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22.12.2015

07:43 Uhr

Elon Musk mit SpaceX erfolgreich

„Willkommen zurück, Baby!“

Sechs Monate nach der der Explosion einer Trägerrakete schreibt Elon Musk mit seinem Unternehmen SpaceX Geschichte: Seine Falcon 9 kehrt im aufrechten Zustand und intakt zur Erde zurück. Musk hat aber noch größere Ziele.

Raumfahrt-Revolution

SpaceX veröffentlicht Bilder von historischer Raketen-Rückkehr

Raumfahrt-Revolution: SpaceX veröffentlicht Bilder von historischer Raketen-Rückkehr

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Cape CanaveralDas private US-Raumfahrtunternehmen SpaceX hat ein halbes Jahr nach einem missglückten Start eine „Falcon 9“-Rakete mit elf kleinen Satelliten in die Erdumlaufbahn geschossen. In einem noch erstaunlicheren Manöver landete die 15 Stockwerke hohe Hilfsrakete, ein sogenannter Booster, am Montagabend (Ortszeit) im Anschluss wieder sicher in Cape Canaveral – ein Schritt, mit dem Firmenchef Elon Musk die Raumfahrt verändern will.

Es war das erste Mal, dass eine Rakete in Cape Canaveral im US-Staat Florida wieder senkrecht am Boden ankam. Musk, ein Milliardär, der auch den Elektroautobauer Tesla leitet, hofft, mit der Wiederverwertung der Hilfsraketen die Kosten bei Raumfahrtmanövern reduzieren zu können. „Willkommen zurück, Baby!“, schrieb der SpaceX-Chef auf Twitter.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

„Es war ein revolutionärer Moment“, sagte Musk später vor Reportern. „Niemand hat jemals einen Booster, einen Booster der Orbitalklasse, intakt zurückgebracht.“ Außerordentlich sei, dass es sich nicht bloß um einen Übungsflug, sondern einen nützlichen Einsatz gehandelt habe, bei dem das Manöver geglückt sei. „Wir haben die Rückgewinnung der Rakete bei einer Mission erreicht, die tatsächlich elf Satelliten eingesetzt hat.“

Angestellte brachen in Jubel aus, als die Hilfsrakete neun Minuten nach dem Start wieder landete, viele sprangen vor Freude auf und ab. Vertreter des Unternehmens sprachen von Geschichte, die mit dem Manöver geschrieben worden sei. Drei vorherige Versuche einer solchen Landung, die auf Ozean-Plattformen glücken sollten, waren gescheitert.

Auch im Hauptsitz von SpaceX im kalifornischen Hawthorne kamen Mitarbeiter zusammen, um Zeuge des Einsatzes zu werden. Das Unternehmen hofft nun, Flüge für die Nasa im Februar wieder aufzunehmen. Musk sagte, die Landung sei offenbar nahezu perfekt gewesen. „Ich kann es kaum glauben.“

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Blue Origin, ein weiteres Raumfahrtunternehmen eines Milliardärs, des Amazon-Gründers Jeff Bezos, hatte einen Booster vergangenen Monat im Westen von Texas landen können. Die Rakete war allerdings nur bei einem Suborbitalflug eingesetzt worden. Die SpaceX-Hilfsrakete war kräftiger und schneller unterwegs, um die Satelliten der Technologie- und Kommunikationsfirma Orbcomm in den Orbit bringen zu können. Obwohl das primäre Ziel die Entsendung der Satelliten war, war auch Orbcomm-Chef Marc Eisenberg von der Landung der Hilfsrakete angetan. „Da kommt sie zurück“, schrieb er auf Twitter. „Voll ins Schwarze.“

Musks ultimatives Ziel sind bemannte Missionen zum Mars. „Das war ein entscheidender Schritt auf dem Weg, eine Stadt auf dem Mars aufbauen zu können“, sagte er. „Das ist es, worum es geht.“

Von

ap

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