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26.07.2012

14:27 Uhr

Erdbeobachtung

Piraten-Vorhersage aus dem All

Wettervorhersage, Klimawandelprognosen, Katastrophenhilfe - Satellitendaten aus dem All leisten auf Erden immer wichtigere Dienste. Die Erdbeobachter könnten in Zukunft sogar die Piratengefahr verringern.

Mit ihren kleinen Booten wagen sich Piraten nur bei niedrigem Wellengang aufs Meer. picture-alliance

Mit ihren kleinen Booten wagen sich Piraten nur bei niedrigem Wellengang aufs Meer.

MünchenOhne Satelliten wäre das irdische Leben kaum noch vorstellbar: Viele Fernseher blieben schwarz, es gäbe kein Navi, die Wettervorhersage wäre nicht halb so gut - und Piraten hätten es leichter. Die Seeräuber wagen sich mit ihren kleinen Booten meist nur bei Wellenhöhen bis 2,5 Meter aufs Meer. Melden die Späher aus dem All höheren Wellengang, könnten Frachter-Kapitäne ihre Schiffe also unbesorgt durch gefährdete Gewässer steuern.

Die „Piraten-Vorhersage“ steckt freilich noch in den Kinderschuhen. „Bei der Piraterie sind wir gerade am Anfang“, sagte der Direktor des Erdbeobachtungsprogramms der Europäischen Raumfahrtorganisation Esa, Volker Liebig, beim IGARSS (International Geoscience and Remote Sensing Symposium) in München. An der Konferenz zu Geowissenschaften und Fernerkundung nehmen bis Freitag rund 2400 Experten aus aller Welt teil.

Vor allem bei der Wettervorhersage spielen die Daten seit dem Start der ersten Satelliten in den 1980er Jahren eine wichtige Rolle. Die Prognosen stützen sich heute zu 40 Prozent darauf. „Der Rest kommt von guten Modellen und Supercomputern“, sagt Liebig. „Die Wettervorhersage ist heute für sechs Tage besser als früher für drei Tage.“

Die Ziele für die Zukunft sind noch viel höher gesteckt. „Wir träumen davon, die Vorhersage auf Monate zu verlängern“, sagt der Direktor des Weltklimaforschungsprogramms, Ghassem Asrar. Er will Wetter- und Klimaprognosen näher zusammenbringen: Das Wetter soll über längere, das Klima über kürzere Zeiträume einschätzbar werden.

Solche Vorhersagen kämen nicht nur Sonnenhungrigen bei der Urlaubsplanung zugute. Zahlreiche Branchen von der Landwirtschaft über den Luftverkehr bis zum Bau profitierten - und die erneuerbaren Energien. Schon jetzt werden Offshore-Windparks und Solaranlagen anhand von Erdbeobachtungsdaten geplant.

„Es gibt eine globale Karte für Sonnen- und Windenergie“, sagt der Vorstandschef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner. „Wir sehen: Was ist der beste Platz, um Solar- und Windparks zu bauen. Bisher hat man einfach beim nächsten Dorf am nächsten Berg geguckt.“

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