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30.04.2013

10:37 Uhr

Europäischer Erfinderpreis 2013

Ein Anschluss für die ganze Welt

VonHanno Charisius

Gut sieben Milliarden USB-Geräte gibt es auf diesem Planeten. Doch der Mann, der USB erfand, ist vielen Menschen unbekannt geblieben - auch deshalb, weil sich Ajay Bhatt in einem entscheidenden Moment doubeln ließ.

Er sorgte dafür, dass aus „plug’n pray“ schließlich doch noch „plug’n play“ wurde: Ajay Bhatt.

Er sorgte dafür, dass aus „plug’n pray“ schließlich doch noch „plug’n play“ wurde: Ajay Bhatt.

DüsseldorfDer USB-Anschluss ist eine von diesen Erfindungen, die jeder benutzt, aber kaum jemand wirklich würdigt. Er stellt die Verbindung zwischen Computern und ihrer Umgebung her – und wohl weil das so gut funktioniert, nimmt kaum jemand Notiz von ihm. Aber das war nicht immer so.

Als die ersten Computer mit den neuen Anschlüssen im Jahr 1996 auf den Markt kamen, ersetzten die Nutzer schnell den Werbeclaim „plug’n play“ – anschließen und loslegen – durch das Stoßgebet „plug’n pray“ – anschließen und beten. Weil der „Universal Serial Bus“ in den damaligen Computern noch nicht wirklich nahtlos eingebunden war, geriet es zur Glückssache, ob die neue USB-Tastatur schon von Windows 95 erkannt wurde. Das sollte sich erst nach der Jahrtausendwende mit dem seinerzeit nagelneuen Windows XP ändern.

Heute gibt es auf diesem Planeten mehr als sieben Milliarden Geräte mit USB-Anschluss. Alles was sich mit dem Computer per Kabel verbinden soll – von der Webcam, Fotoapparat oder MP3-Spieler über DVD-Brenner und Tastaturen bis hin zu mobilen Festplatten – kommuniziert mit dem Computer über diese Universalschnittstelle, die Geräten wie Mobiltelefonen auch noch gleichzeitig den Akku auflädt.

Wildwuchs eindämmen

Dass wir den USB-Anschluss heute täglich benutzen ohne es zu merken, ist zum großen Teil das Verdienst des Ingenieurs Ajay Bhatt, der zusammen mit seinen Kollegen Shaun Knoll, Jeff Charles Morriss, Shelagh Callahan und Sudarshan Bala Cadambi Anfang der 1990er Jahre begann, das Kabel-Chaos um die Computer herum zu bekämpfen. Ein einziger Rechner konnte damals leicht fünf verschiedene Schnittstellen für den Anschluss von Peripheriegeräten vorweisen. Das Team von Intel-Mitarbeitern wollte aber nicht nur diesen Wildwuchs eindämmen, sondern auch ein System erschaffen, das erlaubt, Gerätschaften während des Betriebs an- und abzustöpseln. Heute Standard, damals ein Novum, nach dem sich viele Anwender sehnten.

Nicht selten musste man in diesen Zeiten noch den Computer aufschrauben und eine Steckkarte mit dem passenden Anschluss etwa für einen neuen Scanner eigenhändig einbauen. Daran schloss sich die Installation von neuer Treibersoftware an, verbunden mit stummen Gebeten, dass sie kompatibel sein möge mit dem Rechner unter dem Schreibtisch. Das muss ein Ende haben, dachte sich Bhatt, der als Intel-Ingenieur mit all dem noch vergleichsweise gut klar kam – jedenfalls besser als der durchschnittliche PC-Nutzer.

Kommentare (3)

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Ofelas

30.04.2013, 11:35 Uhr

Die haelfte aller Unternehmensgruendungen im Silicon Valley sind von "Auslaendern", wenn man die first generation US Amerikaner dazunimmt ist es weit mehr (Google) Die US (westliche) Presse ignoriert diese Tatsache, und so bleibt die Maer von der eigenen Innovationskraft und Bildungssytem erhalten.

Einwanderer

30.04.2013, 13:01 Uhr

@Ofelas
Sie haben Recht: Nicht nur für Unternehmen, ja für ganz USA gilt wohl dass es sich bei den Bewohnern um 'Ausländer' also ursprünglich nicht dort ansässige handelt.
Siehe :

http://de.wikipedia.org/wiki/Entdeckung_Amerikas

(Dies ist ein eher humoristischer Beitrag , habe mir mal die Zeit genommen).

justRead

30.04.2013, 13:59 Uhr

Es ist schön und leider viel zu selten, daß solche Leute, die durch ihre Ideen, Energie und Disziplin Innovationen in unser tägliches Leben gebracht haben, tatsächlich gefeiert werden. Wer kennt schon die Entwickler von WLAN, UMTS, DSL, Farbdisplan, Mobiltelefon, Induktionsplatte, Roboterstaubsauger, Geschirrspülmaschine,Wäschetrockner usw. die unseren Tag von dem unserer Großeltern unterscheiden und tagtäglich erleichtern ! Ich würde mich über mehr Artikel hierzu freuen.

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