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12.11.2013

10:48 Uhr

Elektronische Prothese

Ein Helferlein für das Gehör

Mit einer elektronischen Prothese können viele Taube und Schwerhörige wieder hören. Die Cochlea-Implantate können ihr Leben radikal verbessern. Rund 70 Kliniken in Deutschland bieten den Eingriff und die Nachsorge an.

Cochlea-Implantate bei einem Kind: 33.000 Deutsche leben mittlerweile mit der Hörhilfe. dpa

Cochlea-Implantate bei einem Kind: 33.000 Deutsche leben mittlerweile mit der Hörhilfe.

Trier/MainzDieter Schmitz hat acht Hörstürze gehabt. Nach jedem hörte er schlechter. Dann kam auch noch ein ständiger Pfeifton dazu. 15 Jahre lang trug er Hörgeräte, am Ende ging fast gar nichts mehr. „Sogar mit den Geräten hörte ich auf einem Ohr nur noch 20 Prozent, auf dem anderen noch 30 Prozent“, sagt der Trierer. Die Folge: Er zog sich gesellschaftlich immer weiter zurück: „Das war schon sehr belastend. Ich war oft mit mir sehr allein.“

Doch dann hat sich der ehemalige Banker in diesem Jahr eine elektronische Hörprothese, ein sogenanntes Cochlea-Implantat (CI), einsetzen lassen. Dabei wird hinter der Ohrmuschel ein Elektrodenträger in das Innenohr eingesetzt. Über ein kleines Mikrofon am Ohr werden die Töne und Laute über ein Kabel von außen zum Elektrodenträger geleitet - und der Hörnerv elektrisch stimuliert. Das Gehirn erkennt dann den Schall.

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„Als ich das erste Mal das Implantat mit dem Mikro verbunden habe, habe ich vor Freude geweint“, erzählt Schmitz nach seiner Operation im CI-Zentrum des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier. „Ich habe von der ersten Sekunde an wieder gehört.“ Seine eigene Stimme klinge zwar ein wenig metallisch-blechern: „Als ob ich durch ein Stahlrohr spreche, aber das ist nicht wichtig. Hauptsache ich höre“, sagt der 66-Jährige.

Für hochgradig Schwerhörige, Gehörlose oder Ertaubte könne ein Hörimplantat eine Rettung sein, sagt Oberarzt Titus Kaldenbach, der am Klinikum Mutterhaus das CI-Zentrum leitet. Unter der Voraussetzung: Der Hörnerv ist vorhanden. „Bei 98 Prozent ist das der Fall“, sagt der gebürtige Aachener, der das Zentrum 2006 gegründet hat. Allerdings müssen die Patienten mit dem Hörimplantat häufig erst wieder hören lernen. „Vor allem, wenn sie lange nicht gehört haben, müssen sie sich erst wieder erinnern.“

Kommentare (1)

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13.11.2013, 14:49 Uhr

Jede Medaille hat zwei Seiten. Gibt es bei Cochlea-Implantate außer den zahlreichen und häufig wiederkehrenden Erfolgsmeldungen auch negative Erfahrungen?

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