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10.06.2011

13:18 Uhr

Ehec

Die Sprosse soll der alleinige Übeltäter sein

Sprossen sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit die Ursache für die schwere Ehec-Epidemie in Deutschland. Vor rohen Gurken, Tomaten und Blattsalaten wird nicht mehr gewarnt.

Lebensmittelproben mit Sojasprossen liegen in Glaskolben, beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper in Krefeld, um auf EHEC untersucht zu werden. Laut Robert-Koch-Institut sind Sprossen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ursache für den EHEC-Ausbruch in Deutschland. Quelle: dpa

Lebensmittelproben mit Sojasprossen liegen in Glaskolben, beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper in Krefeld, um auf EHEC untersucht zu werden. Laut Robert-Koch-Institut sind Sprossen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ursache für den EHEC-Ausbruch in Deutschland.

BerlinDie grassierende Ehec-Epidemie ist höchstwahrscheinlich auf verseuchte Sprossen zurückzuführen. „Eine Nachweis des Erregers auf diesem Lebensmittel ist aber bisher noch nicht gelungen“, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, am Freitag in Berlin. Zugleich hoben die Behörden die verhängte Warnung vor dem Verzehr roher Tomaten, Gurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland auf.

Diese Gemüsesorten seien gesund und sollten wieder auf die Speiseteller zurückkehren, sagte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Andreas Hensel. Rohe Sprossen sollte aber weiter nicht gegessen werden. Bundesweit sind bisher 30 Menschen nach einer Infektion mit dem aggressiven Darmkeim gestorben.

Nach Worten des RKI-Präsidenten ist der derzeitige Ehec-Ausbruch noch nicht vorbei. „Die Zahl der Fälle sinkt, aber es gibt weiterhin neue Erkrankungen.“ Schließlich könne es mehr als eine Woche dauern, bis es nach der Infektion zu blutigem Durchfall komme. Wie die Erreger auf die Sprossen, die vom einem Bauernhof in Niedersachsen stammen, gekommen sind, sei nach wie vor unklar. Daher könne auch nicht gesagt werden, ob noch kontaminierte Sprossen im Umlauf seien.

Zu den sinkenden Zahlen an Neuerkrankungen sagte Burger: „Möglich wäre, dass die Infektionsquelle versiegt ist, das heißt, das Lebensmittel ist entweder aufgegessen oder es wurde in den Müll entsorgt.“ Denkbar sei aber auch, dass die Verzehrwarnungen gewirkt hätten oder die betroffenen Lebensmittel nur über einen begrenzten Zeitraum mit dem Bakterium in Kontakt gewesen seien, „also letztendlich ein Versiegen der ursprünglichen Infektionsquelle“. Deshalb sei weitere Aufklärung nötig.

„Den entscheidenden Aufschluss über die Quelle lieferte ein neues Verfahren, dass die RKI-Wissenschaftler eingesetzt haben“ - eine sogenannte rezeptbasierte Restaurant-Kohortenstudie, sagte der RKI-Präsident. „Mit diesem Verfahren war es möglich, auf epidemiologischem Wege die Ursache des Ausbruchs mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Verzehr von Sprossen einzugrenzen.“

Die RKI-Forscher hätten dabei insgesamt 112 Patienten und Kontrollpersonen befragt, von denen sich 19 bei einem gemeinschaftlichen Restaurantbesuch mit dem Darmkeim infiziert hätten. Zugleich schauten sich die Experten nach Burgers Worten Rezepte an und sprachen mit Köchen, um herauszufinden: Wie genau wurde welches Menü zubereitet, welche Mengen welcher Zutat waren darin enthalten? Auch Fotos der Befragten beim Essen wurden laut Burger ausgewertet, auf denen man noch die Teller der späteren Patienten sieht.

