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29.01.2016

11:09 Uhr

Einschätzung von Virologen

Zika-Virus keine Bedrohung für Deutschland

Das massenhafte Auftreten von Zika-Viren auf dem amerikanischen Kontinent schürt die Sorge, ob der Erreger auch in Deutschland heimisch werden könnte. Die Gesellschaft für Virologie gibt jetzt Entwarnung.

Die Überträgerin der Zika-Viren ist in Deutschland nicht heimisch. dpa

Mücke Aedes aegypti

Die Überträgerin der Zika-Viren ist in Deutschland nicht heimisch.

Bonn/UlmDie Gesellschaft für Virologie sieht keine Gefahr für Deutschland aufgrund des in Lateinamerika aufgetretenen Zika-Virus. „Es gibt derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass es zukünftig zu einer Übertragung von Zika-Viren über angesiedelte Moskitos in Deutschland kommen wird“, erklärte Christian Drosten in einer Mitteilung der Gesellschaft vom Donnerstag.

Drosten leitet an der Universitätsklinik in Bonn das Institut für Virologie. Seinen Angaben zufolge nutzen Dengue- und Zika-Viren denselben Überträger, um sich weiter zu verbreiten. Es ist die Mückenart Aedes aegypti. Sie komme in Deutschland gar nicht vor. Und die verwandte Art Aedes albopictus nur äußerst selten.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Drosten erklärte weiter: „Wären die Bedingungen in Deutschland ganzjährig gegeben, wäre Deutschland längst ein Verbreitungsgebiet des Dengue-Fiebers, das sich seit Jahren sehr viel stärker ausbreitet als das Zika-Virus.“

Zika-Viren wurden erstmals 1947 erstmals bei einem Affen aus Uganda festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und dann stärker 2013 in Französisch-Polynesien. Aber erst seit 2015 gibt es einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm. Die Viren stehen im Verdacht, Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen zu verursachen, wenn sich werdende Mütter infizieren.

Die WHO schätzt, dass es in Nord- und Südamerika im Laufe des nächsten Jahres drei bis vier Millionen Zika-Fälle geben könnte. In Brasilien hat sich der Ausbruch bislang auf den armen Nordosten des südamerikanischen Landes konzentriert. Am zweitstärksten betroffen ist aber der wohlhabende Südosten mit den Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro. In Rio sollen im August die Olympischen Sommerspiele stattfinden.

In Deutschland wurde das Zika-Virus laut Robert Koch-Institut (RKI) beim aktuellen Ausbruch erstmals bei zwei Reiserückkehrern aus Haiti diagnostiziert. In der Vergangenheit war es vereinzelt schon aus anderen Regionen eingeschleppt worden.

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