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23.03.2011

09:25 Uhr

Entgiftung

Ein Medikament gegen Cäsium

VonHartmut Wewetzer
Quelle:Tagesspiegel

Eine Berliner Firma stellt die Farbe „Preußischblau“ her. Als Medikament wirkt die Substanz gegen radioaktives Cäsium im Körper – und wird wegen der Reaktorhavarie in Japan zurzeit stark nachgefragt.

Das Medikament Radiogardase schwemmt Thallium und Caesium aus dem Körper und wird wegen der Reaktorhavarie in Fukushima derzeit stark nachgefragt. Quelle: dapd

Das Medikament Radiogardase schwemmt Thallium und Caesium aus dem Körper und wird wegen der Reaktorhavarie in Fukushima derzeit stark nachgefragt.

BerlinEs war ein Blau von tiefer, dunkler Intensität, das der Berliner Farbenhersteller Johann Jacob Diesbach 1706 zusammengemischt hatte. Ein Blau wie ein Gewitterhimmel. Als „Berliner Blau“ wurde es vermarktet, doch fast noch bekannter ist die Bezeichnung „Preußischblau“. Schließlich waren die preußischen Uniformen mit dem künstlichen Farbstoff getränkt.

Preußen ist längst Geschichte, aber seine Farbe besteht fort – und hat als Medikament eine zweite Karriere gemacht. Der Wirkstoff schwemmt Thallium und Caesium aus dem Körper und wird nun wegen der Reaktorhavarie in Fukushima stark nachgefragt. Denn bei einem Reaktorunfall wird neben radioaktivem Jod vor allem Cäsium freigesetzt.

„Bei uns melden sich Japaner ebenso wie Leute aus anderen asiatischen Ländern“, berichtet Johann Ruprecht, Leiter des wissenschaftlichen Abteilung beim Berliner Hersteller Heyl. „Auch deutsche Apotheken erkundigen sich, weil etwa Mitarbeiter einer Firma nach Japan fliegen und diese sicherheitshalber das Medikament mitnehmen wollen.“ Für einen vorsorglichen Kauf in Deutschland gibt es dagegen im Moment keinen Grund.

Das Familienunternehmen Heyl hat sich auf Spezialpräparate für einen vermeintlich kleinen Nischenmarkt spezialisiert. Es verkauft Arzneimittel, die Giftstoffe aus dem Körper entfernen, darunter „normales“ Quecksilber und Blei, aber auch radioaktive Stoffe wie Cäsium-137 und Plutonium-239. Für Preußischblau, das Heyl unter dem Namen „Radiogardase“ vermarktet, hat die Firma seit Oktober 2010 neben der deutschen und amerikanischen auch eine japanische Zulassung.

Heyl hat in der Berliner Zentrale etwa ein Dutzend Mitarbeiter, ein Tochterunternehmen in Thüringen beschäftigt 100 Angestellte, das Unternehmen hat einen Jahresumsatz von 20 Millionen Euro. Preußischblau, eine Verbindung aus Eisen, Kohlenstoff und Stickstoff, ist rezeptpflichtig, 30 Kapseln kosten 46 Euro.

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