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24.01.2006

10:07 Uhr

Eine Zelltherapie hilft schwer kranken Organen.

Wie die Leber überlebt

VonHans Schürmann

Etwa 300 Menschen sterben jährlich in Deutschland, weil es für sie keine neue Leber gibt. Einen Ausweg aus dem Dilemma könnte eine Therapie mit Leberzellen bieten. Im besten Fall wird eine Transplantation überflüssig.

Wie die Leber entlastet wird, sehen Sie nach einem Klick auf das Pluszeichen

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DÜSSELDORF. Bei akutem Leberversagen hilft oft nur eine Organtransplantation. Doch Ersatzorgane für Patienten mit schweren Lebererkrankungen sind knapp. Etwa 300 Menschen sterben jährlich in Deutschland, weil es für sie keine neue Leber gibt. Einen Ausweg aus dem Dilemma könnte eine Therapie mit Leberzellen bieten: Mediziner spritzen lebende Organzellen über einen Katheter in den Blutstrom zur Leber. Die Zellen werden zu dem kranken Organ transportiert, lagern sich dort ein und übernehmen übergangsweise die lebensnotwendigen Funktionen: Die gespritzten Zellen bauen toxische Stoffwechselprodukte ab, bilden Eiweiße und Gerinnungsfaktoren.

Eine solche Zelltherapie für schwere Lebererkrankungen hat ein Ärzteteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zusammen dem Weinheimer Biotech-Unternehmen Cytonet entwickelt. „Wenn eine geschädigte Leber nur ausreichend Zeit hat, kann sie sich vollständig regenerieren“, sagt Michael Manns, Direktor der Abteilung Hepatologie an der MHH. Die eingeschleusten Zellen unterstützen das kranke Organ. Im günstigsten Fall erholt sich das geschädigte Gewebe so weit, dass eine Transplantation überflüssig wird.

Sobald die Leber des Patienten wieder selbstständig funktioniert, werden die fremden Leberzellen nicht mehr benötigt. Imunhemmende Medikamente, die eine Abwehrreaktion des Körpers gegen die Hilfszellen verhindern, werden abgesetzt, und der Organismus zerstört die Helferzellen in der Leber.

Erste klinische Tests stimmen die Mediziner zuversichtlich. „Wenn auch nicht immer auf ein Ersatzorgan verzichtet werden kann, die Zelltherapie verbessert zumindest die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transplantation der Leber erheblich“, fasst Michael Ott – Manns Kollege an der MHH –, die Ergebnisse der ersten zwölf klinischen Untersuchungen zusammen.

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