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04.10.2011

15:26 Uhr

Ehrung

Physik-Nobelpreis für Supernova-Forscher

VonHelmut Steuer, Thomas Trösch

Der Physik-Nobelpreis geht in diesem Jahr an die Astronomen Saul Perlmutter, Adam G. Riess sowie Brian P. Schmidt für ihre Untersuchung von Sternexplosionen, sogenannter Supernovae.

Nobelpreis für Supernova-Forscher

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Stockholm/DüsseldorfDer Physik-Nobelpreis geht in diesem Jahr an die Astronomen Saul Perlmutter und Adam G. Riess (beide USA) sowie Brian P. Schmidt (USA und Australien). Mit der Auszeichnung werde ihre Arbeit „für die Entdeckung der beschleunigten Ausdehnung des Universums durch die Beobachtung entfernter Supernovae“ gewürdigt, teilte das Nobelpreiskomitee am Dienstag in Stockholm mit. Perlmutter erhält eine Hälfte des Preises, seine Kollegen teilen sich die andere Hälfte der mit knapp 1,1 Millionen Euro dotierten Auszeichnung.

Die drei Forscher haben entdeckt, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt. Bislang war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass sich das Universum wegen der Gravitationskräfte mit der Zeit immer weniger ausdehnen wird. Allerdings können auch die drei jetzt Ausgezeichneten keine Antwort darauf geben, warum sich die Ausdehnung beschleunigt.

Der 52jährige Amerikaner Perlmutter forscht an der University of California und am Lawrence Berkeley National Laboratory. Schmidt (44) ist an Australian National University tätig. Er hat einen australischen und amerikanischen Pass. Riess (42) stammt aus den USA und arbeitet an der John Hopkins University und dem Space Telescope Science Institute in Baltimore. Die drei diesjährigen Physik-Nobelpreisträger haben bei ihren Forschungsarbeiten nicht zusammengearbeitet.

Dennoch freute sich Perlmutter über die Auszeichnung des konkurrierenden Teams. „Ja, ich finde es richtig gut, dass meine Kollegen auch geehrt wurden“, sagte er im Schwedischen Rundfunk. Stockholm kenne er bereits. „Allerdings war ich immer nur im Sommer dort. Deshalb wird es interessant, die Stadt auch einmal in der dunklen Jahreszeit im Dezember zu sehen“.

Perlmutter zeigte sich erfreut darüber, dass das Nobel-Komitee relativ schnell nach der Entdeckung der immer schnelleren Ausdehnung des Universums bereits die Arbeiten mit dem Nobelpreis auszeichnet. „Das ging richtig schnell“, sagte er. Tatsächlich begann Perlmutter seine Observationen 1988. Die ersten sensationallen Erkenntnisse wurden zehn Jahre später präsentiert.

 Perlmutter erklärte die Entdeckung sei schrittweise erfolgt. Sein Team habe die Daten immer wieder überprüft, weil sie gedacht hätten, dass sie falsch seien. „Aber nach Monaten glaubst du es endlich“, sagte Perlmutter. „Es war dann schon keine Überraschung mehr. Das ist das längste Aha-Erlebnis, das man haben kann.“

Die Physik-Nobelpreisträger seit 2001

2010

Der Niederländer Andre Geim und der britisch-russische Physiker Konstantin Novoselov für ihre Arbeiten zu dem "Wundermaterial" Graphen. Das einlagige Gitter aus Kohlenstoffatomen leitet hervorragend Hitze und Strom.

2009

Charles Kao (China), Willard Boyle und George Smith (beide USA) für die schnelle Datenübertragung durch Glasfasern sowie für den lichtempfindlichen CCD-Chip.

2008

Yoichiro Nambu (USA), Makoto Kobayashi (Japan) und Toshihide Maskawa (Japan) für die Entdeckung und Erklärung sogenannter Symmetriebrechungen in der Teilchenphysik, die das Verständnis der Natur entscheidend verbessert haben.

2007

Peter Grünberg (Deutschland) und Albert Fert (Frankreich) für die Entdeckung des „Riesenmagnetowiderstands“, durch den sich die Speicherkapazität von Computer-Festplatten drastisch erhöhen ließ.

2006

John C. Mather und George F. Smoot (beide USA) für die Entdeckung der Saat der Galaxien in der kosmischen Hintergrundstrahlung, dem „Echo des Urknalls“.

2005

Roy J. Glauber (USA) für Grundlagen der Quantenoptik sowie John L. Hall (USA) und Theodor W. Hänsch (Deutschland) für die Entwicklung einer laserbasierten Präzisionsmesstechnik für Lichtfrequenzen.

2004

David J. Gross, H. David Politzer und Frank Wilczek (alle USA) für Erkenntnisse zur Kraft zwischen den kleinsten Materieteilchen im Atomkern, den Quarks.

2003

Alexej Abrikosow (USA und Russland), Vitali Ginsburg (Russland) Anthony Leggett (USA und Großbritannien) für bahnbrechende Arbeiten zu Supraleitern und Supraflüssigkeiten.

2002

Raymond Davis (USA), Masatoshi Koshiba (Japan) und Riccardo Giacconi (USA) für die Entdeckung kosmischer Röntgenstrahlen und Neutrinos.

2001

Wolfgang Ketterle (Deutschland), Eric A. Cornell (USA) und Carl E. Wieman (USA) für die Erschaffung des Bose-Einstein- Kondensats, der fünften Erscheinungsform der Materie neben fest, flüssig, gasförmig und dem Plasma.

„Ich war schon misstrauisch, als ich die schwedische Stimme hörte“, sagte Schmidt der Nachrichtenagentur AP. „Meine Knie wurden schwach und ich musste erst einmal etwas umher gehen und meine Sinne sortieren.“ Schmidt saß gerade mit seiner Familie beim Essen in Canberra in Australien.

Die Preisträger hätten „ein Universum enthüllt, dass der Forschung in großem Ausmaß noch unbekannt ist“, erklärte das Nobelkomitee. „Alles ist wieder möglich.“ Es wird vermutet, dass die Ausdehnung des Universums durch die sogenannte Dunkle Energie vorangetrieben wird. Was genau diese Dunkle Energie ist, ist unklar. Sie macht aber ungefähr drei Viertel der Energie des Universums aus.

Deutsche Wissenschaftler begrüßten die Vergabe des Physik-Nobelpreises an drei Supernova-Forscher. „Das ist ein großer Tag für die Astrophysik“, sagte Lutz Wisotzki von der Universität Potsdam bei einer Veranstaltung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) in Berlin. Forscher aus diesem Gebiet erhielten den Preis nicht häufig. Der Astrophysiker Christian Spiering wertete die Leistung der drei ausgezeichneten Wissenschaftler als bedeutenden Schritt zur „Neumöblierung des Universums“.

Kommentare (1)

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NannOmann

04.10.2011, 14:55 Uhr

>>>Die drei Forscher haben entdeckt, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt.<<<

Dat weiß ich schon lange.
Früher konnte ich mehrmals im Jahr nach Dänemark reisen.
Seit Hartz4 is mir Cuxhaven schon zu weit.

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