Das Ergebnis: Kunden, die Sprossen gegessen hatten, hätten ein fast neunfach höheres Risiko gehabt, an Ehec oder der schweren Verlaufsform HUS zu erkranken als andere Restaurantgäste. Diese Spur habe die Wissenschaftler zu dem inzwischen gesperrten Bauernhof in Niedersachsen geführt.

Fragen und Antworten zu Ehec

Was ist Ehec eigentlich?

Ehec bezeichnet einen Darmkeim, der normalerweise bei Tieren vorkommt. Er ist eine Sonderform der wichtigen Kolibakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und für die Abwehr von Krankheitserregern
sorgen. Das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium (Ehec) setzt jedoch beim Menschen gefährliche Giftstoffe frei, die lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können.

Welche Symptome bringt eine Ehec-Erkrankung mit sich?

Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und
Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich.

Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle?

Seit dem 10. Juni geht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sprossen die Ursache für den aktuellen Ausbruch sind. Die Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten wurde aufgehoben. Sprossen gelten als generell anfällig für Keime.  Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, so das RKI.

Wie kann ich mich vor Ehec-Erkrankungen schützen?

Gegen den Ehec-Keim gibt es keine Impfung, der beste Schutz ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem Robert Koch Institut zufolge das Risiko einer Ehec-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem, Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch als sicher anzusehen. Die Behörde mahnt besondere Hygiene im Umgang mit Fleisch an: Die Hände sollen vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und abgetrocknet werden. Rohes Fleisch soll getrennt von anderen Lebensmitteln gelagert und zubereitet werden, beim Grillen etwa empfiehlt das BfR verschiedene Bretter, Teller und Zangen zu verwenden. Auch diese Gegenstände sollen sofort nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Zudem rät das Institut Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Wer sich entscheidet, rohes Gemüse oder Obst zu verzehren, soll es schälen oder zumindest gründlich waschen, so die Behörde.

In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das?

HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein.

Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin?

Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen Ehec-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. Der aktuell grassierende Erreger ist gegen Antibiotika allerdings ohnehin resistent.

Wie tauschen die Länder Informationen aus?

Wenn riskante Lebensmittel in Europa im Umlauf sind, tauschen die EU-Länder über ein Schnellwarnsystem wichtige Informationen aus. Das gilt auch jetzt - bei den gefährlichen Ehec-Keimen. Über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel RASFF hat Deutschland die übrigen 26 EU-Länder vor den möglichen Ursachen der Infektionen offiziell gewarnt.

Bestehen unmittelbare Risiken für die menschliche Gesundheit, können nationale Behörden RASFF-Warnungen europaweit zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit zu informieren, Rückrufaktionen zu starten oder Importe an den Grenzen abzufangen. Betroffene Produkte werden meist vom Markt genommen. In Deutschland laufen die Hinweise beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein. Darin steht, um welche Produkte es geht, woher sie kommen und welche Maßnahmen im betroffenen Land ergriffen worden sind.

RASFF gibt es seit 1979. Nicht nur die EU-Staaten tauschen darüber Informationen aus. Auch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz machen mit. Darüber hinaus können Drittstaaten über eine Online-Plattform die Meldungen abrufen. 2009 gab es rund 8000 RASFF Meldungen, so viele wie nie zuvor. Bei 557 davon handelte es sich um ernstzunehmende Warnungen über Gefahrenprodukte, die schon auf dem Markt waren.

Von

dpa

Kommentare (13)

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EGAL

10.06.2011, 10:34 Uhr

Selbst wenn ich mich damit infiziert haben sollte, hat EHEC keine Chance. Mein Ego ist groß genug um mit dem mickrigen Bakterium fertig zu werden.

btw

10.06.2011, 10:40 Uhr

Merkels Wille geschehe, Sprosse hui, Gurke pfui,
Das Handelsblatt geht in neuem Gewand wie es aussieht.

wolf

10.06.2011, 11:16 Uhr

Woher stammt dieses Wissen oder ist es mal wieder einer dieser dummen, geistlosen Vermutungen?

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