Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2016

08:37 Uhr

Erster Fall in Texas

US-Behörden melden Zika-Infektion durch Sex

Das Zika-Virus überträgt sich durch Mückenstiche. Doch nun steht fest: Eine Infektion ist auch durch Sex möglich. Der US-Staat Texas meldet den ersten Fall. Damit bestätigt sich ein von Forschern lang gehegter Verdacht.

Laut amerikanischen Behörden ist nun der erste Fall einer Zika-Infektion durch Geschlechtsverkehr festgestellt worden. ap

Zika-Test

Laut amerikanischen Behörden ist nun der erste Fall einer Zika-Infektion durch Geschlechtsverkehr festgestellt worden.

DallasDie Gesundheitsbehörden stehen beim Kampf gegen das Zika-Virus vor neuen Herausforderungen. In den USA wurde erstmals eine durch ungeschützten Sex erfolgte Zika-Infektion gemeldet.

Der Patient (oder die Patientin) habe sich beim Sex mit einem Menschen infiziert, der aus einem vom Virus stark betroffenen Land zurückgekehrt war, meldete die Gesundheitsbehörde in Dallas (Texas). „Jetzt wissen wir, dass das Zika-Virus durch Sex übertragen werden kann“, sagte Zachary Thompson, Direktor der texanischen Gesundheitsbehörde. Das Land oder das Geschlecht der Betroffenen nannte Thompson nicht.

Normalerweise überträgt sich das Virus über Mückenstiche, Experten hegen jedoch schon seit längerem den Verdacht, dass sich Zika auch über sexuellen Kontakt überträgt. Der jetzt bestätigte Fall in den USA ist der erste dieser Art.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

In Brasilien steigt unterdessen die Zahl der bestätigten Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) bei Babys. Es ist das bisher am stärksten betroffene Land. Wie das Gesundheitsministerium am Dienstagabend mitteilte, stieg die Zahl von 270 auf 404. In 17 Fällen konnte nachgewiesen werden, dass sich schwangere Frauen zuvor mit dem Zika-Virus infiziert hatten. Zudem werden derzeit noch 3670 Fälle mit einem Verdacht auf Mikrozephalie untersucht.

Das von der Stechmücke Aedes aegypti übertragene Virus steht im Verdacht, durch eine Infektion von Schwangeren bei Neugeborenen solche Schädelfehlbildungen zu verursachen. Am Montag hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wegen der Zika-Epidemie einen globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Bislang ist das Virus innerhalb weniger Monate in 26 Ländern Lateinamerikas aufgetaucht.

Die brasilianische Gemeinde Capivari sagte ihre Karnevalsumzüge ab. Sie will das dafür gedachte Geld – etwa 25 000 Dollar – im Kampf gegen das Virus verwenden. Brasilien stellte bereits rund 220.000 Soldaten ab, die gegen die Überträgermücke zu Felde ziehen sollen. Sie nutzt vor allem stehendes Wasser und offene Wasserbehälter als Brutstätten, damit sind besonders Menschen in Lateinamerikas Armenvierteln gefährdet.

Das Kinderhilfswerk Unicef will in dem südamerikanischen Land mit einer Informationskampagne eine weitere Ausbreitung verhindern. Das Pharmaunternehmen Sanofi kündigte am Dienstag Forschungen für einen Impfstoff gegen das Virus an. Bis es eine Impfung gibt, dürften aber Jahre vergehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×