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11.01.2005

08:00 Uhr

Erste Erfolge stimmen zuversichtlich

Immunsystem bekämpft Metastasen

VonHans Schürmann (Handelsblatt)

Bei der Bekämpfung von aggressiven Tumoren stoßen die Ärzte immer wieder an ihre Grenzen. Heidelberger Krebsforscher haben jetzt die Impftherapie mit Tumorzellen modifiziert.

DÜSSELDORF. Bei der Bekämpfung von aggressiven Tumoren stoßen die Ärzte immer wieder an Grenzen. Besonders, wenn der Krebs erst in einem späten Stadium erkannt und entfernt werden konnte, haben sich oft schon so viele Tochtergeschwülste gebildet, dass die lebensgefährliche Erkrankung immer wieder aufflackert.

Seit Jahren suchen Mediziner nach Möglichkeiten, auch diesen Menschen zu helfen. Ihre Strategie: Ergänzend zu einer konventionellen Behandlung mit Chemotherapie und Bestrahlung soll das Immunsystem des Patienten in den Kampf gegen die noch im Körper verbliebenen Tumorzellen aktiviert werden. Durch eine Impfung gegen den Krebs soll das Abwehrsystem die Metastasen erkennen und unschädlich machen.

Diese so genannte Tumorvakzination ist jedoch nicht so einfach, wie viele Forscher zunächst dachten. Bei einer einfachen Impfung mit präparierten Krebszellen blieb der Erfolg aus. Denn die Tumorzellen im Körper verfügen über einen TarnMechanismus und können sich so dem Zugriff durch das Immunsystem entziehen. Volker Schirrmacher, Leiter der Abteilung Zelluläre Immunologie im Deutschen Krebsforschungszentrum, ist es gelungen, diesen Schutzmechanismus der Krebszelle zu durchbrechen.

Die von ihm optimierte virus-modifizierte Immuntherapie zeigte in vorklinischen Studien erste positive Ergebnisse, wie der Heidelberger Mediziner jetzt berichtet. „Von 200 Krebspatienten zeigten immerhin 28,5 Prozent der immuntherapierten Patienten eine Verbesserung im Langzeit-Überleben im Vergleich zu Patienten ohne Immuntherapie“, sagt der Heidelberger Krebsforscher.

Schirrmacher und seine Kollegen verabreichten ihren Patienten einen Impfstoff aus Tumorzellen, die mit einem für Menschen ungefährlichen Vogelvirus infiziert waren. Die infizierten Tumorzellen wurden durch Bestrahlung inaktiviert und dem Patienten unter die Haut gespritzt. Das Virus des Typs „Newcastle Disease Virus“ (NDV) vermehrt sich in Krebszellen, hemmt das Wachstum des Tumors und wirkt zudem stimulierend auf das Immunsystem. Dem Abwehrsystem werden so einerseits tumorspezifische Antigene präsentiert, andererseits wirken Komponenten wie die doppelstrangige Ribonukleinsäure des Virus als Gefahrensignal.

Die virusstimulierte Immuntherapie der Heidelberger ist zwar nur einer von vielen Wegen, die zurzeit weltweit erforscht werden. „Die Erfolge sind jedoch ermutigend“, sagt der Mainzer Krebsforscher Christoph Huber. Huber hat bis vor kurzem die Forschungen rund um die Immuntherapie bei Krebserkrankungen in Deutschland koordiniert. Es sei jedoch zu früh, um von einem Durchbruch zu sprechen. Bis die therapeutischen Impfverfahren reif für den klinischen Alltag seien, werde es noch mindestens zehn Jahre dauern. Bislang gibt es noch keinen Impfstoff der für die Behandlung von Krebs zugelassen ist.

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