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15.03.2004

08:30 Uhr

Erste Produkte sind hauchdünne elektronische Displays auf Infotafeln und Preisschildern

Elektronisches Papier ist marktreif

VonJan Oliver Löfken (Handelsblatt)

Der Infotafel in der Hotelbar sieht man es nicht an: Die Speisekarte wurde nicht auf Papier geschrieben, sondern wird von einem dünnen Display angezeigt, das per Funk vom Computer im Büro mit Daten versorgt wird.

HAMBURG. Das elektronische Papier mit rund 40 Zentimeter Kantenlänge, das von der amerikanischen Xerox-Tochter Gyricon entwickelt worden ist, ist das erste Produkt, das nun vor wenigen Wochen auf den Markt gekommen ist. Weitere Geräte – auch von anderen Herstellern – sollen in diesem Jahr folgen.

Kontrastreich und mit feiner Auflösung von bis zu 300 Bildpunkten pro Zoll (300 dpi) zeigen diese Geräte Texte und gerasterte Schwarz-Weiß- Bilder. Ihre Daten beziehen sie über Funknetze oder aus kleinen Speicherkarten. Das elektronische Papier benötigt im Vergleich zu herkömmlichen Flachbildschirmen mit Hintergrundbeleuchtung nur wenig Energie und kann mit Hilfe von Akkus mit Strom versorgt werden.

Die Infotafel von Gyricon arbeitet mit dem so genannten „Smartpaper“, in dem sich winzige elektrisch geladene Mikrokapseln – jede kleiner als ein Sandkorn – mit einer schwarzen und einer weißen Seite elektrisch gesteuert hin und her drehen können. Vor einem wahlweise weißen oder schwarzen Hintergrund bleibt jeweils das letzte Bild ohne weitere Stromversorgung sichtbar. Die Mikrokapseln werden zwischen einer Elektrodenschicht und einer transparenten Folie quasi eingequetscht und können mit nur wenigen Zehntelmillimetern Dicke prinzipiell auch gewölbte Flächen zu pfiffigen Anzeigetafeln aufwerten.

Ähnlich funktioniert das E-Paper der Firma E-Ink. Hier bewegen sich allerdings schwarze und weiße Mikropartikel in mit Flüssigkeit gefüllten Mikrokapseln. Je nach angelegter Spannung wandern die Partikel zur Bildschirmoberfläche und bilden schwarze oder weiße Bildpunkte vor einem weißen Hintergrund. Auch diese Technik ist serienreif. So entwickelt E-Ink in Deutschland zusammen mit der Firma Vossloh eine Anzeigetafel für Bahnsteige, die ohne feste Daten- oder Stromanschlüsse auskommt.

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