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28.09.2016

03:43 Uhr

Elon Musk und SpaceX

Eine Million Menschen auf dem Mars

VonThomas Jahn

Elon Musk hat erstmals Details für die geplante Mars-Expedition genannt. In bis zu zehn Jahren soll die erste Rakete starten. Pro Trip könnten bis zu 200 Passagiere reisen, der Flug weniger als 100.000 Dollar kosten.

SpaceX

Aufbruch zum Mars: Wir werden eine multiplanetare Spezies

SpaceX: Aufbruch zum Mars: Wir werden eine multiplanetare Spezies

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New YorkElon Musk sieht mit seinem neuen schmalen Oberlippenbart ein bisschen aus wie Errol Flynn. Aber Musk ist eher Ingenieur als Schauspieler: Mit seinem gewohnten Stottern verkündete der SpaceX-Gründer am Dienstag seine neusten Weltraumpläne.

In bis zu zehn Jahren könnte das erste Raumschiff starten. Musk schwebt in ferner Zukunft eine Flotte von tausenden gigantischen Raumschiffen vor. Laut des Unternehmers wird die Reise mindestens 80 Tage dauern. Doch in „nicht allzu ferner Zukunft“ soll die Reisezeit auf 30 Tage schrumpfen. In 40 bis 100 Jahren haben sich Musk zufolge eine Million Menschen auf dem Mars angesiedelt. „Der Traum ist real“, sagte der Visionär, der sein Milliardenvermögen, das er unter anderem mit dem Elektroautobauer Tesla und dem Bezahldienst Paypal gemacht hat, dafür einsetzt, „um ihn zu ermöglichen“.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Musk sprach auf dem International Astronautical Congress (IAC), einer jährlichen Fachmesse, die seit 1950 immer in einem anderen Land stattfindet. Dieses Jahr treffen sich Wissenschaftler, Astronauten, Unternehmer, Juristen und Politiker mehrere Tage in Mexiko, um über alle erdenklichen Aspekte der Besiedlung des Weltraums zu diskutieren. Seminare tragen Titel wie „Das Saturn-System als natürliches Labor für die Biologieentstehung“ oder „Mars Basislager“.

Der Titel der Ansprache von Musk sagte bereits alles: „Verwandlung der Menschheit in eine multiplanetare Spezies“. Schon in wenigen Jahren will er Raumschiffe mit 100 bis 200 Passagieren zum Mars schicken, die pro Fahrt weniger als 200.000 Dollar zahlen. „Der Preis könnte gar unter 100.000 Dollar fallen“, sagte Musk.

Möglich werden soll das mit Kosteneinsparungen in verschiedenen Bereichen. Musk will etwa wiederverwendbare Startraketen einsetzen und die Raumschiffe im Weltall auftanken. Für die Rückreise soll der Treibstoff auf dem Mars hergestellt werden, laut Musk eignet sich der Planet für Methan.

Vor wenigen Tagen nahm das von Musk gegründete Raumfahrtunternehmen SpaceX erstmals das Raptor-Raketentriebwerk auf einer Teststation in Betrieb. Das entwickelte eine Schubkraft von drei Meganewton, rund dreimal so viel wie die bisherigen Triebwerke der Falcon-Raketen von SpaceX.

Ganze neun Raport-Antriebe sollen den „Mars Colonial Transporter“ (MCT) anfeuern, der in nicht allzu ferner Zukunft Astronauten und Ladung im Gesamtgewicht von bis zu 100 Tonnen zum Mars fliegen soll. Mit den Raketen könne der MCT „deutlich weiter als bis zum Mars“ fliegen, schrieb Musk schon vor zwei Wochen.

Kommentare (10)

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Herr Wolfgang Wüst

28.09.2016, 08:30 Uhr

Science Fiction mit Vorankündigung.
Wo läge der Sinn für die Volkswirtschaft?
Wo läge der Sinn für dieses Himmelfahrtskommando für die einzelnen Teilnehmer?

Die genannten Zahlen halte ich nicht für seriös.

Herr richard roehl

28.09.2016, 09:01 Uhr

Bei den Entdeckern des 15-19.Jhds ging es noch um Reichtum und Resourcen, durchaus rational, bei denen Anfang des 20.Jhds um Sportsgeist und nationales Ego, schon weniger rational. Und worum geht es jetzt? Ein weiterer Beweis für die fortschreitende soziale und intelektuelle Degeneration des Menschen

Account gelöscht!

28.09.2016, 09:05 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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