwenden. Auch diese Gegenstände sollen sofort nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Zudem rät das Institut Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Wer sich entscheidet, rohes Gemüse oder Obst zu verzehren, soll es schälen oder zumindest gründlich waschen, so die Behörde.

In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das?

HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein.

Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin?

Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen Ehec-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. Der aktuell grassierende Erreger ist gegen Antibiotika allerdings ohnehin resistent.

Wie tauschen die Länder Informationen aus?

Wenn riskante Lebensmittel in Europa im Umlauf sind, tauschen die EU-Länder über ein Schnellwarnsystem wichtige Informationen aus. Das gilt auch jetzt - bei den gefährlichen Ehec-Keimen. Über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel RASFF hat Deutschland die übrigen 26 EU-Länder vor den möglichen Ursachen der Infektionen offiziell gewarnt.

Bestehen unmittelbare Risiken für die menschliche Gesundheit, können nationale Behörden RASFF-Warnungen europaweit zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit zu informieren, Rückrufaktionen zu starten oder Importe an den Grenzen abzufangen. Betroffene Produkte werden meist vom Markt genommen. In Deutschland laufen die Hinweise beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein. Darin steht, um welche Produkte es geht, woher sie kommen und welche Maßnahmen im betroffenen Land ergriffen worden sind.

RASFF gibt es seit 1979. Nicht nur die EU-Staaten tauschen darüber Informationen aus. Auch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz machen mit. Darüber hinaus können Drittstaaten über eine Online-Plattform die Meldungen abrufen. 2009 gab es rund 8000 RASFF Meldungen, so viele wie nie zuvor. Bei 557 davon handelte es sich um ernstzunehmende Warnungen über Gefahrenprodukte, die schon auf dem Markt waren.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

01.06.2011, 15:51 Uhr

Mit sehr viel Kamillentee und Zwieback!

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