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26.10.2014

21:50 Uhr

Epidemie

Ebola-Quarantäne-Maßnahmen in USA stoßen auf Kritik

Drei US-Bundesstaaten verschärfen ihre Quarantäne-Regeln für Helfer, die aus den betroffenen Ländern zurückkommen. Diese Maßnahmen stoßen auf viel Kritik. Selbst Regierungsvertreter sollen zur Aufhebung drängen.

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo verkündet am 24. Oktober die Einführung einer 21-tägigen Zwangsquarantäne für Ärzte und Helfer, die aus Ebola-Gebieten in Westafrika kommen. ap

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo verkündet am 24. Oktober die Einführung einer 21-tägigen Zwangsquarantäne für Ärzte und Helfer, die aus Ebola-Gebieten in Westafrika kommen.

Washington/Genf/BamakoDie wegen Ebola in drei US-Bundesstaaten erlassenen neuen Quarantäne-Regeln stoßen auf Kritik. Gesundheitsbehörden bezeichneten die Regeln am Sonntag als unnötig streng und möglicherweise kontraproduktiv. Sie könnten dringend benötigte Hilfskräfte davon abhalten, als Freiwillige nach Westafrika zu gehen, um die Seuche zur bekämpfen.

Außer in New Jersey gilt auch in den Bundesstaaten New York und Illinois die Regel, Menschen, die mit Ebola-Patienten in Kontakt kamen, für bis zu 21 Tage in Quarantäne zu nehmen. Nach einer Ebola-Infektion können bis zu drei Wochen vergehen, ehe die Krankheit offen ausbricht. Typische Symptome sind unter anderem Fieber und Übelkeit.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Kaci Hickox, die nach ihrer Rückkehr aus Sierra Leone am Freitag im Bundesstaat New Jersey als erste Krankenschwester in den USA unter Pflicht-Quarantäne gestellt wurde, bezeichnete die Maßnahmen als „inhuman“. Hickox sagte dem US-Fernsehsender CNN, ihr sei nicht gesagt worden, wie lange sie im Krankenhaus bleiben müsse. Sie sei außerhalb der Hauptklinik untergebracht, mit nur einem Krankenbett, einer Chemietoilette und ohne Dusche. Bei ihrer Wiedereinreise in die USA habe sie keine Symptome aufgewiesen, und auch ein Bluttest sei negativ ausgefallen.

In einem Beitrag für die Zeitung „The Dallas Morning News“ hatte sich Hickox bereits am Samstag darüber beschwert, dass sie bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen von Newark in New Jersey wie eine „Kriminelle“ behandelt worden sei. Sie wünsche solch eine Situation niemandem und sorge sich um ihre Kollegen, die künftig aus Ebola-Gebieten heimkehrten.

Anthony Fauci, Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, sagte CNN, der beste Schutz vor Ebola bestehe darin, die Epidemie in Afrika zu stoppen und zu diesem Zweck Gesundheitspersonal dorthin zu schicken. Bei ihrer Rückkehr dürften die Pflegekräfte nicht so behandelt werden, dass ihnen die Motivation genommen werde. Wer nicht krank sei und keine Symptome habe, der sei keine Bedrohung.

Dem widersprach der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, auf Fox News. Wer sich als freiwilliger Helfer in die von Ebola betroffene Region begeben wolle, werde die Notwendigkeit einer 21-tägigen Quarantäne im eigenen Interesse und dem der öffentlichen Gesundheit verstehen.

Ebola wird durch Körperflüssigkeiten übertragen. An dem Virus starben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang mehr als 4900 Menschen. Besonders betroffen sind die westafrikanischen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone.

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