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24.05.2011

18:47 Uhr

Erste Todesopfer

EHEC-Bakterien breiten sich in Deutschland aus

In Deutschland gibt es erste Todesopfer der schweren Darminfektionen EHEC. Das Robert-Koch-Institut stellt eine "erschreckende" Ausbreitung des verursachenden Bakteriums fest und warnt vor weiteren Todesfällen.

Eine Medizinisch-Technische Assistentin (MTA) im mikrobiologischen Labor des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg beschriftet eine EHEC-Bakterienkultur. Quelle: dapd

Das Darmbakterium EHEC (Enterohämorrhagischer E. coli), das schweren Durchfall, Erbrechen und Nierenschädigungen verursacht, grassiert derzeit in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

DüsseldorfDas Robert-Koch-Institut (RKI) sieht eine „erschreckende“ Ausbreitung des gefährlichen Darmbakteriums in Deutschland. Mittlerweile registrierten die Behörden hunderte Erkrankungen und Verdachtsfälle. Betroffen sind überwiegend Bundesländer im Norden, es gebe aber auch Meldungen aus Süd- und Ostdeutschland, die nun geprüft werden.

Am Dienstag wurden drei Todesfälle bekannt. In Niedersachsen starb eine 83-jährige Frau an den Folgen einer Infektion mit dem EHEC-Bakterium. In Bremen hatte eine 24-jährige verstorbene Frau nach Angaben der Bremer Gesundheitsbehörde die typischen Symptome einer Darminfektion mit EHEC-Keimen. Eine in Schleswig-Holstein gestorbene 80-Jährige war ebenfalls mit dem EHEC-Bakterium infiziert.

In der Regel sind Darmbakterien harmlos. Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) sind jedoch eine gefährliche Untergruppe. Sie können durch Abgabe von Zellgiften beim Menschen schwere Krankheitserscheinungen hervorrufen.

Fragen und Antworten zu Ehec

Was ist Ehec eigentlich?

Ehec bezeichnet einen Darmkeim, der normalerweise bei Tieren vorkommt. Er ist eine Sonderform der wichtigen Kolibakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und für die Abwehr von Krankheitserregern
sorgen. Das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium (Ehec) setzt jedoch beim Menschen gefährliche Giftstoffe frei, die lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können.

Welche Symptome bringt eine Ehec-Erkrankung mit sich?

Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und
Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich.

Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle?

Seit dem 10. Juni geht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sprossen die Ursache für den aktuellen Ausbruch sind. Die Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten wurde aufgehoben. Sprossen gelten als generell anfällig für Keime.  Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, so das RKI.

Wie kann ich mich vor Ehec-Erkrankungen schützen?

Gegen den Ehec-Keim gibt es keine Impfung, der beste Schutz ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem Robert Koch Institut zufolge das Risiko einer Ehec-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem, Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch als sicher anzusehen. Die Behörde mahnt besondere Hygiene im Umgang mit Fleisch an: Die Hände sollen vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und abgetrocknet werden. Rohes Fleisch soll getrennt von anderen Lebensmitteln gelagert und zubereitet werden, beim Grillen etwa empfiehlt das BfR verschiedene Bretter, Teller und Zangen zu verwenden. Auch diese Gegenstände sollen sofort nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Zudem rät das Institut Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Wer sich entscheidet, rohes Gemüse oder Obst zu verzehren, soll es schälen oder zumindest gründlich waschen, so die Behörde.

In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das?

HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein.

Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin?

Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen Ehec-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. Der aktuell grassierende Erreger ist gegen Antibiotika allerdings ohnehin resistent.

Wie tauschen die Länder Informationen aus?

Wenn riskante Lebensmittel in Europa im Umlauf sind, tauschen die EU-Länder über ein Schnellwarnsystem wichtige Informationen aus. Das gilt auch jetzt - bei den gefährlichen Ehec-Keimen. Über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel RASFF hat Deutschland die übrigen 26 EU-Länder vor den möglichen Ursachen der Infektionen offiziell gewarnt.

Bestehen unmittelbare Risiken für die menschliche Gesundheit, können nationale Behörden RASFF-Warnungen europaweit zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit zu informieren, Rückrufaktionen zu starten oder Importe an den Grenzen abzufangen. Betroffene Produkte werden meist vom Markt genommen. In Deutschland laufen die Hinweise beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein. Darin steht, um welche Produkte es geht, woher sie kommen und welche Maßnahmen im betroffenen Land ergriffen worden sind.

RASFF gibt es seit 1979. Nicht nur die EU-Staaten tauschen darüber Informationen aus. Auch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz machen mit. Darüber hinaus können Drittstaaten über eine Online-Plattform die Meldungen abrufen. 2009 gab es rund 8000 RASFF Meldungen, so viele wie nie zuvor. Bei 557 davon handelte es sich um ernstzunehmende Warnungen über Gefahrenprodukte, die schon auf dem Markt waren.

Die aktuelle Zahl der schweren Krankheitsverläufe in einem kurzen Zeitraum ist nach Angaben des RKI sehr ungewöhnlich, auch die betroffenen Altersgruppen seien untypisch. Es müsse mit weiteren Todesfällen gerechnet werden. Aktuell sind vor allem Erwachsene, überwiegend Frauen, betroffen. Die Suche nach dem Auslöser hat bislang kaum Erkenntnisse gebracht. Unter Verdacht ist weiterhin ungewaschenes Gemüse.

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„In den letzten Jahren stellen wir zunehmend fest, dass EHEC-Bakterien über pflanzliche Lebensmittel übertragen werden“, sagte Siegfried Scherer von der TU München im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Klassischerweise werden Übertragungen des EHEC-Bakteriums aber unzureichend gegarten Fleischprodukten zugerechnet, manchmal auch roher Milch. EHEC-Bakterien kommen nämlich im Rinderdarm vor“, erläutert der Mikrobiologe.

Von

Rafael Bujotzek

Kommentare (1)

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polo

31.05.2011, 13:15 Uhr

Schlimm. Das Internet neigt zur Verwahrlosng. In anderen Foren machen die User leider Witze zum Tod der Frau:
http://www.ariva.de/forum/Horror-Keime-83jaehrige-tot-Ursache-441437

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