Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2005

13:55 Uhr

ESA-Wissenschaftler jubeln

Huygens ist am Ziel

„The baby cries“, jubeln Wissenschaftler fast zeitgleich am Freitagvormittag um 11.40 Uhr (MEZ) in den ESA-Kontrollzentren in Paris und Darmstadt. Astronomen hatten das Trägersignal der europäischen Raumsonde Huygens erstmals seit der Trennung von der amerikanischen Muttersonde Cassini mit einem Netz von Radioteleskopen auf der Erde empfangen. Damit steht fest: Die sensiblen Systeme der Sonde sind aus ihrem „Energiesparmodus“ erweckt und arbeiten.

Computerbild von der Titan-Sonde „Huygens“. Foto: dpa

Computerbild von der Titan-Sonde „Huygens“. Foto: dpa

leo/rje/ha/rtr DARMSTADT. Das erste Experiment startet nun direkt mit dem Eintritt von Huygens in die Atmosphäre des größten Saturn-Mondes Titan. „Wir messen das abdriften der Sonde in der dichten Atmosphäre des Titan, um etwas über die Windverhältnisse dort zu erfahren. Dies gibt uns auch maßgeblich Auskunft über das Wetter auf dem Mond“, erklärt Michael Bird, für das Experiment verantwortlicher Wissenschaftler vom Radioastronomischen Institut der Universität Bonn.

Die Sonde ist zu diesem Zeitpunkt noch 60 Kilometer von der – wie auch immer gearteten – Oberfläche des Titan entfernt. Gegen 17 Uhr (MEZ) erwarten die Wissenschaftler in Darmstadt dann auch die ersten Messergebnisse auf der Erde. Die Daten benötigen für die rund 1,4 Milliarden Kilometer lange Reise über Stunde.

Dichter Smog in der Atmosphäre des Titan hatte eine Erforschung des Mondes bisher verhindert. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn bezeichnete das Projekt als Höhepunkt der Erforschung des Sonnensystems.

Die nach dem niederländischen Astronomen Christiaan Huygens benannte Kapsel geht an Fallschirmen in der trüben Gashülle des rötlich schimmernden Titan nieder. Während ihres zweieinhalbstündigen Abstiegs soll sie so viele Daten wie möglich über die Zusammensetzung der Atmosphäre und über das Titan-Wetter liefern.

Mit einem Durchmesser von 5150 Kilometern ist der Titan etwa halb so groß wie die Erde und damit der zweitgrößte Mond im Sonnensystem. Zugleich ist er dort der einzige, der eine Atmosphäre besitzt - mit Wolken, Wind und Wetter. Auf seiner Oberfläche gibt es wahrscheinlich sogar Seen, die allerdings aus flüssigem Methan bestehen dürften, dem Hauptbestandteil von Erdgas.

Nach einer Reise über dreieinhalb Milliarden Kilometer bleiben Huygens für Fotografien und Messungen gerade einmal 140 Minuten Zeit. Den Aufschlag auf der Oberfläche dürfte sie nicht lange überstehen. Spätestens 130 Minuten nach dem Auftreffen auf der Titan-Oberfläche wäre Huygens am Ende, weil die als Funkbrücke zur Erde dienende Geschwistersonde Cassini dann die Reichweite von Huygens Antennen verlässt. Zudem reichen die Batterien nur für eine Messdauer von vier Stunden.

Huygens wurde im Oktober 1997 zusammen mit der Nasa-Sonde Cassini von Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gestartet. Die beiden aneinandergekoppelten Raumfahrzeuge trennten sich kurz vor Weihnachten. Huygens Aufgabe ist mit der Erforschung des Saturnmondes Titan erfüllt. Cassini, mit über zwei Milliarden Euro mehr als dreimal so teuer wie Huygens, soll den Planeten dagegen mindestens noch viereinhalb Jahre lang umkreisen und dabei umfangreiche Messungen vornehmen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×