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18.10.2011

14:22 Uhr

EuGH-Entscheidung

Kein Patent auf embryonale Stammzellen

Wie weit dürfen Forscher bei der Kommerzialisierung embryonaler Stammzellen gehen? Mit seiner Entscheidung gegen die Patentierbarkeit hat das oberste EU-Gericht enge Grenzen gezogen

Eine tiefgefrorene Probe mit embryonalen Stammzellen. Das oberste europäische Gericht hat die Patentierung solcher Stammzellen verboten. ap

Eine tiefgefrorene Probe mit embryonalen Stammzellen. Das oberste europäische Gericht hat die Patentierung solcher Stammzellen verboten.

LuxemburgDer Europäische Gerichtshof hat der Stammzellenforschung in Europa enge Grenzen gesetzt. Nach einem Grundsatzurteil dürfen menschliche embryonale Stammzellen nicht für die wissenschaftliche Forschung patentiert und vermarktet werden.

Wenn für deren Gewinnung Embryonen zerstört würden, verstoße dies gegen den Schutz der Menschenwürde, entschieden die Richter des EuGH am Dienstag in Luxemburg (Rechtssache: C-34/10). Auch bei befruchteten Eizellen handle es sich rechtlich um Embryonen und menschliches Leben.

Hintergrund der Klage war ein Patentstreit zwischen der Umweltorganisation Greenpeace und dem Bonner Neurobiologen Oliver Brüstle. Dabei ging es um ein Patent auf diese Zellen, die der Forscher zur Behandlung neurologischer Krankheiten wie Parkinson oder Multiple Sklerose einsetzen wollte, sowie die Verfahren zu ihrer Herstellung.

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Das Grundsatzurteil unterbindet mögliche Milliardengeschäfte mit Biomedizin. „Die Erteilung eines Patents für eine Erfindung schließt grundsätzlich deren industrielle und kommerzielle Verwendung ein“, schrieben die Richter in ihrer Begründung.

Allerdings hält der Gerichtshof eine Ausnahme des generellen Patent-Verbots für möglich. Das gelte, wenn Stammzellen für eine Therapie oder Diagnose zum Nutzen des Embryos benutzt würden, zum Beispiel um Missbildungen zu beheben oder die Überlebenschancen des Embryos zu verbessern.

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Das Stammzell-Urteil des EhGH steht am Ende eines Streits zwischen Greenpeace und der Bonner Neurobiologen Oliver Brüstle. Im Interview erläutert Brüstle seine Sicht auf die Entscheidung.

Embryonale Stammzellen sind noch nicht auf eine bestimmte Aufgabe festgelegt und können damit prinzipiell zu allen Zellentypen werden. Deshalb sind sie für die Forschung und Medizin bei der Behandlung von Krankheiten so wertvoll.

Ihre Nutzung ist aber äußerst umstritten, weil sie aus frühen Embryonen stammen, die bei ihrer Gewinnung zerstört werden. „Der Begriff des menschlichen Embryos ist weit auszulegen“, schreiben die Richter.

Kommentare (1)

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19.10.2011, 11:54 Uhr

@Redaktion Handelsblatt: Der EuGH ist KEIN EU-GERICHT!

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