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07.02.2014

12:18 Uhr

Eismumie Ötzi

Ein Mord als Glücksfall für die Forschung

Er war im Hochgebirge unterwegs, als ihn der Pfeil seines Mörders in den Rücken traf. Der „Eismann“ Ötzi starb vor 5000 Jahren – bis heute versuchen Forscher, die letzten Stunden seines Lebens zu rekonstruieren.

Vor 5000 Jahren wurde "Ötzi" ermordet. Sein konservierter Leichnam und seine Ausrüstung verraten Forschern viel über das Leben vor 5000 Jahren. dpa

Vor 5000 Jahren wurde "Ötzi" ermordet. Sein konservierter Leichnam und seine Ausrüstung verraten Forschern viel über das Leben vor 5000 Jahren.

MünchenEr war auf der Flucht. Tagelang lief er kreuz und quer durch die Berge, ehe er in den Ötztaler Alpen von hinten von einem Pfeil getroffen wurde und binnen Minuten verblutete. Ötzi, der „Mann aus dem Eis“, lebte vor rund 5000 Jahren und ist so gut untersucht wie kaum ein Mordopfer der Neuzeit.

Trotzdem gibt er bis heute Rätsel auf. Über 20 Jahre nach seiner Entdeckung am Tisenjoch hoffen Wissenschaftler auf neue Erkenntnisse über sein Leben – und damit über das Leben der Menschen seiner Zeit. Derzeit werden Blutspuren an seinem in feiner Handarbeit genähten Fellmantel untersucht – und sein Mageninhalt.

2010 war Ötzi kurzzeitig aufgetaut worden; 60 Wissenschaftler arbeiteten im Akkord an der Mumie. Sie fanden unter anderem einen Fettklumpen im Magen.

„Es gibt eine Idee, dass es Käse sein könnte“, sagte die Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums Bozen, Angelika Fleckinger, am Donnerstag vor der Eröffnung der Ausstellung „Ötzi 2.0“ in der Archäologischen Staatssammlung München. Sollte sich das bewahrheiten, wäre das eine kleine Sensation: „Das wäre der älteste Käse in der Menschheitsgeschichte.“

Weiteren Aufschluss über seinen Tod könnten Blutspuren an seinem Mantel ergeben. Sollte fremdes menschliches Blut dabei sein, könnte das bedeuten, dass es einen Kampf gab. Ergebnisse werden im Laufe dieses Jahres erwartet.

Ötzi wurde am 19. September 1991 auf 3210 Metern Höhe im Eis entdeckt. „Er reißt ein Fenster in die Vergangenheit auf“, sagte der Direktor der Münchner Staatssammlung, Rupert Gebhard. Anders als ägyptische Mumien, die ohne Organe und mit Chemikalien mumifiziert wurden, konservierte der Gletscher Ötzi vollständig – und konservierte damit wichtige Indizien für die Forschung.

Ötzi war 1,60 groß, wog 50 Kilogramm und hatte längere Zeit zuvor Steinbock, Getreide und Gemüse gegessen. Er litt an Rückenschmerzen, Gelenkarthrose, verkalkten Blutgefäßen, Karies und Parodontose. Tätowierungen am Rücken und Sprunggelenk waren kein Schmuck, sondern Folge von Behandlungen seiner Verschleißerkrankungen: Die Haut sei geritzt und mit Holzkohle und Kräutern eingerieben worden, um den Schmerz zu lindern, sagte Fleckinger. „Das sind spannende Belege für das medizinische Know-How, das die Menschen damals hatten.“

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