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28.10.2014

14:23 Uhr

Epidemie in Westafrika

Ebola traumatisiert Guineas Kinder

Mindestens 5000 Kinder in Guinea sind direkt von der aktuellen Ebola-Epidemie betroffen. Die gefährliche Krankheit traumatisiert die jungen Opfer – und lässt die Überlebenden als Ausgestoßene zurück.

Für ein Kind kann die Einlieferung in ein Ebola-Behandlungszentrum zum Trauma werden: Der Kontakt zur Außenwelt erfolgt ausschließlich durch Mediziner in Schutzanzügen. dpa

Für ein Kind kann die Einlieferung in ein Ebola-Behandlungszentrum zum Trauma werden: Der Kontakt zur Außenwelt erfolgt ausschließlich durch Mediziner in Schutzanzügen.

GuéckédouEin Babyweinen hallt aus dem Ebola-Behandlungszentrum in Guéckédou, einer Kleinstadt im Südosten Guineas. Sekunden später tritt ein Arzt aus dem Raum. Er steckt von Kopf bis Fuß in Schutzkleidung und hält den Säugling im Arm. Wiegend und streichelnd versucht er, das zwei Wochen alte Kind zu beruhigen, so gut das eben geht durch die Schichten aus Kunststoff.

Tausende von Menschen hat der Ebola-Erreger schon in Westafrika getötet. Sowohl Vater als auch Mutter des Babys sind infiziert. Auch das Kind weist Symptome auf, aber ein Testergebnis steht noch aus. Getrennt von seinen Eltern muss es allein ums Überleben kämpfen.

Viele Menschen in Guinea nennen Ebola die „böse Krankheit“ – nicht nur, weil die meisten Infizierten sterben, sondern auch, weil das Virus die zwischenmenschlichen Beziehungen zerstört.

Wie sich Ebola verbreitet

Wann ist Ebola ansteckend?

Nur dann, wenn jemand bereits Symptome zeigt. Diese können allerdings unspezifisch sein. Die Krankheit kann mit Fieber, grippeähnlichen Schmerzen und Unterleibsschmerzen beginnen, später können Erbrechen und Durchfall folgen.

Wie breitet sich Ebola aus?

Durch Körperflüssigkeiten einer infizierten Person. Dazu zählen Blut, Schweiß, Erbrochenes, Urin, Kot, Speichel und Sperma. Diese Flüssigkeiten müssen bei einem anderen Menschen einen Eingangspunkt finden, sie können durch einen Schnitt oder Kratzer eindringen. Das Virus kann zudem weitergereicht werden, wenn jemand mit kontaminierten Händen die Nase, den Mund oder die Augen eines anderen berührt. Oder jemand wird mit den kontaminierten Flüssigkeiten angespritzt. Darum tragen Gesundheitsmitarbeiter Schutzhandschuhe und andere Schutzausrüstung.

Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, Blut, Stuhl und Erbrochenes seien die am stärksten ansteckenden Flüssigkeiten. In Speichel sei der Virus nur bei schwer erkrankten Menschen entdeckt worden, aus Schweiß sei er noch nicht entnommen worden.

Was passiert bei zufälligem Kontakt mit einem Infizierten?

Ebola wird nicht durch die Luft übertragen. Der Direktor der US-Seuchenbehörde (CDC), Tom Frieden, sagte, Menschen steckten sich nicht an, wenn sie beispielsweise nur in einem Bus neben einem Ebola-Patienten sitzen. „Es ist nicht wie bei der Grippe. Es ist nicht wie bei Masern, nicht wie bei der gewöhnlichen Erkältung. Es breitet sich nicht so aus“, sagte er.

Können Hunde das Virus übertragen?

Das weiß man noch nicht genau. Die Behörden schläferten den Hund der spanischen Krankenschwester ein, bei der Ebola diagnostiziert worden war. Es ist aber kein Fall dokumentiert, in dem jemals Ebola von einem Hund auf einen Menschen übertragen wurde. Aber es gibt eine Studie, nach der es möglich sein soll, dass Hunde Ebola bekommen können - ohne Symptome zu zeigen.

Wie wird vorgegangen, wenn ein Ebola-Verdacht besteht?

Die Krankenhäuser, die einen Verdachtsfall haben, informieren ihr Gesundheitsministerium oder die Seuchenbehörde. Dann wird eine Checkliste durchgegangen, um festzustellen, wie hoch das Risiko ist. So wird unter anderem gefragt, ob die Person von einem riskanten Kontakt mit einem bekannten Ebola-Patienten berichtet hat, wie krank sie ist und ob eine andere Diagnose wahrscheinlicher ist.

Ist ein Krankenhausaufenthalt für ein Kind ohnehin eine beängstigende Erfahrung, kann die Einlieferung in ein Ebola-Behandlungszentrum zum Trauma werden: Der Kontakt zur Außenwelt erfolgt ausschließlich durch Mediziner in Schutzanzügen. Es gibt keine Berührungen von Haut zu Haut, Gesichter verschwinden hinter dicken Schutzbrillen, doppelschichtige Masken erschweren zusätzlich die Kommunikation.

„Die Kinder weinen viel. Es ist angsteinflößend für sie, wenn Leute in Astronauten-Anzügen auf sie zukommen. Sie verstehen das nicht“, sagt Ibrahim Bah vom Donka-Krankenhaus in der Hauptstadt Conakry. „Wir spielen mit ihnen und versuchen, sie zum Lachen zu bringen, damit sie verstehen, dass wir keine Monster sind.“

Guineas Ebola-Zentren sind in provisorischen Zelten untergebracht, Klimaanlagen gibt es dort nicht. In der Region herrschen im Jahr durchschnittlich Temperaturen von 29 Grad. Wegen der Hitze und Feuchtigkeit können die Ärzte nur bis zu 90 Minuten in voller Schutzmontur bleiben, das Personal muss sich ständig abwechseln. Das erschwert den Beziehungsaufbau zu den Kindern zusätzlich.

„Wir versuchen ständig, uns etwas Kreatives einfallen zu lassen, um das zu bewältigen“, sagt Julia Garcia, die für Ärzte ohne Grenzen in Guéckédou arbeitet. Jedes Mal, bevor ihre Schicht beginnt, stellt sie Sichtkontakt mit den Kindern her, die stark genug sind, um in der Besuchszone des Behandlungszentrum umherzugehen. Sie vereinbart ein Handsignal, mit dem sie sie auch im Schutzanzug wiedererkennen. „Manchmal singe ich ihnen Lieder vor, aber das ist kompliziert, weil es schwer ist, unter den Masken zu atmen“, erzählt Garcia.

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